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TOURISMUS: Privatzimmer mit Zmorge boomen in der Zentralschweiz

Bed & Breakfast – Bett und Frühstück – wird in der Zentralschweiz immer beliebter: Zwischen 2007 und 2016 hat sich die Zahl der Übernachtungen verdoppelt. Und das trotz der boomenden Online-Plattform Airbnb. Den Tourismusdirektor freut’s.
Alexander von Däniken
In ihrem B & B kann im Mostfass übernachtet werden: Rita und Robert Schwander aus Baldegg. (Bild: Corinne Glanzmann (27. Juli 2017))

In ihrem B & B kann im Mostfass übernachtet werden: Rita und Robert Schwander aus Baldegg. (Bild: Corinne Glanzmann (27. Juli 2017))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Es ist eine Nische, die in der Tourismusregion Luzern-Vierwaldstättersee besonders gut gedeiht: Bed and Breakfast – kurz B & B. Die traditionelle Kombination aus Übernachtungsmöglichkeit und Frühstück verzeichnet hier ein stetes Wachstum: 2007 wurden gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 22 110 Übernachtungen gezählt, letztes Jahr bereits 46 024. Das ist zwar im Vergleich zu den traditionellen Hotels und Kurbetrieben noch bescheiden (204 183 Logiernächte 2016), aber im schweizweiten Vergleich trotzdem beachtlich. Entfielen 2007 noch 8,7 Prozent aller Übernachtungen in Schweizer B & B auf die Tourismusregion Luzern-Zentralschweiz, waren es letztes Jahr 11,6 Prozent. Einen höheren Marktanteil hat nur noch das Wallis.

Das BFS führt die Erhebung im Auftrag des Dachverbands Bed and Breakfast Schweiz durch. Das hat den Vorteil, dass nur jene Angebote zählen, die gemäss Begriff auch ein Frühstück enthalten. Denn der Ausdruck B & B ist nicht geschützt, und vieles, das im Internet angeboten wird, enthält gar kein Frühstück. Zum Beispiel auf dem populären, aber wegen der Kurtaxen auch umstrittenen Online-Portal Airbnb. Der Dachverband stellt mit Qualitätsgütesiegeln und Kontrollen unter anderem sicher, dass die Gäste persönlich umsorgt werden und auf dem Zmorgetisch nicht nur ein Joghurt steht.

Noch Potenzial bei chinesischen Touristen

Dorette Provoost, Geschäftsführerin des Dachverbands, kann über die Entwicklung der Zentralschweizer B & B nur vermuten, dass diese von Luzern Tourismus stark gefördert werden. So habe auch der Dachverband selbst einen engen und guten Kontakt zu Luzern Tourismus. Rund 100 000 von schweizweit 171 000 B&B-Gästen stammen aus der Schweiz; gefolgt von Deutschen, Franzosen, Italienern und Amerikanern. Provoost ortet bei asiatischen Gästen noch Potenzial. «Wir überlegen uns deshalb, unsere Verbands-Website mit den Angeboten bald auch auf Chinesisch anzubieten.» Gebucht werde indes weiterhin direkt über die Anbieter. Allgemein stellt Provoost fest, dass die Anbieter immer ausgefallenere Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Das sei auch wichtig: «Heutzutage reicht es nicht mehr, nur ein Bett und ein Frühstück anzubieten.» Dies gilt vor allem, wenn Touristen die Zielgruppe sind. Bei Angeboten, die auf temporäre Arbeitskräfte aus dem Ausland zugeschnitten sind, sei hingegen ein guter Autobahn- oder ÖV-Anschluss entscheidend.

Ausgefallene Angebote gibt es auch unter den 72 B & B in der Zentralschweiz. So trumpft das Landhaus von Kathrin Seiler Erb in Meggen mit einem umfangreichen Wellnessangebot auf; inklusive Hallenbad und Fitnessecke. Urchiger geht es bei Lucia und Markus Stirnimann zu und her. Bei ihnen in Luthern kann im Dachstock der Napf-Chäsi übernachtet werden. Wer eher dem Wein zugeneigt ist, kann im Bio-Weinbaubetrieb von Francine und Martin Schmidlin in Egolzwil übernachten. Rustikal und komfortabel schläft es sich wiederum im Wurzelbaumhaus von Karin und André Wechsler in Neuenkirch.

