Der Umzug von Luthern – gekennzeichnet von traditionellen Klänge und Zukunftsmusik

Die 35. Tanneschleipfete war ein Spektakel für Augen, Ohren und Geschmacksknospen. Letzteres vor allem dank bärtiger Landfrauen.

Luca Merlo
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Ein lauter Knall dröhnt am ­Nachmittag um halb zwei durch ­Luthern und eröffnet die Tanneschleipfete. Die Dorfstrasse ist gesäumt von rund 3000 Fasnächtlern, was doppelt so viele Leute sind, wie die Ortschaft am Napf Einwohner zählt.

Angeführt wird der Umzug von der Trychlergruppe Hinterland, die mit ihrem Motto auf das 100. Luzerner Kantonal- schwingfest anspielt, das diesen Sommer in Willisau stattfindet. Auf dem mit Heuballen beladenen Wagen geben zwei Jungschwinger denn auch gleich eine Kostprobe ihres Könnens.

Umzug in Kürze

Anzahl Nummern: 45

Anzahl Zuschauer: 3'000

Stimmung: Laut und heiter

Dauer: 90 Minuten

Highlights: Tannenversteigerung

Dem geräuschvollen Auftritt der Trychler folgt das Schützenchörli Fischbach, das sich für einmal nicht dem Singen widmet: Getreu dem Motto «Landfrauenküche» werden auf dem Wagen im SRF-Design fleissig Speisen zubereitet. Diese dürfen die Zuschauer auch gleich probieren: Auf Holzstöcken aufgespiesste Cervelat-Stückchen werden von teilweise ziemlich bärtigen Köchinnen an die Menge verteilt. Auch zahlreiche weitere Gruppen versorgen die Fasnächtler grosszügig mit Gebäcken, Landjägern, Ricolas und Holdrios.

In Ufhusen steht die Welt kopf

Besonders findig zeigt sich der Ufhuser Wagen: Unter dem Motto «100 Johr verchert» ist eine gesamte Stubeneinrichtung auf ihrem Gefährt auf den Kopf gestellt. Auch die Strecke durchs Dorf legt die Truppe gleich rückwärts zurück. Zumindest für den Traktorfahrer eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Insgesamt waren 45 Nummern und sieben Guuggenmusigen an der Schleipfete beteiligt. Der Höhepunkt der Veranstaltung findet jeweils nach dem Umzug statt: Die Organisatoren, die Schleipfgrende Luthern, bringen dann eine riesige Tanne zur ­Versteigerung vom Waldrand auf den Sonnenplatz. «Die tradi­tionelle Tannenversteigerung markiert den Schlusspunkt der Schleipfete», führt Ober-Schleipfgrend Gerhard Wechsler aus. Doch nicht nur die Tanne kommt unter den Hammer: «Zuerst versteigern wir noch ein Säuli, damit die Leute ein bisschen warm werden», erklärt Wechsler lachend. Der Erlös kommt jeweils der Organisation des nächsten Umzugs zugute.