TRIENGEN: Die letzten Sekunden eines alten Bauernhauses

Im Rahmen eines Kurses hat die Armee am Donnerstag ein Gebäude gesprengt. Der 600 Tonnen schwere Trümmerhaufen wird nun noch zum Übungsgelände.

Cyril Aregger
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Das Bauernhaus wurde mit einer gezielten Sprengung dem Erdboden gleich gemacht. (Bild: Corinne Glanzmann (Triengen, 9. März 2017))

Das Bauernhaus wurde mit einer gezielten Sprengung dem Erdboden gleich gemacht. (Bild: Corinne Glanzmann (Triengen, 9. März 2017))

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch

Ein lauter Knall, eine Staubwolke und wenig später ein Hornsignal. Dann, kurz nach 11 Uhr, war alles vorbei. Das alte Bauernhaus in Triengen, rund 600 Tonnen schwer, lag in Trümmern. 30 Kilogramm Sprengstoff hatten Wirkung gezeigt, das Gebäude ist in die vorgesehene Richtung zusammengestürzt. Verantwortlich dafür waren die 14 Teilnehmer des Fachdienstkurses Sprengtechnik Rettung 76 der Schweizer Armee. Beobachtet wurden sie dabei von rund 50 geladenen Gästen – und einer Hundertschaft weiterer Zaungäste, darunter auch die Schüler des gut 300 Meter entfernten Schulhauses.

«Die Sprengung ist ziemlich gut gelungen», stellt auch Oberstleutnant Frédéric Wagnon fest. «Es sind keine Trümmerteile herumgeflogen. Einzig eine Seitenmauer ist nicht ganz eingestürzt – der Dachstock hat dies verhindert.» Noch während der Klassenlehrer im Sprengkurs spricht, wird der Makel behoben: Ein grosser Schaufelbagger drückt die resistente Wand zu Boden.

Mit ausländischer Beteiligung

Einmal im Jahr sprengt die Armee im Rahmen des Sprengtechnikkurses ein Haus. «Wir üben damit die Planung und Durchführung der Sprengung. Inklusive Sicherung und Kommunikation», erklärt Wagnon. Ziel ist es, dass die ausgebildeten Offiziere ihre Kommandanten bei Einsätzen in Grossschadenlagen beraten können.

An den Kursen nehmen aber nicht nur Angehörige der Schweizer Armee teil, sondern auch Mitglieder befreundeter Armeen – und Zivilisten, denn die Armee arbeitet bei der Ausbildung mit dem Sprengverband Schweiz zusammen. Bereits Wochen vor der Sprengung hat ein Infrastrukturzug der Armee das Gebäude für die Sprengung vorbereitet – zum Beispiel durch die Entfernung der Dachziegel. Die Teilnehmer des 14-tägigen Sprengkurses haben dann noch das Erdgeschoss des Hauses mit Stroh, Holzlatten und einem Vlies verkleidet, um das Herumfliegen von Trümmerteilen zu verhindern. Mit Erfolg, wie sich gestern zeigte.

Schwierige Suche nach Sprengobjekten

Das Übungsobjekt war ein 1923 erbautes ehemaliges Bauernhaus, dessen Fundamente wohl deutlich älter waren. Zur Verfügung gestellt wurde es der Armee vom Besitzer, der Baustofffirma Gebrüder Müller AG. Der Einsatz der Armee ist für die Eigentümer kostenlos, sie müssen aber für gewisse Vorarbeiten und die Entsorgung aufkommen.

Dass jemand sein Gebäude der Armee überlasse, sei nicht selbstverständlich, betont Wagnon: «Die Suche nach Objekten ist schwierig. Denn wir brauchen Eigentümer, die nach dem Abriss nicht sofort weiterbauen müssen.» Denn nach der Sprengung werden die Trümmer noch einmal genutzt: Sie dienen der Ausbildung der Rettungstruppen. Zu diesem Zweck wurden im Gebäude vor der Sprengung vier Puppen hinterlassen, die nun von den Rettungskräften aufgespürt und geborgen werden müssen. In rund einem Monat wird diese Übung in Triengen stattfinden.