Touristen überrennen die Apotheken in der Stadt Luzern wegen Schutzmasken

Die Furcht vor dem Corona-Virus veranlasst zahlreiche Menschen dazu, einen Mundschutz zu erwerben. Die gestiegene Nachfrage spüren auch Apotheken in der Stadt Luzern. Derweil hat Bucherer eine Task Force gebildet.

Sandra Peter
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Um sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, wollen derzeit viele Gäste in Luzern eine Maske kaufen, die Mund und Nase bedeckt – doch diese ist jeweils schnell ausverkauft. «Wir haben sogar einen Zettel an die Tür gehängt, mit der Information, dass wir keinen Mundschutz mehr haben», sagt Beatrice Zumstein von der Suidterschen Apotheke in der Stadt Luzern.

Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 30. Januar 2020

Beim Lieferanten heisse es, der Mundschutz sei für unbestimmte Zeit ausverkauft, erklärt die Apothekerin. «Es sind vorwiegend asiatische Touristen, die eine oder mehrere Packungen des Mundschutzes kaufen wollen», so Zumstein.

«Einige planten gleich einen Grosseinkauf, auch um die Packungen nach Hause zu senden».

Es gebe aber auch Schweizer Kunden, die nach dem Produkt fragen. Ähnlich ist die Situation bei der See-Apotheke in der Stadt Luzern. Sie hätten am Mittwoch eine neue Lieferung erhalten, seien aber bereits wieder ausverkauft, sagt Geschäftsführerin Livia Mangold. «Dies, obwohl wir die Ausgabe rationiert haben. Pro Person haben wir maximal vier Packungen verkauft.» Eine Packung mit 50 Stück des Mundschutzes kostet zwischen 8 und 25 Franken. 

Hygiene ist wichtiger als Mundschutz

Apothekerin Beatrice Zumstein rät, nicht in Panik auszubrechen. «Dass Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören – etwa Ältere oder Personen mit geschwächtem Immunsystem – sich sorgen und sich schützen wollen, ist verständlich», so Zumstein. Doch auch die Grippe, die Influenza, könne bei älteren oder geschwächten Menschen gefährlich verlaufen. Davor sei die Furcht aber nicht so gross. «Neues und Unbekanntes macht den Leuten mehr Angst», weiss die Apothekerin aus Erfahrung.

Die Mitarbeiter in der Suidterschen Apotheke und der See-Apotheke tragen bei der Arbeit keinen Mundschutz, ausser bei besonderen Tätigkeiten im Labor. «Wir richten uns nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit», so Mangold, Geschäftsführerin der See-Apotheke. «Viel wichtiger als ein Mundschutz ist die Hygiene, etwa regelmässiges Händewaschen und desinfizieren oder Niesen und Husten in die Armbeuge.» Das Virus namens 2019-nCoV kann hohes Fieber und Atemwegserkrankungen auslösen. In der Schweiz gab es bis Donnerstagnachmittag keinen nachgewiesenen Fall des Corona-Virus.

Auch Individualreisen fallen nun vermehrt aus

Um dessen Ausbreitung einzudämmen, hat China bereits vergangene Woche alle Reisebüros des Landes angehalten, den Verkauf von Pauschalreisen ins Ausland zu stoppen. Dies wird Auswirkungen auf den Zentralschweizer Tourismus haben (wir berichteten). Am Mittwoch hat unter anderem die Swiss bekannt gegeben, all ihre Flüge nach China zu streichen. Bis am 9. Februar fliegt sie nicht mehr nach Peking und Schanghai. Das werde die touristische Situation verschärfen, bestätigt Sibylle Gerardi, Mediensprecherin von Luzern Tourismus. «Denn so haben auch Individualreisende aus China weniger Möglichkeiten, in die Schweiz und nach Luzern zu gelangen». Welches Ausmass die Folgen des Flugstopps annehmen werden, lasse sich noch nicht abschätzen. Das sei unter anderem abhängig von dessen Dauer.

Luzern Tourismus hatte bereits Meldungen von Hotels, Bergbahnen und anderen Partnern erhalten, wonach Reiseveranstalter ihre Touren abgesagt haben oder keine neuen buchen können. Derzeit sind Reiseveranstalter auch damit beschäftigt, die Rückreise der chinesischen Gäste zu organisieren. «Das EDA und die Airlines sind dabei, einen Plan dafür zu erarbeiten», so Gerardi. Luzern Tourismus ist bisher noch kein Fall von einer in der Region «gestrandeten» Gruppe bekannt.

Bucherer hat eine Task Force gebildet

Rechnen auch Uhren- und Schmuck-Geschäfte mit Einbussen? Es sei zu früh, um dazu eine Aussage zu machen, heisst es bei Bucherer und Gübelin. PR-Manager Patrick Pfannkuche von Gübelin sagt: «Wir beobachten die Situation. Unseren Mitarbeitenden stellen wir Schutzmassnahmen zur Verfügung.» Und die Medienverantwortliche Regina Schilcher von Bucherer schreibt: «Wir haben eine Task Force gebildet, die mehrere Szenarien entwirft und je nach Dynamik der Situation Massnahmen empfiehlt und in Absprache mit der Geschäftsleitung der Bucherer Group einleitet.» Die Massnahmen könnten sich auf wirtschaftliche oder gesundheitliche Faktoren beziehen.

Bucherer stellt für Kunden und Mitarbeiter Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung. Und: «Falls Mitarbeiter das Tragen einer Atemschutzmaske wünschen, können sie das selbstverständlich tun. Wir stellen entsprechendes Material zur Verfügung», so Schilcher. Weitere Vorräte seien bereits angeschafft worden.