Kommentar

Touristenjagd

Bei allem Verständnis fürs Unbehagen über die Menschenmassen. Die Wertschöpfung aus der Tourismusbranche für die Stadt Luzern endet nicht in den Kassen der Uhren-, Schmuck- und Souvenirgeschäfte.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

Hochsaison zwischen Kapellbrücke und Löwen­denkmal. Derzeit strömen die in- und ausländischen Besucherinnen und Besucher in die Stadt Luzern. Und saisonal passend, alimentiert der bekannte «Montana»-Hotelier Fritz Erni die Tourismusdebatte mit einem brisant-konstruk­tiven Vorschlag: eine Pflichtgebühr für Car-Touristen in der Stadt Luzern. Es hagelt Reaktionen.

Es ist tatsächlich so: Die Besucherzahlen sind in den vergangenen Jahren sukzessive gestiegen. Das Gefühl, wonach es wegen der Touristen enger geworden sei, ist nicht nur rein subjektiv. Nicht wenige Einheimische meiden in der Hochsaison inzwischen bewusst die Wege rund um die touristischen Hotspots. Das im Trend wachsende Unbehagen in der Bevölkerung gilt es ernst zu nehmen. Und es ist auch richtig, dass darüber diskutiert wird, ob die touristische Nutzung der öffentlichen Infrastruktur künftig nicht stärker abgegolten werden müsste. Zu Recht ist das Thema auf die politische Agenda gerückt – es droht aber bereits zu überhitzen. Touristenjagd scheint irritierenderweise geradezu en vogue.

Die Stimmungsmache ist übertrieben. Luzern lebt massgeblich vom Tourismus, wirtschaftlich, imagemässig. Wer das kleinredet, verkennt die Realität. Wird nun etwa kritisiert, dass von den Gruppentouristen nur die Geschäfte rund um den Schwanenplatz profitierten und es folglich Gruppen gar nicht brauche, dann ist das fahrlässig kurzsichtig. Denn rund die Hälfte der jährlich 1,4 Millionen Gruppenbesucher übernachtet hier. Und zweitens endet die Wertschöpfung nicht in den Registrierkassen der Uhren-, Schmuck-, Souvenirgeschäfte, Hotels, Restaurants und so weiter. Die Firmen zahlen Steuern, Miete und haben Angestellte, die in unserer Region wohnen.