TRIENGEN: Schule muss Kreuze abhängen

Ein Vater ärgert sich über Kreuze in der Primarschule Triengen und fordert, dass sie abgehängt werden. Jetzt gibt die Schule nach.

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In zwei Schulzimmern der Primarschule in Triengen müssen die Kreuze abgehängt werden. Damit kommt die Schulpflege der Aufforderung eines Vaters nach, welchem die aufgehängten Kreuze ein Dorn im Auge sind. Der Mann ist deutscher Staatsangehöriger. Er gehört weder einer Landeskirche noch einer Weltreligion an.

Bundesgericht hat entschieden
Die Schule hat sich mit diesem Entscheid schwer getan. Anfänglich nämlich liess sie den Vater wissen, man werde die Kreuze hängen lassen, denn schliesslich gehöre man der abendländischen Kultur an. «Aber auf Anraten des Kantons und im Wissen darum, dass das Bundesgericht zu dieser Frage einen Entscheid gefällt hat, lenken wir nun ein», sagt der Trienger Schulpflegepräsident Peter Häfeli. Das Bundesgericht hat 1990 entschieden, dass Kruzifixe in Schulzimmern gegen die religiöse Neutralität verstossen. Der Entscheid ging zurück auf einen Fall in der Tessiner Gemeinde Cadro.

Trotz des Bundesgerichtsentscheids sagt Katrin Birchler, die stellvertretende Leiterin der Luzerner Dienststelle für Volksschulbildung: «Grundsätzlich dürfen Kreuze in Schulzimmern hängen – solange sich niemand daran stört.» Komme es allerdings zur Kritik, so empfehle der Kanton mit Verweis auf das Bundesgerichtsurteil, diese abzuhängen.

Die Fraktionschefs der Luzerner CVP, FDP, SVP und der Grünen sind in dieser Frage einer Meinung: Sie finden, Kreuze dürften ruhig in Schulzimmern hängen. Dabei verweisen sie genau wie anfänglich die Schule von Triengen auf unsere abendländische Kultur. Die Jungsozialisten des Kantons Luzern hingegen finden, dass Kreuze in den Schulzimmern im Zeitalter der Religionsfreiheit keine Berechtigung mehr hätten. Ihnen geht die Handhabung im Kanton somit deutlich zu wenig weit.

Walliser Lehrer gefeuert
Eine kontroverse Diskussion zum Thema ist aktuell im Wallis entbrannt. Dort hat am vergangenen Freitag ein Lehrer die fristlose Kündigung erhalten, weil er nicht gewillt war, in den Zimmern, in denen er unterrichtete, die Kruzifixe hängen zu lassen.

Der Lehrer will sich nun einen Anwalt nehmen. Er erhält auch bereits Unterstützung vom obersten Schweizer Lehrer. Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, sagte gegenüber «Blick online»: Das Abhängen eines Kruzifixes sei kein Grund für eine fristlose Entlassung.

Simone Hinnen

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.