Tourismus
Virus lässt neue Bahn zwischen Weggis und Rigi Kaltbad hängen

Nach einer Neubeurteilung aller anstehenden Investitionen hat der Verwaltungsrat entschieden, das Wunschprojekt «Luegisland» zu sistieren. Stattdessen beantragt er eine Verlängerung der Betriebsbewilligung für die alte Bahn.

Alexander von Däniken
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Wie es mit den Rigi Bahnen AG weitergehen wird, ist noch unklar.

Wie es mit den Rigi Bahnen AG weitergehen wird, ist noch unklar.

Bild: PD

Das Coronavirus stoppt jetzt auch geplante Investitionen auf der Rigi. Konkret wird der Ersatz der Pendelbahn zwischen Weggis und Rigi Kaltbad sistiert. Dies teilte die Rigi Bahnen AG am Montag mit. CEO Frédéric Füssenich sagt auf Anfrage:

«Die Auswirkungen der Pandemie führen dazu, dass wir das Generationenprojekt umso sorgsamer angehen.»

Konkrete Zahlen kann Füssenich noch nicht nennen – der Geschäftsbericht sei zwar vom Verwaltungsrat abgesegnet, aber den Aktionären noch nicht kommuniziert worden.

Klar sei, dass die Rigi Bahnen AG letztes Jahr mit einem blauen Auge davongekommen sei. Zwar seien die ausländischen Gäste ausgeblieben; die Schweizer Gäste hätten den Rückgang aber immerhin teilweise kompensieren können. Für dieses Jahr hofft Füssenich, dass vor allem das wichtige Sommergeschäft Fahrt aufnehmen könne – zumal die Bahnen das 150-jährige Bestehen feiern. Derweil wird das nun sistierte Siegerprojekt namens Luegisland überarbeitet, wie Füssenich sagt. Im Fokus stünden Kostenoptimierungen bei Gebäuden und Parkplätzen.

Ist bestehende Bahn noch sicher?

Die Sistierung des Projekts hat zur Folge, dass die bestehende Luftseilbahn länger in Betrieb bleibt. Deren Konzession läuft im September 2022 aus. Über eine Verlängerung der Konzession muss das Bundesamt für Verkehr entscheiden. «Wir brauchen bis im Herbst vom Bundesamt für Verkehr verbindliche Angaben darüber, was es braucht, um die Betriebsbewilligung für die bestehende Bahn zu verlängern», sagt Füssenich. Er ist mit Blick auf die Pandemie zuversichtlich, dass der Bund hier ein Entgegenkommen signalisiert.

Auf der Website der Rigi Bahnen AG steht zur bestehenden Seilbahn: «Da die mechanischen Komponenten und die Steuerung jedoch am Ende ihrer technischen Lebensdauer angelangt sind, würde eine weitere Konzessionserneuerung schwierig. Je länger die bestehende Bahn noch betrieben werden muss, umso grösser ist das Risiko eines Komplettausfalls infolge technischer Defekte und schwieriger Ersatzteilbeschaffung.»

Wie kann das Unternehmen sicher sein, dass der Bund die Konzession verlängert? Und ist die jetzige Seilbahn überhaupt noch sicher? Dazu sagt CEO Frédéric Füssenich, dass zwischen sicherheitsrelevanten und teuren Faktoren unterschieden werden müsse. Zu Letzterem gehöre die Steuerung, die «am Lebensende» sei. Falls diese kaputt ginge, käme es zu einem mehrere Monate langen Betriebsunterbruch. «Dies wäre zwar ärgerlich, ist aber nicht sicherheitsrelevant.»

Was aber sicherheitsrelevant sei und darum vom Bundesamt für Verkehr für die Verlängerung einer Betriebsbewilligung unter die Lupe genommen werde, seien Seile, Stützen und Sicherheitsdispositiv. Ob es hier Mängel gebe, werde mit dem Bundesamt abgeklärt. Füssenich betont:

«Die Anlage ist absolut sicher, ansonsten dürften wir nicht fahren.»

Abstimmungen im Herbst erwartet

In einer früheren Kostenschätzung hatten die Rigi Bahnen AG den Bau einer Gondelbahn mit 20 Millionen Franken beziffert. Gemäss Füssenich kostet das geplante Projekt inzwischen weit mehr. Trotz der Sistierung soll die Weggiser Bevölkerung im Herbst über eine Teiländerung des Zonenplans bei der Bergstation entscheiden. Ebenfalls sollen sie über den neuen Seilbahnkorridor befinden.

Die beiden Vorlagen sind Voraussetzung für eine allfällige Baubewilligung für das Nachfolgeprojekt. «Es ist also nicht so, dass bis jetzt etwas vorgelegen hätte, gegen das man hätte Beschwerde einlegen können», sagt Füssenich in die Richtung der Skeptiker.