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TRIENGEN: Nervosität und Stolz am diesjährigen Luzerner Solo- und Ensemblewettbewerb

Nervöse Kinder, stolze Eltern und umtriebige Lehrer – die Musikbegeisterten messen sich an diesem Wochenende wieder am traditionellen Luzerner Solo- und Ensemblewettbewerb. Ein Augenschein.
Gleich gilt es ernst: Posaunistin Anna Zihlmann beim Einspielen mit ihrem Musiklehrer Rainer Peter. (Bilder: Philipp Schmidli (Triengen, 10. März 2018))

Gleich gilt es ernst: Posaunistin Anna Zihlmann beim Einspielen mit ihrem Musiklehrer Rainer Peter. (Bilder: Philipp Schmidli (Triengen, 10. März 2018))

«Bitte Natel abschalten! Bitte Ruhe!» Die Botschaft auf den Zetteln an den Eingangstüren und im Inneren der fünf Vortragslokale ist deutlich. Störende Geräusche sind keine erwünscht, wenn die rund 430 Musikerinnen und Musiker ihr Können präsentieren. Zum 26. Mal findet der Luzerner Solo- und Ensemblewettbewerb statt, zum dritten Mal in Triengen. Neben Blech- und Holzbläsern figurieren erstmals seit 2003 auch die Perkussionisten im Programm – weil deren Drummer-Wettbewerb in Altishofen wegen rückläufigem Interesse und Finanzierungsproblemen gestrichen wurde.

Und so messen sich an diesem Wochenende wieder Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren in verschiedenen Instrumentenkategorien, kämpfen um hohe Noten und vordere Ranglistenpositionen. «Die Jüngeren spielen einfach drauflos. Ab 18 bis 20 Jahren jedoch nimmt das Lam­penfieber zu, dann steigt das Bewusstsein für gute Bewertungen», erklärt Herbert Renggli, Musiklehrer aus Entlebuch.

Noch ein Griff an den Talisman, dann geht’s los

Er ist, wie mancher Berufskollege, in Eile. Eben hat Renggli sich den Auftritt seiner Schülerin Anja Bühler angehört, nun begibt er sich in die Kakofonie des Einspiellokals, um Leandra Schnider vor dem grossen Moment zu unterstützen. Einspielen, tief durchatmen und den Talisman berühren – «die Mondsteine an der Handkette geben Energie, und das Bild meines Labradors in der Hosentasche bringt Glück», sagt die nervöse 15-Jährige aus Hasle. Dann geht’s los.

Erleichterung hier, Anspannung dort – es geht emotional zu und her unter den Musikbegeisterten. Für einige ist es der erste Auftritt in diesem Rahmen, so etwa für den erst 9-jährigen Gabriel Illi aus Triengen. Mit dem Es-Horn macht er eine gute Figur, nur einmal gerät er aus dem Tritt, als er den Blick ins Publikum richtet. «Ich habe meine Eltern, Grosi, Opi und weitere Verwandten gesehen», erklärt er und lächelt. Sein Musiklehrer brachte ihn aber schnell wieder auf Kurs.

Vor ihm ist Cyrill Felder aus Schüpfheim an der Reihe. Mit grossen Augen fixiert der 12-Jährige seine Noten, ehe er sich flüssig durch sein Posaunenstück spielt. Sein Vater Martin sitzt unter den Zuschauern und filmt mit dem Handy. «Tipptopp, er hat es gut gemacht. Vielleicht traf er den einen oder anderen Ton nicht sauber, aber ein grösserer Fehler war keiner drin.»

Wie gut die Performance wirklich war, erfahren die Teilnehmer im Nachhinein schwarz auf weiss. Zwei bis drei Juroren hören jeweils ganz genau zu, verteilen maximal 100 Punkte und geben in schriftlicher Form ein paar Tipps für Verbesserungen mit auf den Weg. Dynamik, Lautstärke, Technik oder Bühnenpräsenz werden bewertet und, so sagt Christian Bruder, auch das Risiko: «Wir belohnen den Mut, die Jungen sollen keine Angst vor Fehlern haben.»

Kaum Fehler macht Anja Bühler aus Doppleschwand, ihr Auftritt mit dem Cornet ringt der Jurorin ein respektvolles Nicken ab. Kurz darauf nimmt die 15-Jährige von ihren Freundinnen begeisterte Komplimente entgegen – «aber übelst», heisst es dann im Jugend-Slang, auch ein «mega cool» und ein «so geil» sind zu hören. Auch die Gepriesene selber ist zufrieden mit der Darbietung, «seit dem letzten Sommer habe ich darauf hingearbeitet». Nur zu gut weiss sie, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, am Tag x könne nämlich alles schiefgehen. «Die Töne kommen nicht, die Läufe laufen nicht, die Höhe stimmt nicht», sagt Anja Bühler, und ihr Musiklehrer Herbert Renggli erklärt: «Blechbläser kriegen bei Nervosität einen trockenen Mund. Dann wird es brutal schwierig, weil die Energie fehlt.» Generell gelte deshalb: «Gut vorbereiten, dann muss man sich keinen Vorwurf machen.» Das gilt auch für all jene, die heute ab 8.30 Uhr am zweiten Konzerttag ihre künstlerischen Fertigkeiten zum Besten geben. Dann, wenn es wieder heisst: Bitte Natel abschalten. Bitte Ruhe.

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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Die Sieger des Wettbewerbs finden Sie hier.

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