TRIENGEN: Nicht ganz dicht?

Das Timing stimmte: Vom Regen blieben die Fasnächtler verschont. Wasser war dennoch Thema. Auch dank eines Baupfuschs.

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Die Sternegöigel Nottwil mit «Unterwasserwelt Atlantis». (Bild: Dominik Wunderli (Triengen, 28. Februar 2017))

Die Sternegöigel Nottwil mit «Unterwasserwelt Atlantis». (Bild: Dominik Wunderli (Triengen, 28. Februar 2017))

«Wir haben das abgesprochen. Es kommt nichts herunter, solange nicht alle Nummer durch sind», sagt Umzugsspeaker Hansruedi Kaiser vor dem Umzug zuversichtlich. Der 69-jährige Zeremonienmeister der Fröschenzunft hat in den letzten 45 Jahren das Fasnachtsgeschehen in Triengen mitgeprägt und fast immer Wetterglück gehabt. «Nur 1991 mussten wir einen Umzug wegen Böen abblasen», blickt er zurück.

Am Güdisdienstag, bei seinem letzten Umzug, klappt alles einwandfrei. Der Start erfolgt pünktlich, die 32 offiziellen Nummern bewegen sich zügig durchs Dorf. Vorab traben die Trienger Rösseler, gefolgt von der Fröschenburg, aus der ein paar Dreikäsehochs Konfetti schleudern. Nummer 3 nimmt «S Chluuri» ein. Die Traditionsfigur wird jeweils am Abend nach dem Umzug gezündet – und soll so ähnlich wie der Zürcher «Böögg» den Winter vertreiben.

Bauruine statt Nobelresidenz

Das Motto der Trienger Fasnacht lautet «Märliborg rock(t)». Die einheimische Guuggenmusig Quä-Quäger, die den musikalischen Auftakt machen, haben sich den Rock’n’Roll auf die Fahne geschrieben. Mit «Open Your Eyes» von Guano Apes setzen sie einen harten Akzent.

Insgesamt neun Guuggenmusigen geben den Ton an. Die zum Teil sehr aufwendig gestalteten Wagen sind – wie man es von einer Fasnacht auf dem Land gewohnt ist – oft eine bissige bis nett gemeinte Parodie auf Geschehnisse in der Gemeinde. Das Highlight in Triengen ist die Nummer «Wasserschloss», wobei dieses nicht die Nobelresidenz eines Froschs ist, sondern eine Bauruine. «Vor zwei Jahren wurde das Mehrfamilienhaus errichtet, nun muss es teilweise rückgebaut werden, weil das Gebäude undicht ist», erklärt Speaker Kaiser. Die Sache ist vielen bekannt. Eine Heidi mit bunten Schlaufen im Haar erklärt ihrer Kollegin Brigitte vor dem «Kreuz», es gebe Leute, die dort wohnten und nun wieder ausziehen und dem Geld nachrennen mussten ...

Jaja, man erfährt so einiges an den Umzügen. Etwa, dass sich das Märlitheater aufgrund des Mottos spontan entschloss, das Stück «Der gestiefelte Kater», das im Dezember aufgeführt wird, bereits am Umzug der Bevölkerung zu präsentieren.

Das Sujet «Stromversorgig jo – aber bitte ned do!», haben die Wagenbauer der Roggenzunft Schlierbach mit Windrad, Stausee, Solarzellen und einem AKW gestaltet. Die «Unterwasserwelt Atlantis» der Sternegöigel Nottwil besticht weniger mit Aufwand denn mit Originalität. Ebenfalls gut kommen die Landfrauen aus der gleichnamigen SRF-Sendung an. «Die sind für mich der Höhepunkt. Ich finde es super, dass es nicht typische Fasnächtler sind und trotzdem an unserem Umzug mitmachen», sagt Heidi.

Die rund 3000 Besucher werden bestens unterhalten. Auf der Fasnachtsmeile beim Ziel ist bereits während des Umzugs eine rüüdige Strassenfasnacht im Gang. Dass es später noch richtig schüttet, nimmt der Trienger einfach so zur Kenntnis.

 

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch