TRIENGEN: Nach 26 Jahren springt der Tambourmajor ab

Als Tambourmajor hat Basilius Steinmann seiner Guuggenmusig harte Töne beigebracht. Das brachte ihm Lob ein – sogar aus Australien.

Roger Rüegger
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An dieser Fasnacht hat er den Taktstock noch fest im Griff: Basilius Steinmann, Tambourmajor der Trienger Guuggenmusig Quä-Quäger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

An dieser Fasnacht hat er den Taktstock noch fest im Griff: Basilius Steinmann, Tambourmajor der Trienger Guuggenmusig Quä-Quäger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Als Rampensau und Tüpflischiesser bezeichnet sich Basilius Steinmann selber. Tambourmajor ist seine offizielle Bezeichnung. Letzteres ist er seit 26 Jahren, die anderen Eigenschaften hat er sich im Lauf dieser Zeit angeeignet. Wenn der 49-Jährige mit seinen Quä-Quägern auftritt, dann scheppert es gewaltig, und für eine Guuggenmusig schlagen die 36 Frauen und Männer recht ungewöhnliche Töne an.

Die Trienger spielen vorwiegend Hardrock. Von AC/DC über Metallica hin zu Airbourne, Rammstein, Rage Against The Machine oder VolBeat, um nur eine Auswahl zu nennen. Steinmann dirigiert auf einer Holzkiste stehend, dabei benimmt er sich oft wie ein Berserker. Sein Instrument ist ein Holzstab, den er nach Bedarf wie ein Mikrofon, eine Gitarre oder anderswie einsetzt. Bühnenerfahrung hat er offenbar. «Stimmt, ich spielte einige Jahre in der Punk ’n’ Roll-Band Melk Them», verrät er.

Ein halbes Leben Guuggenmusig

Der schlanke Typ mit den pechschwarzen langen Haaren ist seit 33 Jahren bei den Quä-Quägern. Dabei will er eigentlich gar kein Fasnächtler sein. Dass er dennoch sein halbes Leben einer Guuggenmusig widmete, liegt daran, dass er Vollblutmusiker ist. Trotzdem ist nach dieser Fasnacht Schluss. Steinmann, der als Art Director beim «Sonntagsblick» tätig ist, übergibt die musikalische Leitung an Rahel Ziswiler (22), die jetzt noch Eufonium spielt. Wir haben ihn und die Quä-Quäger im Probelokal im Forum getroffen. Auch wenn wirs nicht gewusst hätten, auf den ersten Blick war uns klar, welche Musik hier gespielt wird. Steinmanns Armband, das Motörhead-T-Shirt und die schwarzen Jeans verraten seinen bevorzugten Stil.

Doch Rock ’n’ Roll und Heavy Metal waren nicht von Kindesbeinen an seine Musik. Vielmehr wurde er durch Klassik beeinflusst. «Den Zugang zur Musik fand ich durch Tschaikowsky. Die ‹Ouvertüre 1812› ist bombastisch. Die hat mich geprägt», sagt er. Aber was veranlasst jemanden mit diesem Background, eine Guuggenmusig zu leiten, eine Formation, die weder Geigen noch Gitarren in ihren Reihen kennt? Das passt nicht. «Doch, das passt gut», sagt Steinmann und schildert seinen musikalischen Werdegang. Nämlich dass die Steinmanns seit Generationen mit der Feldmusik Triengen verbunden sind. Der Vater war Präsident, zwei seiner Onkel Dirigenten und er, Basilius, viele Jahre Trompeter.

Die Power war faszinierend

Als der Zweitklässler Basilius an einem Fasnachtsumzug mitmarschierte – «unmittelbar hinter der Guuggenmusig» –, ist es um ihn geschehen. «Diese Power hat mir so imponiert, dass ich beschloss, auch so etwas zu machen.» Er stieg mit 16 bei den Quä-Quägern ein. Damals spielten sie ausschliesslich Stücke anderer Guuggenmusigen nach, was Trompeter Basilius gar nicht spannend fand.

Das Repertoire änderte sich, als er sieben Jahre später die musikalische Leitung übernahm. Die ersten Stücke waren Klassiker: «We will rock you» von Queen und «Smoke on the water» von Deep Purple. Im Lauf der Jahre arrangierte Steinmann 90 Stücke. Sämtliche Titel spielte er selber mit jedem einzelnen Instrument, das in seinem Orchester vorkommt: Tuba, Eufonium, Posaune, Trompete. Doch nicht alle Titel kamen bei der Musikkommission an. «Es war nicht immer einfach. Oft musste ich der Kommission meine Philosophie erklären und ihnen klarmachen, dass unser Publikum Erwartungen hat. Ein langer Prozess, aber schliesslich haben wir 80 Titel gespielt», sagt er.

«Ach wie bist du schön»

Um einige Pflichtstücke kam Steinmann aber nicht herum. So hat ihm die Kommission zu Beginn «Ach wie bist du schön» von den Andrew Sisters aufs Auge gedrückt. Dies fand er zwar nicht schön. Doch auch jene Musik, die ihm nicht gefällt, sollen seine Leute kraftvoll und sauber spielen. Dies fordert er von ihnen mit Nachdruck. «Ich lasse ein Register bis zum Abwinken eine Passage spielen, wenn sie mir nicht passt. Ich bin in dieser Hinsicht ein Tüpflischiesser», gibt er zu.

Er verlange viel von seinen Musikern. Dies sei für sie oft schwierig. Vor allem, weil nur wenige gelernt hätten, nach Noten zu spielen. Dass die Quä-Quäger trotzdem so erfolgreich sind – sie haben 5 CDs aufgenommen und lösen bei vielen Auftritten Begeisterungsstürme aus –, liegt auch an einem von Steinmann entwickelten Notensystem, das genial einfach nach Farben geordnet ist.

Auf die Quä-Quäger ist man auch im Ausland aufmerksam geworden. Auf der kolumbianischen Facebook-Seite und auf der offiziellen Homepage der australischen Band Airbourne, von denen die Trienger «Stand up for rock ’n’ roll» spielen, war ein Link eines Auftritts am Luzerner Bahnhof gepostet worden – mit dem Vermerk: «Excelente cover de Quä Quäger.» Steinmann ist darauf ziemlich stolz. Sie spielen auch öfters in Deutschland. Nun ist nach der Fasnacht Schluss. Steinmann findet, 26 Jahre sind genug. Nachfolgerin Rahel Ziswiler über ihn: «Basilius ist recht streng, knallhart mit seinen Forderungen, und er weiss, was er will. Und er ist ein musikalisches Genie. Die Messlatte liegt sehr hoch.»