TOURISMUS: Neue Geldquelle für Car-Regime?

Reisebusse dürfen am Luzerner Schwanenplatz gratis anhalten. Nun prüft die Stadt eine Anhaltegebühr. Die Idee ist bei den Uhrengeschäften jedoch umstritten.

Stefan Dähler
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Der Schwanenplatz in Luzern. (Bild: Roger Gruetter (Luzern, 18. November 2016))

Der Schwanenplatz in Luzern. (Bild: Roger Gruetter (Luzern, 18. November 2016))

Durch die Altstadt spazierende Touristen gehören weiterhin zum Luzerner Stadtbild: Nach der Testphase wird das Car-Regime 2017 nun definitiv eingeführt (siehe Box). «Die direkten Nutzniesser sind grundsätzlich bereit, das über zwei Jahre bewährte Regime weiterhin zu finanzieren», sagt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage unserer Zeitung.

Dass die Stadt dieses Regime weiterführen will, ist bekannt (Ausgabe vom 18. Oktober). Weil der dafür nötige Verkehrslotsendienst am Schwanen- und Löwenplatz vollständig von den ansässigen Geschäften finanziert wird, hat die Stadt in den Wochen nach Ablauf der Testphase nochmals Gespräche mit den Unternehmern führen müssen. Die Kosten betragen etwa 300 000 Franken pro Jahr, rund 20 Geschäfte beteiligen sich daran.

Dieses Finanzierungsmodell sei für die Anrainer aber nur «bedingt befriedigend», sagt Lütolf. «Sie ist abhängig vom guten Willen und basiert auf Freiwilligkeit.» Es gäbe Geschäfte, die zwar vom Tourismus profitierten, sich aber nicht beteiligen würden. Die Stadt will daher ein neues Finanzierungsmodell prüfen, das die Anrainer entlasten würde.

Ziel ist, den Lotsendienst zu finanzieren

So untersucht die Stadt, ob Cars auf dem Schwanenplatz mittelfristig eine Anhaltegebühr bezahlen müssen. Derzeit kostet ein kurzer Stopp zum Ein- und Aussteigen nichts. Die Einnahmen sollen für die Finanzierung des Lotsendiensts verwendet werden und somit die Geschäfte entlasten. Die Idee ist nicht neu. Sie stammt aus einer Studie zum Luzerner Car-Verkehr aus dem Jahr 2014, welche die Stadt und Luzern Tourismus bei der Pricewaterhouse Coopers AG in Auftrag gegeben haben. Man habe mit der Massnahme aber zuwarten wollen, bis sich das Car-Regime etabliert habe, so Lütolf.

Zudem müsse die rechtliche Grundlage geklärt werden. Denn der Schwanenplatz sei kein offizieller Parkplatz, folglich könne die Stadt derzeit auch keine Gebühren erheben. Ab wann solche eingeführt werden könnten und in welcher Höhe, sei noch offen. 2017 werde dies sicher noch nicht der Fall sein. «Man wird im Vorfeld auch klären müssen, wie die Reiseanbieter auf eine solche Gebühr reagieren würden», fügt Lütolf hinzu.

Dieser Punkt bereitet auch ­einigen Geschäften Sorgen. «Wir sind nicht begeistert. Die Anhaltegebühr könnte die Stellung der Touristenstadt Luzern schwächen. Damit würde man ein falsches Zeichen setzen», sagt Jörg Baumann, Marketingleiter bei Bucherer. Die Uhren- und Schmuckfirma steuert einen wesentlichen Anteil zur Finanzierung des Lotsendienstes bei, die genauen Zahlen werden nicht kommuniziert.

Laut Baumann ist ausserdem fraglich, wie man das genau umsetzen könnte. «Falls der Car-Chauffeur aussteigen muss, um die Gebühr zu bezahlen, würde dies den Aufenthalt auf dem Schwanenplatz verlängern, was kontraproduktiv wäre.» Dieser Meinung ist auch Robert Casagrande, Inhaber des gleichnamigen Geschäfts am Grendel. Gübelin dagegen würde eine «zweckgebundene Allokation von Einnahmen» begrüssen, wie es auf Anfrage heisst.

Wohin mit den Einnahmen aus den Parkgebühren?

Die Stadt prüft zudem eine zweite Finanzierungsmöglichkeit: ob die Einnahmen aus den Parkgebühren für Cars zweckgebunden für die Finanzierung des Car-Regimes eingesetzt werden können. Derzeit gibt es am Kasernenplatz und am Löwenplatz, beim Lido, Brüelmoos, Inseli und Alpenquai Car-Parkplätze. Für diese erhebt die Stadt Gebühren von 3 bis 10 Franken pro Stunde. Zuletzt erhöht wurden sie im Mai (Ausgabe vom 3. Mai). Das Geld fliesst derzeit in einen Topf zum Unterhalt und zur Pflege von Parkplätzen auf städtischem Grund. Die Höhe des Betrags konnte die Stadt nicht beziffern.

Touristen gehen zu Fuss

Das Car-Regime wurde 2015 testweise eingeführt, um den Schwanenplatz verkehrstechnisch zu entlasten. Nun wird es definitiv fortgesetzt. Während der Hochsaison ab 17 Uhr dürfen Cars am Schwanenplatz nur noch halten, um Touristen abzuladen. Einsteigen müssen diese später am Löwenplatz. Den Weg dorthin legen sie zu Fuss zurück. Erarbeitet wurde das Car-Regime von der Arbeitsgruppe Cartourismus. Diese besteht aus Vertretern der Stadt Luzern, der City-Vereinigung, des Quartiervereins Altstadt, von Gübelin, Bucherer und Luzern Tourismus.
(std)

Stefan Dähler