TRIBSCHEN: «Die Natur gibt uns die ideale Kulisse»

Das Luzerner Freilichtspiel «Stadt der Vögel» feiert am 13. Juni Premiere. Ein Probenbesuch zeigt: Die luftig-leichte Komödie wird ein Spektakel für das Auge und für das Ohr.

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Regisseurin Annette Windlin (Mitte) probt mit ihren Schauspielerinnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Mai 2017))

Regisseurin Annette Windlin (Mitte) probt mit ihren Schauspielerinnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Mai 2017))

«Jetzt machen wir weiter mit Szene 4.1, die Idylle», tönt es an diesem heissen Nachmittag aus dem Zuschauerbereich, wo Regisseurin Annette Windlin ihr Regiepult eingerichtet hat. Sie ist Teil des künstlerischen Leitungsteams, das sich ausschliesslich aus professionellen Theaterschaffenden zusammensetzt. Unter anderem ist Gisela Widmer verantwortlich für den Text, Ruth Mächler für die Ausstattung. Walter Sigi Arnold in der Hauptrolle ist ebenfalls Profi bei den Schauspielern. Die anderen 34 Spielerinnen und Spieler sind ambitionierte und erfahrene Laien.

Hochprofessionell ist jedoch die Konzentration des gesamten Ensembles: Obwohl seit vergangenem Februar viermal die Woche geprobt wird, sind alle sehr engagiert bei der Sache. «Seit dem 8. Mai proben wir auf Tribschen, erst war es 7 Grad, jetzt müssen wir uns vor einem Sonnenbrand schützen», blickt Annette Windlin zurück.

Exotische Vögel und skurriles Federvieh

Doch es liegt in der Natur der Sache, dass ein Freilichtspiel unter freiem Himmel stattfindet und damit allen möglichen Wetter­bedingungen trotzen muss. Im Stück «Stadt der Vögel», das sehr frei nach der Komödie «Die Vögel» von Aristophanes adaptiert wurde und auf Tribschen eine Uraufführung erfährt, agieren Menschen, Götter und Vögel. Für die überaus prächtigen und aufwendigen Kostüme und Masken hat Ruth Mächler Höchstleistungen erbracht.

In «Wolkenkuckucksheim» flattern und schwirren, stolzieren und sitzen die verschiedensten Vögel: Eule, Kakadu und Spatz geben sich ein Stelldichein. Exotische Vögel treffen auf skurriles Federvieh – das Spiel ist ein einziges Spektakel für das Auge. «Die Halbmasken schränken die Sicht der Spieler ein. Sie müssen halten und leicht sein», sagt Ruth Mächler. Überaus originelle Ideen verleihen den Kunstwerken das i-Tüpfelchen. «Spatzen sind für mich Alltagsvögel. Um dies zu unterstreichen, erhielten die Spatzen alle einen Hut aus Zeitungspapier, denn auch eine Zeitung ist etwas Alltägliches», erklärt Ruth Mächler.

Publikum sitzt mit Blick zum Wald

Speziell in diesem Jahr ist die Ausrichtung der Bühne: Wo andere Jahre der Blick über die Wiese auf See und Berge frei wurde, ist dieses Jahr die Ausrichtung um 180 Grad gedreht worden. Das Publikum sitzt mit Blick zum Wald. In der Wiese bilden Sandhaufen, Baumstrünke und Vogeleier in Übergrösse die Stadt der Vogelmenschen, die da 90 Minuten die Szenerie beleben. «Die Stadt soll ein Platz irgendwo zwischen Himmel und Erde sein und ist einer Arena gleich positioniert. Die Landschaft muss zum Stück passen, die Natur gibt uns hier den idealen Kulissenausschnitt», sagt Annette Windlin. Es sei sehr spannend gewesen, nach der langen Probenzeit im Hotel Schweizerhof das Spiel endlich in die freie Natur hinaus zu übertragen und so zu vertiefen. Aktuell stehen die ersten Durchlaufproben an: «Ich freue mich total, das Stück nun als Ganzes zu sehen. Jetzt geht es noch um den Feinschliff, dann sind wir in zwei Wochen bereit für die Premiere.»

Die monatelange Probenzeit zeigt sich nicht nur in der Text­sicherheit und der Spielleidenschaft der gesamten Truppe. Das Spiel ist sehr körperlich dominiert, die Vogelfragmente bei den Charakteren werden hervor­ragend herausgearbeitet. Federleicht und luftig, mal mit ruckartigen Kopfbewegungen und mal adrett stelzend – man nimmt den Spielern die Verschmelzung von Mensch und Vogel ab.

Die vierköpfige Band, die dezent am Rande untergebracht ist, bildet den lauschigen musikalischen Rahmen und erzeugt die dichte Atmosphäre, die für die Stimmung eines Freilichttheaters unabdingbar ist. Auch die Spieler beweisen Können in Gesang und Tanz. Das Gesamtbild ist stimmig und ein Genuss, es wird den Zuschauern leichtfallen, sich in eine andere Welt entführen zu lassen und in die «Stadt der Vögel» einzutauchen.

 

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«Stadt der Vögel – eine luftige Komödie» auf Tribschen: Premiere ist am 13. Juni, 21 Uhr. 26 Aufführungen bis 29. Juli. Vorverkauf: LZ-Corner Luzern, Stans und Altdorf; unter Telefon 041 311 15 22 (Montag bis Freitag, 8 bis 11 Uhr) und www.freilichtspiele-luzern.ch