TRIENGEN: Theaterautor wider Willen

Hörspiele, Ge­dichte, Theater – Peter Weingartner hat schon alles geschrieben. Zu Beginn war das Schreiben aber vor allem eines – ein preisgünstiges Hobby.

Ismail Osman
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Peter Weingartner (59), Autor und Lehrer, im Büro seines Wohnhauses in Triengen.

Peter Weingartner (59), Autor und Lehrer, im Büro seines Wohnhauses in Triengen.

Wie muss das Arbeitszimmer eines langjährigen Lehrers und Schreibers aussehen? Leicht chaotisch, mit Büchern, Heften und Notizen übersät und platzmässig tendenziell eher knapp ­bemessen? Nun, Peter Weingartners Arbeitszimmer entspricht diesem Klischee auf ganzer Linie. Der 59-Jährige kann sowohl auf ein breites künstlerisches Schaffen wie auch eine interessante berufliche Karriere zurückblicken – ganz grundsätzlich blickt Peter Weingartner aber eher vorwärts als rückwärts.

Das Alphabet ist gratis

«Ich habe so gut wie keine Erinnerungen an meine eigene Schulzeit», sagt Weingartner. In Anbetracht der Tatsache, dass er sich nach der Schule für eine Ausbildung zum Sekundarlehrer entschied, erstaunt das doch ein wenig. In der Schulzeit sieht Weingartner die Wurzeln seiner schriftstellerischen Tätigkeit jedenfalls nicht: «Das kam erst später, nach der Matura 1974.»

Den ursprünglichen Impuls fürs Schreiben erklärt Weingartner auf erfrischend nüchterne Weise: «Es ist eine Tätigkeit mit sehr günstigem Rohstoff: Die 26 Buchstaben, die man dazu braucht, sind ja öffentlich und kosten nichts.» Während sich der Post-Maturand Weingartner mit Temporärstellen durchschlägt, erscheinen in den damaligen «Luzerner Neusten Nachrichten» (LNN) die ersten Gedichte von Weingartner. Während des Studiums zum Lehrer wird er auch selbst zum Journalisten – zwei Berufe, die der Vater von drei erwachsenen Kindern auch heute noch parallel zueinander ausübt.

Sein erstes grösseres Projekt als Autor ist ein 1982 erschienenes Hörspiel namens «Wunderbari Wäg». Anstoss dazu war eine Dorfgeschichte aus dem Luzerner Hinterland, die er als Beobachter mitbekam und später verarbeitete. «Ich durfte bei den Aufnahmen dabei sein und habe Schauspieler wie Hanspeter Müller-Drossaart oder Daniel Kasztura kennen gelernt», erinnert er sich.

Seither schreibt Weingartner regelmässig Hörspiele. Der Schritt zum Theaterautor sollte erst 25 Jahre später erfolgen – in der Zwischenzeit werden Kürzestgeschichten und Kurzgeschichten veröffentlicht. Diesen Frühling erschien sein erster Gedichtband.

«Zum Theater kam ich nicht ganz freiwillig», gesteht Weingartner: «Es ist meinem Empfinden nach markant schwieriger, für eine Theaterbühne zu schreiben als ein Hörspiel. Während man beim Hörspiel Raum und Zeit beliebig wechseln kann, ist man beim Theater stärker an Ort und Zeit gebunden.» Dennoch nimmt er 2007 das Angebot an, ein Hörspiel zum Theaterstück umzuschreiben. Das Ein-Mann-Stück «Amstutz Konrad, Weltgesetz­erfinder», von Pro Helvetia ausgezeichnet, feierte 2008 Premiere. Es folgte die grösste Produktion, an der Weingartner bis dato beteiligt war: Den Text des Freilichttheaters «Couscous und Rösti», welches vergangenen Sommer mehr als 6000 Leute nach Triengen lockte, hat er geschrieben. Sein aktuelles Stück feiert im Mai Premiere (siehe Kasten).

Kein Missionar

In der Vergangenheit war es oftmals lokaler Stoff, welcher Weingartner inspirierte. Grundsätzlich will er aber nicht allzu viel in seine Arbeit hineininterpretieren: «Ich bin kein Missionar», erklärt er. «Wenn die Leute sich unterhalten fühlen, ist schon viel getan – und wenn auf dem Heimweg noch etwas nachhallt, umso besser!»

Das Schreiben – egal in welcher Form, ob Gedicht, Prosa, fürs Theater oder die Zeitung – bleibt seine Leidenschaft: «Ich sage immer, dass ich mich als Schreiber sehe und nicht als Schriftsteller.»