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TROLLEYBUSSE: Seit 75 Jahren summen Trolleybusse durch Luzern

Vom Bahnhof in die Allmend: Was mit einer ersten Linie durch die Stadt begann, elektrisiert heute Millionen Passagiere. Ein Grund zum Feiern.
Simon Bordier
Bild aus den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren: ein Büssing-Trolleybus der VBL-Linie 1 bei der Ausfahrt von der Seebrücke Luzern. (Bild: VBL-Archiv)

Bild aus den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren: ein Büssing-Trolleybus der VBL-Linie 1 bei der Ausfahrt von der Seebrücke Luzern. (Bild: VBL-Archiv)

Simon Bordier

Nirgendwo sind mehr Trolleybusse unterwegs als in Russland. Auch in anderen ehemaligen Ostblockstaaten, in China und Nordkorea, sind Oberleitungsbusse weit verbreitet. Man könnte beinahe von einem «kommunistischen Erbe» sprechen – wäre da nicht die Schweiz, die als eines der wenigen westlichen Länder die Trolley-Technik gepflegt und weiterentwickelt hat. Noch heute sind hierzulande in zwölf Städten Trolleybusse unterwegs. Und während sie in Zürich oder Bern lediglich das Tramnetz ergänzen, haben sich Städte wie Luzern, Lausanne oder Winterthur sogar fast vollständig der Trolley-Technik verschrieben.

Fahren im Oldtimer-Trolley

Dieses Wochenende rückt die Schweizer «Trolley-Familie» im Verkehrshaus Luzern näher zusammen. Anlass dazu gibt ein rundes Jubiläum: Vor 75 Jahren wurde die erste Trolleybuslinie in Luzern zwischen dem Bahnhof und der Allmend in Betrieb genommen. Zur Feier wird bei den «Trolleybus Days» im Verkehrshaus das Rad der Zeit zurückgedreht – mit historischen Bildern und Oldtimer-Trolleybussen aus der ganzen Schweiz. Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) bieten gar Oldtimer-Fahrten in einem eigens restaurierten Bus mit Baujahr 1949 an. Auch Zukunftstechnik wird vorgestellt. Auf die kleinen Besucher warten zudem Trolley-Miniaturmodelle.

Der Aufstieg des Trolleybusses in Luzern während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist mit dem Abstieg des Trams verbunden (siehe Kasten). Doch weltweit gesehen, steht es um die Zukunft der Trolleybusse weniger gut. Diesen erwächst nämlich ab den 1950er-Jahren Konkurrenz durch Dieselfahrzeuge, die technisch immer ausgefeilter sind und sich im hektischen Stadtverkehr zusehends besser behaupten. Zudem locken die damals tiefen Treibstoffpreise.

Warum also nicht auf den Bau teurer Busleitungen verzichten? Die Frage stellte sich insbesondere in den USA, in England, Deutschland und Italien – einstigen Pionierländern der Trolley-Technik. Doch deren Infrastruktur aus den Zwischenkriegsjahren ist um 1950 bereits veraltet oder zerstört. Statt neue Leitungen zu bauen, folgt man lieber dem Zeitgeist und lässt Dieselbusse durch «Autostädte» fahren. Heute kann man die Orte in Deutschland, Frankreich, England und den USA, in denen noch Trolleybusse fahren, fast an den Fingern einer Hand abzählen. Einzig Italien zählt noch 14 Trolley-Städte – allerdings sind deren Netze kaum mit den Ausbaustandards in Lausanne oder Luzern vergleichbar.

Die Schweiz hatte Verspätung

«Die Schweiz ist ein Sonderfall», sagt denn auch Roman Zai, Präsident des Trolleybusvereins Schweiz. Der Grund dafür sei in der Geschichte zu suchen. Denn hierzulande habe der Trolley-Boom erst mit leichter Verzögerung eingesetzt: 1932 ging in Lausanne der erste «moderne» Trolleybus ans Netz. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs folgten dann zehn weitere Städte, darunter Luzern. «Während die Infrastruktur in England nach dem Zweiten Weltkrieg bereits überholt und in Deutschland vielerorts zerstört war, stand man in der Schweiz erst am Anfang», erklärt Zai. In den Folgejahren hätten Schweizer Elektrotechnikunternehmen wie die Brown, Boweri & Cie. (BBC), die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) oder Sécheron das Feld für sich entdeckt. Auch beim Bau von Schwerfahrzeugen waren Schweizer Unternehmen aktiv, namentlich Saurer, Berna und Franz Brozincevic & Cie. (FBW).

