Luzerner Bauern brauchen dringend Regen – aber es gibt Ausnahmen

Die Wiesen im Kanton Luzern benötigen unbedingt Niederschläge. Einen hohen Wasserbedarf hat auch das Gemüse – aber nicht zwingend in Form von Regen.

Lukas Nussbaumer
Drucken
Teilen

Der Natur scheint's prächtig zu gehen: Saftige, grüne Wiesen schon bis weit in höhere Lagen. Ackerkulturen, welche die braunen Böden immer stärker bedecken. Und blühende Obstbäume landauf und landab. Kein Grund zur Sorge also für die Bauern?

Die Antwort lautet Nein – aber eben auch Ja. Derzeit sei die Trockenheit «noch nicht kritisch», sagt Franz Stadelmann. Der Fachbereichsleiter Natürliche Ressourcen bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald sagt gar, für das Weiden der Tiere auf Wiesen und für das Setzen von Kartoffeln oder das Säen von Mais in Äckern seien trockene Verhältnisse ein Vorteil. Dies deshalb, weil auf den Wiesen und Äckern im Gegensatz zu nassen Verhältnissen keine Tritt- und Fahrschäden entstehen würden.

Kies- und Sandböden trocknen schneller aus

Der stellvertretende Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei der Dienststelle warnt aber auch:

«Fällt nicht bald Regen in grösseren Mengen, haben wir im Futterbau ein gröberes Problem.»

Stadelmann meint jene gemähten Wiesen, auf denen das Gras aufgrund von Trockenheit nicht oder viel langsamer nachwachse, wenn das Wasser fehle. Abhängig sei dies vorab von der Bodenart – leichte Kies- und Sandböden leiden schneller unter der Trockenheit – und weniger vom Gebiet. Schliesslich habe es in den letzten Wochen im Kanton Luzern keine regionalen Unterschiede bei den Niederschlagsmengen gegeben.

Besonders prekär werden könnte die Lage laut Stadelmann demnächst auch, weil die Wasservorräte in den Böden sehr gering sind. «Wir haben zwei Jahre mit wenig Niederschlägen hinter uns. Das zeigt sich darin, dass viele Quellen bereits jetzt wieder weniger Wasser führen.» Erschwerend dazu käme die immer wieder wehende Bise, welche die Böden zusätzlich austrockne – und die auch die schon seit längerem bestehende Waldbrandgefahr erhöht.

Gemüsebauer kann seine Kulturen bewässern

Genügend Wasser ist nicht nur für Futterbaubetriebe wichtig, sondern auch für Gemüseflächen. Dennoch sagt Hans Blaser, der in Ruswil zusammen mit zwei Brüdern auf einer Fläche von 16 Hektaren Gemüse anbaut:

«Wir haben es lieber zu trocken als zu nass.»

Der Grund ist einfach: Blaser kann seine Kulturen bewässern, was er derzeit während den Nachtstunden auch tut. Und damit optimale Bedingungen schafft für seine heranwachsenden Salate und Gemüsesorten.

Das Gemüsefeld der Gebrüder Blaser in Ruswil wird bewässert.

Das Gemüsefeld der Gebrüder Blaser in Ruswil wird bewässert.

Bild: Nadia Schärli (15. April 2020)

Immer nur ideal verlief das bisherige Jahr für den 61-Jährigen, dessen Grossvater 1920 in Ruswil mit dem Gemüsebau begonnen hat, bis jetzt allerdings auch nicht. Die kalten Nächte vor zehn Tagen führten beim Gemüse zu Frostschäden, und viele seiner Blumen aus dem Gewächshaus konnte er aufgrund der Corona-Massnahmen nicht verkaufen. Im Sommerhalbjahr wachsen auf dem Betrieb der Gebrüder Blaser im Freiland Blumen auf einer Fläche von rund acht Hektaren.

Hans Blaser schützt das Gemüse auf dem Feld mit doppeltem Vlies vor der Kälte und dem Austrocknen.

Hans Blaser schützt das Gemüse auf dem Feld mit doppeltem Vlies vor der Kälte und dem Austrocknen.

Bild: Nadia Schärli (15. April 2020)

Flächendeckender Regen ist nicht in Sicht

Bis Hans Blaser seine Sommerblumen verkaufen kann, dauert es noch ein paar Wochen. Lässt auch der Regen solange auf sich warten? «Hoffentlich nicht», sagt Meteorologe Klaus Marquardt vom Wetterdienst Meteonews, «denn wir schleppen ein mehrjähriges Niederschlagsdefizit mit.» Sicher sei: «Eine längere Regenperiode ist derzeit nicht absehbar.»

Zwar könne es in der nächsten Woche da und dort zu gewittrigen Schauern kommen, am ehesten im Entlebuch, rund um den Napf oder in der Pilatusregion. Doch das reiche nicht. «Nötig wären Niederschläge mit mässiger Intensität über einen längeren Zeitraum hinweg.»

Europa trocknet aus: Rückblick auf den Hitzesommer 2018

Mähen in der Hitze: Ein Mähdrescher fährt über ein Getreidefeld im deutschen Niedersachsen. (Bild: Keystone)
20 Bilder
Risse durchziehen ein ausgetrocknetes Kartoffelfeld in der Schweiz. (Bild: Keystone)
Eine vertrocknete Sonnenblume steht auf einem Feld in Sachsen. (Bild: Keystone)
Diese Boje liegt wegen des niedrigen Wasserstands im Rhein bei Düsseldorf beinahe auf dem Trockenen. (Bild: Keystone)
Durch die Hitze wird der Teer auf einem Schweizer Fussweg weich und heiss. (Bild: Keystone)
Zu heiss, zu trocken: Waldbrände in Schweden. (Bild: Keystone)
Erfrischung mit Aussicht: Beim Pariser Eiffelturm suchen Touristen nach einer Abkühlung. (Bild: Keystone)
Viele Bauern haben Mühe, ihre Rinder satt zu bekommen - auch diese Rinderherde in Deutschland weidet auf einer dürren Wiese. (Bild: Keystone)
In Portugal steigt das Quecksilber auf fast 50 Grad. (Bild: Keystone)
Diese Bub sucht im heissen Spanien nach Abkühlung. (Bild: Keystone)
Im Süden Spaniens wüten Waldbrände. (Bild: Keystone)
«30 Grad sind heiss genug - jetzt hitzefrei für Wiener Fiakerpferde!» - das fordern Mitglieder des Grünen Klubs in Österreich. (Bild: Keystone)
Dürres Gras in einem Park in England. (Bild: Keystone)
Überfüllte Strände in Polen... (Bild: Keystone)
...in Belgien... (Bild: Keystone)
...in Portugal... (Bild: Keystone)
...und in Spanien. (Bild: Keystone)
Ventilatoren sollen in Italien Passanten erfrischen. (Bild: Keystone)
Die Tschechen finden in Flüssen eine Abkühlung. (Bild: Keystone)
Sogar den Elefanten in einem dänischen Zirkus ist es zu heiss. (Bild: Keystone)

Mähen in der Hitze: Ein Mähdrescher fährt über ein Getreidefeld im deutschen Niedersachsen. (Bild: Keystone)