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TRIENGEN: Weltstar sorgte in Triengen für Aufregung

Chick Corea, einer der weltbesten Jazzpianisten, lebte zu Beginn der 1970er-Jahre fast unerkannt in Triengen. Ehemalige Hausnachbarn erinnern sich an jene bewegende Zeit.
Thomas Heer
Tourt um die ganze Welt: Chick Corea, hier bei einem Auftritt im Juli in Spanien. (Bild: Keystone)

Tourt um die ganze Welt: Chick Corea, hier bei einem Auftritt im Juli in Spanien. (Bild: Keystone)

Es gab sie bereits in den 1960er-Jahren in New York mit dem Greenwich Village, oder in San Francisco mit dem Haight-Ashbury-Quartier. Orte, wo sich die Koryphäen der modernen Musikszene zahlreich niederliessen. Die Namen von Bob Dylan, Jimi Hendrix, Janis Joplin oder sogar ganzer Bands wie Jefferson Airplane, aber auch Grateful Dead, bleiben bis heute mit diesen Gegenden verbunden. Ein solcher Hotspot, wo ein Teil der Musikerelite Fuss fasste, entstand dann wenig später erstaunlicherweise auch in der Schweiz. Und zwar nicht in Zürich oder Genf, sondern in der beschaulichen Surentaler Gemeinde Triengen. Dass es 1972 soweit kam, lag vor allem an einem, nämlich Chick Corea, bis heute einer der besten und erfolgreichsten Jazzpianisten der Welt. Oder wie es Niklaus Troxler, Gründer des Jazzfestivals von Willisau (siehe Box), ausdrückt: «Ein Künstler mit ungeheurem Talent.»

Chick Corea, heute 72-jährig, trat damals in Willisau auf, und er fand grosses Gefallen an der mit Wäldern und Weiden überzogenen Hügellandschaft des Luzerner Hinterlandes. Troxler erzählt: «Chick ging oft spazieren auf den Vorberg oder Gütsch und fragte mich dann plötzlich, ob er hier nicht sesshaft werden könnte.» Auf die Schnelle liess sich in Willisau jedoch keine Bleibe finden. Aber Troxlers Bruder Walter erinnerte sich an seinen Studienkollegen aus Seminarzeiten, Joseph Peyer. Damals 22-jährig, arbeitete dieser als Lehrer in Triengen und wohnte zusammen mit seiner Gattin Romy in einem alten Bauernhaus am Rande des Dorfes.

Ein kurzes Hin und Her, und der Plan wurde umgesetzt. Chick Corea zog zusammen mit seinem Texter, Neville Potter, und dessen Freundin Leslie in die zweite Wohnung von Peyers Bauernhaus ein. Die Gesamtmiete von 450 Franken wurde fortan geteilt. Chick Corea und seine Entourage wohnten knapp ein Jahr in Triengen

Besuch von der Bundespolizei

Romie Peyer erinnert sich auch nach über 40 Jahren an den Pianisten: «Chick war frei von jeglichen Allüren, ein wirklich liebenswerter Mensch.» Und offenbar auch ein Mann, der keinen Wert auf Luxus legte. Denn Peyers Haus, inzwischen abgerissen, bot wenig Komfort. Geheizt wurde mit Holz. Das einzige Badezimmer mussten sich sämtliche Bewohner teilen, und im Winter war es nicht nur draussen kalt. Joseph Peyer sagt: «Hielt man ein brennendes Streichholz an den Rand eines Fensters, wurde die Flamme vom Wind im Nu weggeblasen.»

Wo sich ein Star wie Chick Corea niederlässt, sind auch andere Musiker nicht weit. «Wir hatten viele Sessions im Haus. Es ging zum Teil wirklich laut zu und her. Mit unserer Wohnsituation haben wir die Bevölkerung von Triengen sicher überfordert», sagt Romie Peyer rückblickend. Zu längeren Besuchen fanden sich unter anderen der US-Bassist Stanley Clark, aber auch Grössen des Schweizer Jazz wie Irène Schweizer, Pierre Favre oder Fredy Studer ein.

In Triengen wussten nur ganz wenige von Chick Coreas Präsenz. Offiziell gemeldet war er nie. Dies könnte der Grund sein, weshalb dann einmal ein Vertreter der Bundespolizei bei Peyers anklopfte und sich nach dem berühmten Hausbewohner erkundigte. Passiert ist dann allerdings nichts.

Joseph Peyer erinnert sich aber viel lieber an die menschlichen und musikalischen Qualitäten seines damaligen Nachbarn. «Chick war ein humorvoller und bedächtiger Mensch. Und einmal hat er mir etwas gesagt, das mir unvergesslich bleibt: ‹Weisst du, jetzt bin ich so weit, dass meine Finger am Piano genau das umsetzen, was ich spüre.›»

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