TRIENGEN: In Triengen steht ein Unikat

Sie ist noch sehr jung und eine architektonische Attraktion: Vor vier Jahren wurde die erste mazedonisch-orthodoxe Kirche der Schweiz eingeweiht.

Susanne Balli
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In Triengen steht die einzige mazedonisch-orthodoxe Kirche der Schweiz. (Bild Dominik Wunderli)

In Triengen steht die einzige mazedonisch-orthodoxe Kirche der Schweiz. (Bild Dominik Wunderli)

Es war ein langer Weg, den die 1992 gegründete mazedonisch-orthodoxe Kirchgemeinde «des Heiligen Naum von Ohrid» gehen musste. 2007 konnte mit dem Bau der mazedonisch-orthodoxen Kirche im Surental gelegenen Triengen begonnen werden. Der Bau kostete, ohne Eigenleistungen gerechnet, 1,85 Millionen Franken. Vor rund vier Jahren, am 26. September 2010, wurde die pittoreske, im traditionellen Stil gebaute Kirche, feierlich eingeweiht. «Es ist bisher die einzige mazedonisch-orthodoxe Kirche in der ganzen Schweiz», sagt Kirchgemeinde-Vizepräsident Bogdan Kocev (54). Der zweifache Familienvater wohnt in Langnau bei Reiden und arbeitet in der Willisauer Firma Argolite AG. «Ich finde es schön, dass es in Triengen eine Kirche gibt, wo wir uns mit Leuten derselben Religion treffen können», sagt er.

Grosses Interesse

Damit ist er nicht alleine. Schweizweit gibt es zirka 12 000 bis 15 000 mazedonisch-orthodoxe Personen; die beiden weiteren mazedonisch-orthodoxen Kirchgemeinden im Tessin und in der Westschweiz haben keine eigene Kirche. «In unsere Kirche nach Triengen kommen Personen aus der ganzen Deutschschweiz und vor allem aus der Zentralschweiz», sagt Kocev. Der Besucherstrom nimmt stetig zu. Und zwar nicht nur durch mazedonisch-orthodoxe Gläubige. «Das Interesse der Schweizer ist gross, in der Kirche werden darum regelmässig Führungen von Gruppen angeboten. Die Kirche ist offen für alle Leute, egal welchen Glauben sie haben», sagt Kocev. Dank der nahen Autobahn ist die Kirche aus der ganzen Schweiz gut zu erreichen.

Besonders an grossen kirchlichen Feiertagen ist die mazedonisch-orthodoxe Kirche in Triengen ein Publikumsmagnet. Gläubige aus allen Landesteilen reisen an. Sie feiern nach dem julianischen Kalender. «Wir haben dieselben Feiertage, allerdings knapp zwei Wochen später als die Katholiken, die sich auf den gregorianischen Kalender stützen», erklärt Bogdan Kocev. Die Gottesdienste hält Pfarrer Goran Mantaroski in der Liturgiesprache kirchenslawisch ab.

Vorgängiges Projekt verworfen

Der Entwurf für die aussergewöhnliche Kirche stammt aus der Feder des Architekten Todor Paskali in Mazedonien und wurde in den Details vom Architekten Marjan Cvetkovic aus Wald ZH ausgearbeitet. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch den Architekten Rudolf Bucher aus Schenkon. Ein vorgängig entworfenes Projekt eines anderen Architekten war aufgrund diverser kritischer Stimmen verworfen worden.

Voraussetzung für den Bau der Kirche war der Kauf eines geeigneten Bauplatzes. Diesen hat die mazedonisch-orthodoxe Kirche im Jahr 2000 in Triengen gefunden. Es vergingen danach noch sieben Jahre bis zum Baustart.

Traditioneller Grundriss

Die Kirche lehnt sich an den byzantinischen Baustil an. Anders als die mazedonischen Vorbilder wurde die Kirche in Triengen aber nicht in Naturstein, sondern in weiss verputztem Beton gebaut, sodass sie sich besser in das hiesige Ortsbild einfügt. Traditionell sind hingegen der Kreuzgrundriss mit Kuppel und der frei stehende Glockenturm. «Im Innern sind die Ikonen, Fresken und Malereien sehenswert», sagt Bogdan Kocev.

Derzeit baut die mazedonisch-orthodoxe Kirchgemeinde neben der Kirche ein Verwaltungsgebäude. Es soll bis Ende Jahr fertig gestellt werden. Finanziert wird der Neubau – wie bei der Kirche – über Spenden und ein Hypothekardarlehen.

Hinweis

Die Kirche ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr offen. Weitere Informationen finden Sie unter www.mpc-triengen.ch

Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien