TRIENGEN: Blasmusik ist seine Kraftquelle

50 Jahre aktives Musizieren: Der kantonale Ehrenveteran Paul Steinmann ist zwar pensioniert, doch der Dirigent der Bergmusik Sigigen kennt keine Altersgrenze.

Ernesto Piazza
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Paul Steinmann (66) in seinem Garten in Triengen. Neben der Musik schätzt er auch die Natur. (Bild Dominik Wunderli)

Paul Steinmann (66) in seinem Garten in Triengen. Neben der Musik schätzt er auch die Natur. (Bild Dominik Wunderli)

Über seine Lippen huscht ein Lächeln. «Ich bin ein Perfektionist», sagt Paul Steinmann. Mehr noch: In dieser Rolle kann er sogar ein Pedant sein. Doch ohne diese Eigenschaft hätte es der 66-jährige Trienger im Leben kaum so weit gebracht. Beruflich wirkte er während 35 Jahren bei der ortsansässigen Trisa AG als Marketingleiter. Seit seinem Eintritt als Klarinettist in die Trienger Feldmusik im Jahre 1964 – nach einigen Gehversuchen auf dem Flügelhorn – gilt sein grosses Augenmerk zudem der Blasorchestermusik. Dieser grossen Leidenschaft frönt er auch heute noch bei den momentan laufenden und bereits ausverkauften Jahreskonzerten mit der Bergmusik Sigigen. Nach 45 Jahren als Blasorchesterdirigent – nun bereits seit zehn Jahren in Sigigen – fühlt er sich inmitten seiner 54 Musiker noch immer voll in seinem Element.

Unterstützung von der Familie

1975 hat sich Steinmann gegen eine musikalische Berufslaufbahn entschieden. Er trauert dem Entscheid aber nicht nach: «Damals galt ein Job dieser Art sowieso als brotlose Kunst», sagt er. Ein Blasmusikdirigent habe zu jener Zeit praktisch nichts verdient. Und immerhin musste er später den Lebensunterhalt einer fünfköpfigen Familie bestreiten. «Das eine tun ohne das andere zu lassen», lautete von da an sein Grundsatz.

Begonnen hatte Steinmann seine Dirigentenlaufbahn 1969 bei der Musikgesellschaft Gontenschwil (AG). Später führte er 13 Jahre die Musiker von Neudorf, dann 14 Jahre die Stadtmusik Aarau. Mit diesem Ensemble erreichte er – nebst verschiedenen Aufstiegen mit andern Vereinen – den Schritt von der 1.-Klass-Musik zur Höchstklasse. Seine längste Dirigententätigkeit war mit 19 Jahren bei der Feldmusik Triengen. Dort ist er heute Ehrendirigent.

Das sei alles nur möglich gewesen, weil er ein schneller «Schaffer» gewesen sei, sagt Steinmann. Trotzdem: «Ohne Unterstützung der ganzen Familie wäre dieses Engagement nicht möglich gewesen.» Viel Freizeit blieb neben Beruf und Musik nämlich nicht übrig. Wenn es solche Stunden aber gab, führte ihn sein Weg in die Natur. So gehört das Wandern noch heute mit zu seinen Steckenpferden. Daneben betreut er auch nach der Pensionierung in einem 30-Prozent-Pensum Spezialaufgaben im Bereich Marketing bei der Trisa.

Bereits in frühen Jahren seines Wirkens wurde Steinmann als Blasmusiker und Dirigent inspiriert von Albert Benz. Ihn lernte der Trienger während des Studiums am Konservatorium Luzern 1972 kennen. «Er war mein Mentor.» Benz gab ihm viele wertvolle Tipps. Beispielsweise bei der Wahl der zu übernehmenden Formationen. Wird der 66-Jährige auf die Faszination seiner grossen Leidenschaft angesprochen, greift er gerne auf Heinrich von Kleist zurück: «Ich betrachte die Musik als die Wurzel aller übrigen Künste.» Und weiter sagt er: «Die Blasmusik ist meine Kraftquelle.»

Blasmusik hat sich stark gewandelt

Steinmann betont aber auch: Die Blasmusik habe sich im Lauf der Jahre stark gewandelt. Früher sei sie, vor allem gespielt von Dorfmusiken, ein kulturelles Gut gewesen, um dem Volk Freude zu bereiten. Mittlerweile werde der Wettbewerbsgedanke immer wichtiger. «Vor allem durch die hervorragende Arbeit der Musikschulen», sagt er. «Dort werden die Jungen besser ausgebildet.» Sich immer weiterentwickeln, ist eine Maxime nach der auch Steinmann lebt. Er ist ehrgeizig, will erfolgreich sein: Diese Eigenschaften paart er mit einem akribischen Blick fürs Detail.

Und sein Herzblut trägt Früchte: «Die Auslastung der Probenbesuche bei der Bergmusik Sigigen liegt weit über 95 Prozent», betont er mit sichtlichem Stolz. Dazu kommen Hausaufgaben. Dies bildet, neben einer mentalen Vorbereitung auf die Anlässe, die Basis für die Erfolge. So etwa der Sieg der Sigiger in der 3. Klasse am Kantonalen Musikfest 2010 in Willisau oder beim 1. Rang 2011 am Eidgenössischen Musikfest in St. Gallen. Die Bergmusik Sigigen ist für ihn ein Paradebeispiel eines harmonischen, exzellent strukturierten und gut geführten Vereins. «Dieses 3.-Klass-Ensemble holt aus seinen Möglichkeiten das Optimum heraus», so der Dirigent.

Paul Steinmann ist ein Verfechter eines guten Mix, unabhängig von Stimme, Alter oder Beruf. «Entscheidend ist die Harmonie. Diese muss 100 Prozent stimmen.» Keine Frage: Mit Teilnahmen an 35 Musiktagen, acht kantonalen und sieben eidgenössischen Musikfesten sowie durch diverse Einsätze als Juror weiss der kantonale Ehrenveteran, wovon er spricht.