Originell ist auch, was Rita und Robert Schwander im Angebot haben. Bei ihnen auf dem Biohof in Baldegg kann in drei alten Mostfässern übernachtet werden. «Mein Mann hatte die Idee, als er der Gründung der IG Hochstamm Seetal beiwohnte», sagt Rita Schwander. Die Holzfässer waren schnell gefunden: bei der Mosterei Muff in Römerswil. Seit 2012 bietet das Ehepaar Schwander diese Übernachtungsmöglichkeit an. Platzangst müsse niemand haben. Die früher 6000 Liter Most fassenden Holzbehälter bieten genügend Platz für ein Doppelbett. Auch die Kälte ist kein Problem: Die Fässer stehen im grossen und wohnlichen Eventraum, der im Winter beheizt wird. In den letzten Jahren konnten Schwanders kontinuierlich mehr Gäste beherbergen. Diese kommen mehrheitlich aus der Schweiz, aber auch Touristen aus Australien oder Norwegen seien schon angereist. «Die Gäste sind überrascht, wie gut sie in den Fässern schlafen und wie geborgen sie sich darin fühlen», sagt Rita Schwander. Die Übernachtungen seien ein gutes weiteres Standbein für den Betrieb; neben dem Verkauf des eigenen Gemüses am Luzerner Markt und im Hofladen sowie der Vermietung des Seminarraums. Der Preis für eine Übernachtung pro Person und Nacht beträgt in Baldegg 70 Franken, die Preise für die anderen B & B variieren zwischen 50 und 160 Franken.

Tourismusdirektor: B & B decken spezifische Gästeinteressen ab

Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, freut sich über die Entwicklung der B & B in der Region. Mehr noch; sie helfe bei der Umsetzung der Premium-Strategie, welche auf weniger Gruppenreisende und mehr Übernachtungen pro Gast abzielt: «Ein Markenkernwert der Premium-Strategie von Luzern Tourismus umfasst die Gastfreundschaft. Damit passen die Bed-and-Breakfast-Gastgeber, welche sich Gäste ins Haus holen und Gastfreundschaft am Gästetisch pflegen, ideal zur Premium-Strategie von Luzern Tourismus.»

Dass vermehrt ausgefallene Angebote wie das Wurzelbaumhaus oder «Schlafen im Mostfass» Fuss fassen, wertet Perren ebenfalls positiv: «Allen Angeboten gemeinsam ist, dass es sich um eine Unterkunft bei Privatpersonen handelt. Diese Freiheit ermöglicht es den Gastgebern, auch ausgefallene Übernachtungsangebote über die Bed-and-Breakfast-Plattform anzubieten. Dadurch ­haben sie auch die Möglichkeit, sich klar zu positionieren und spezifische Gästeinteressen anzusprechen.»

Die Entwicklung der Logiernächte in den Zentralschweizer B & B sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Anzahl der Betriebe zugenommen hat: 2007 waren es noch 46. Dazu habe sich insbesondere der Markt in Deutschland erholt. Dass der Dachverband nun den chinesischen Markt ins Auge fasse, sei richtig. «Es ist aber auch wichtig, dass die Gastgeber bezüglich interkulturellem Verständnis geschult werden.»

Airbnb ausser Acht lassen will ­Marcel Perren indes nicht. Für ihn sei wichtig, dass die Gäste eine Auswahl an guten Übernachtungsmöglichkeiten haben. «Da Airbnb viel internationaler aufgestellt ist und boomt, wird das Angebot bestimmt auch in unserer Tourismus­region noch wachsen.»

Hinweis

Mehr Informationen:www.bnb.ch.

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