TRAUBENERNTE: «Luzern ist ein kleines Weinwunder»

Die Winzer im Kanton Luzern können einmal mehr auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die Rekordwerte bereiten den Weinbauern aber auch Sorgen.

Martina Odermatt
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Ein Winzer bei der Arbeit in einem Rebberg. (Bild: Manuela Jans-Koch (Eich, 22. August 2015))

Ein Winzer bei der Arbeit in einem Rebberg. (Bild: Manuela Jans-Koch (Eich, 22. August 2015))

Und wieder gibt es ein Jahr mit Rekordwerten. 374 Tonnen Trauben wurden 2016 geerntet: Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr – und das trotz einigen Stolpersteinen. Im April sorgte eine Frostnacht ausserhalb der milden Seelagen für Schäden an den jungen Trieben. Zudem waren Mai und Juni sehr nass und kühl.

Dies hatte einerseits den Vorteil, dass die Wespenplage heuer ausblieb. Die Nässe förderte jedoch den Falschen Mehltau und führte zu Ausfällen bei der Blüte. Ein weiterer Schädling, der in den letzten Jahren die Beeren angegriffen hat, ist die Kirschessigfliege. Überraschenderweise waren die Schäden an den Beeren jedoch geringer als befürchtet. Der warme und trockene September rettete schliesslich die Traubenernte und führte zu einem erneuten Rekord.

2014 konnte bereits mit Spitzenwerten aufwarten (siehe Grafik), damals waren es 310 Tonnen. Auch 2015 galt trotz kleinerer Ernte als qualitatives Ausnahmejahr. Diverse Weine wurden entsprechend prämiert.

Rebfläche hat sich um 300 Prozent vergrössert

Doch nicht nur bei der Ernte gab es heuer Spitzenwerte. Auch die Rebfläche ist gewachsen. «In den letzten 15 Jahren ist die Rebfläche geradezu explodiert», sagt Beat Felder, Zuständiger für Spezialkulturen der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Die Fläche habe sich um 300 Prozent vergrössert und umfasse heute 58 Hektaren. Der Rebbau wird laut Felder auch in Zukunft zunehmen. Besonders gewachsen sei in den letzten Jahren die Region Sempachersee, und auch Traditionsbetriebe hätten zugelegt. «Luzern ist für Weinbauern sehr attraktiv», sagt Felder. Das Klima sei ausgeglichen, und es gebe genug Niederschlag.

Ausserdem profitiere man von der Klimaerwärmung. «Wir sind heute an einem Punkt angelangt, von dem wir vor 30 Jahren geträumt haben», freut sich Felder. Es sei durchschnittlich 1,5 Grad wärmer, was den Trauben entgegenkäme. Erfreulich sind für Felder auch die guten Strukturen im Kanton. «Bei uns gibt es pro Bewirtschafter ungefähr 1,3 Hektaren. Zum Vergleich: Im Wallis sind es 0,2.» Doch nicht jeder Boden ist auch für den Rebbau geeignet. Die Pflanzung ist deshalb bewilligungspflichtig.

Einer der Winzer in der Region Sempachersee ist Hans Barmet. Seit fast 20 Jahren betreibt er in Triengen ein Weingut. Die 2000 Flaschen Wein, die er jährlich produziert, seien jeweils schnell verkauft – auch wegen seiner Stammkunden.

Wachstum bedeutet auch grösseren Konkurrenzdruck

Auch Barmet schätzt, dass die positive Entwicklung anhalten wird. Noch etwa zehn Jahre würden sie vom Aufschwung profitieren können, schätzt er. Doch Wachstum bedeutet auch mehr Konkurrenzdruck. «Wir merken, dass wir unter Druck stehen, qualitativ immer bessere Weine produzieren zu müssen», sagt Barmet. Die regionalen Weine finden auch bei einer neuen Kundengruppe Anklang: Besonders Junge würden sich heute vermehrt für Wein interessieren. «An einer Degustation letzten Monat hatte es erfreulich viele Personen zwischen 20 und 35 Jahren, die auch bereits fachkundige Fragen stellten», freut sich Barmet.

Die Winzer würden heutzutage zudem vom Trend regionaler Produkte profitieren. «Regionale Weine zu trinken, ist heutzutage in», sagt Barmet. Besonders in heimischen Hotels und Gastrobetrieben sei der Luzerner Wein gut vertreten, und laut Felder hat Coop Luzern dieses Jahr gleich zwei neue Luzerner Weine gelistet.

Luzern hat noch viel aufzuholen

Avanciert der Kanton Luzern in Sachen Wein also zu einem zweiten Wallis? «Fakt ist, dass Luzern der einzige Rebbaukanton ist, bei welchem die Fläche immer noch markant wächst», sagt Experte Felder. Und wenn die Fläche steigt, steigt auch die Traubenernte. «Freunde sagen mir sogar, der Kanton Luzern sei ein kleines Weinwunder», fügt er lachend an. Felder räumt jedoch ein, dass Luzern viel aufzuholen habe, da es im Kanton lange gar keinen Rebbau gab. Grund dafür seien die Reblaus und der Handel gewesen, durch den Wein aus anderen Regionen importiert wurde.

Martina Odermatt