Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Trinkende Senioren fordern Fachleute im Kanton Luzern

Spitex- und Heimmitarbeiter sind öfters mit Suchtmittelabhängigen Senioren konfrontiert. Das Thema wird in der Gesellschaft immer noch tabuisiert. Allerdings sind die Mitarbeiter heute besser auf heikle Situationen vorbereitet.
Roseline Troxler
Der Griff zum Glas – auch im Alter ein Thema. (Symbolbild: Getty)

Der Griff zum Glas – auch im Alter ein Thema. (Symbolbild: Getty)

Wer einmal alkoholäbhängig ist, bei dem verschwindet die Sucht im Alter nicht einfach. Im Gegenteil: Der Alkoholkonsum nimmt teils durch die Vereinsamung oder Schmerzen bei Senioren gar noch zu. Bei Pflegebedürftigkeit hat dies auch Auswirkungen auf Fachleute von Spitex und Altersheimen. Das Problem dabei ist laut Barbara Hedinger, Bereichsleiterin Prozess- und Qualitätsmanagement bei der Spitex der Stadt Luzern, dass «das Thema in der Gesellschaft weiterhin tabuisiert wird».

Hedinger: «Es gibt laufend drei bis vier Fälle, welche uns wirklich belasten.» Jedes Team habe einige Klienten, welche ein Problem mit der Alkoholabhängigkeit hätten. «Die Situation wird von den Mitarbeitenden gegenüber den Klienten auch angesprochen. Allerdings gibt es oftmals keinen Willen zur Veränderung von Seiten der Erwachsenen, welche an einer Suchterkrankung leiden.» Dieses Urteil soll laut Hedinger aber nicht aufgrund des Eindrucks von aussen entstehen, sondern in einem offenen Gespräch mit den Klienten geklärt werden. «Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass zu einem späteren Zeitpunkt wenn der Leidensdruck steigt, der Wille zur Veränderung entsteht.»

«Sie dürfen trinken, wenn sie nicht ausfällig werden»

Roger Wicki präsidiert den Kantonalverband Luzerner Pflegeheime Curaviva Luzern. Er schätzt die Situation wie folgt ein: «Es gibt in einem Pflegeheim immer mal wieder Menschen mit Alkoholabhängigkeiten, die bestanden haben oder noch bestehen.» Der Co-Geschäftsleiter beim Pflegeheim Seeblick in Sursee führt aus: «Grundsätzlich dürfen Menschen, die ein Alkoholproblem haben, bei uns trinken, wenn sie gegenüber anderen Bewohnern oder auch gegenüber dem Personal nicht ausfällig werden.» Er betont:

«Wir sind keine therapeutische Einrichtung, sondern ein Zuhause.»

Welches ist aber das Vorgehen, wenn Suchtmittel im Pflegeheim zum Problem für den Bewohner und das Umfeld werden? «Dann werden Spezialisten hinzugezogen», erklärt Wicki. «Erste Ansprechperson ist immer der Heim-, beispielsweise der Hausarzt. Sollten weitere Abklärungen von Spezialisten nötig sein, wird die Luzerner Psychiatrie involviert.» In jedem Fall werde versucht, mit dem Bewohner, den Angehörigen und der Pflege zusammen zu sitzen. «Es werden immer individuelle Lösungen gesucht.» Laut Roger Wicki besteht zwischen der Luzerner Psychiatrie und Curaviva Luzern eine Vereinbarung, dass «die Pflegeheime ihre Bewohner nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie grundsätzlich wieder aufnehmen».

Organisationen entwickelten einen Leitfaden

Einiges getan hat sich auch bei der Schulung des Personals. Vor rund fünf Jahren haben verschiedene Organisationen im Kanton gemeinsam einen Leitfaden zum Thema Suchtgefährdung im Alter entwickelt. Er richtet sich an Fachpersonen aus Pflege und Betreuung. «Das Bewusstsein und die Sensibilität für die Alkoholprobleme ist bei den Mitarbeitenden stark gestiegen», sagt Hedinger. In der Folge sei «der Mut, die Situation direkt anzusprechen, eindeutig gewachsen». Denn die möglichen Strategien, welche Klienten empfohlen werden könnten, seien bekannter und würden professionell vermittelt. Doch Hedinger betont auch: «Die Toleranz gegenüber dem Risikoverhalten ist gewachsen.» So werde es heute viel besser akzeptiert, dass Menschen mit Alkoholproblemen keine Veränderung wünschten und dennoch in einer empathischen Haltung weiter betreut und gepflegt würden.

Den Leitfaden mitentwickelt hat auch der Verein Akzent Prävention und Suchttherapie. Christina Meyer, Ressort Gesundheitswesen, sagt: «Der Fokus richtet sich auf die Früherkennung und Frühintervention von problematischen Konsummustern bei Klienten oder Bewohnern.» Beim Leitfaden gehe es um die Entwicklung von Haltungen im Umgang, um Beobachtungskriterien und ein stufenweises Vorgehen. Laut ihren Erfahrungen aus den Schulungen trete eine Alkoholabhängigkeit bei Senioren seltener auf als früher. Aber: «Wenn es vorkommt, sind die Mitarbeitenden in solchen Situationen sehr gefordert.» Laut dem Leitfaden geht es zuerst darum, dass Auffälligkeiten früh erkannt werden. Diese sollen dann im Team diskutiert und das weitere Vorgehen besprochen werden. Dann wird ein erstes Gespräch mit dem Betroffenen gesucht. Es wird versucht, einen Lösungsprozess mit der betroffenen Person zu entwickeln. Auch Angehörige sollen, mit dem Einverständnis der Bewohner oder Klienten eingebunden werden, oft werden Dritte, wie zum Beispiel der Hausarzt, hinzugezogen.

Mehr Klienten mit einer Drogenabhängigkeit

Im besagten Leitfaden kommt auch klar zum Ausdruck, dass die Grenzwerte vom massvollen zum übermässigen Alkoholkonsum bei Senioren deutlich niedriger anzusetzen sind, da Senioren den Alkohol schlechter vertragen und abbauen als jüngere Menschen.

Nebst Alkohol kommen weitere Substanzen hinzu. «Zunehmend gehören auch drogenabhängige Menschen zu unserem Klientel», sagt Barbara Hedinger. Sehr präsent sei ausserdem das Thema Medikamentenabhängigkeit. Laut dem Leitfaden geht es hier vor allem um Schlaf- und Beruhigungsmittel. Kommt hinzu, dass oftmals auch die Wechselwirkung von Medikamenten und Alkohol ein Problem darstellen kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.