«Die Schweiz ist nicht nur eine Bahnnation», meint Zai. Quasi als «Anhängsel» der Bahntechnik seien auch die Trolley-Systeme stetig weiterentwickelt worden. Für weiteren Auftrieb habe die starke Wasserkraftproduktion in der Schweiz gesorgt. «Die elektrische Energie aus einheimischer Wasserkraft war eines der Hauptargumente für die Einführung von Trolleybus-Systemen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.»

Vielfalt in Luzern

Am Trolleybus-System in Luzern gefällt Zai die Vielfalt: «In keiner anderen Stadt kann man heute noch Busse mit Anhänger, Gelenkbusse und Doppelgelenkbusse auf einmal sehen.» Auch Daniel Steiner hat als langjähriger Geschäftsführer der Planungs- und Installationsfirma Kummler + Matter Trolley-Netze im In- und Ausland kennen gelernt. Heute leitet er die internationale Trolleybusvereinigung Trolleymotion. «Der Markt für Trolleybusse ist überschaubar, aber vital», meint er. Immerhin sind heute weltweit in 300 Städten Trolleybusse unterwegs. Umweltschonende Antriebstechnologien seien gefragter denn je, meint Steiner. Trolleybusse kämen dabei um ein Vielfaches günstiger zu stehen als neue Tram­anlagen. Auch sei heute nicht absehbar, dass Elektrobusse gänzlich ohne Oberleitungen auskommen könnten. Dafür seien heutige Batterien noch viel zu schwer und zu teuer. «Eine interessante Entwicklung sind hybride Anwendungen mit Trolley und Batterie», meint er. Dabei legt der Bus einen Teil der Strecke mit Oberleitungen zurück, einen anderen ohne Leitungen mit Batterieantrieb. Die Technik ist aber noch weit entfernt davon, im Alltag eingesetzt zu werden.

Luzerner waren gegen Trolleybus

Geschichte bor. Die Gründung der heutigen Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) erfolgte 1899, als innert weniger Jahre zwei Tramlinien zwischen Kriens und Luzern sowie zwischen Emmen und Luzern ihren Betrieb aufnahmen. 1938 stand erstmals die Einführung einer Trolleybuslinie zur Diskussion. Der dafür nötige Bau neuer Fahrleitungen stiess aber beim Luzerner Stimmvolk auf wenig Begeisterung – die Vorlage wurde abgelehnt.

Krieg brachte die Wende

Drei Jahre später sah die Situation ganz anders aus: Der Zweite Weltkrieg führte zu einer Ölknappheit, die Dieselbusse fuhren seltener, der Ruf nach Alternativen wurde lauter. Am 7. Dezember 1941 nahm dann die Trolleybuslinie 5 zwischen dem Bahnhof Luzern und der Allmend ihren Betrieb auf. Dazu wurde ganz einfach ein bestehendes Dieselfahrzeug umgerüstet. Dieses konnte nun wahlweise mit Strom oder weiterhin mit Diesel fahren.

Heute befinden sich im VBL-Fahrzeugpark 52 Trolleybusse. In diesem und im nächsten Jahr werden 9 Trolleybusse ausgemustert. Dafür gehen 4 neue Gelenkbusse und 17 Doppelgelenktrolleybusse ans Netz.

Hinweis

Die «Trolleybus Days» finden von heute bis Sonntag im Verkehrshaus Luzern statt. Auf Vorweisen eines ÖV-Tickets gibt es 50 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis. Am Samstag und Sonntag gibt es Extrafahrten mit einem historischen Bus.

Schwarz-Weiss-Fotografie aus den frühen 1950er-Jahren vom Bahnhofplatz Luzern. In der Mitte einer der ersten Luzerner Trolleybusse. Rechts davon zwei Trams. (Bild: VBL-Archiv/H. Blättler)

Schwarz-Weiss-Fotografie aus den frühen 1950er-Jahren vom Bahnhofplatz Luzern. In der Mitte einer der ersten Luzerner Trolleybusse. Rechts davon zwei Trams. (Bild: VBL-Archiv/H. Blättler)

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