Kommentar

Trotz Boom: Bauern sollten bei Umstellung auf Biolandbau vorsichtig sein

Das Angebot an biologisch produzierten Nahrungsmitteln steigt schweizweit stärker als die Nachfrage. Landwirte, die ihren Hof umstellen wollen, müssen sich deshalb vorab intensiv um den Absatz kümmern.

Lukas Nussbaumer
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Bioprodukte haben 2019 in der Schweiz erstmals einen Marktanteil von mehr als 10 Prozent erreicht. Und in Luzern wollen heuer so viele Bauern auf die biologische Wirtschaftsweise umstellen wie in keinem anderen Kanton. Dennoch ist der Anteil der Biolandwirte im Kanton Luzern im Zentralschweizer Vergleich mit weniger als 10 Prozent noch immer tief.

«Bio» war bei den Konsumenten nicht nur 2019 gefragt, sondern ist es auch in der aktuellen Coronakrise. Das zeigen die Verkäufe in den Geschäften und die Nachfrage in den Hofläden. Sind Landwirte also gut beraten, ihren Betrieb jetzt umzustellen? Wer auf diese Frage mit einem klaren Ja antwortet, verkennt die Realität. Beispiele gibt es zuhauf. So lieferten die Biobauern im letzten Jahr mehr Milch, als der Markt aufnehmen konnte, und Biofleisch-Produzenten lösen kaum mehr als ihre konventionell arbeitenden Kollegen. Wer seinen Hof neu ausrichten will, muss sich also vorab intensiv um den Absatz kümmern.

Um neue Verkaufskanäle wollen sich nun auch die Zentralschweizer Biovereine kümmern. Im Visier haben sie vor allem die Gastrobranche, wo das Potenzial gross scheint. Nur: Zahlen die Gäste jetzt und nach der Coronakrise nicht nur im Laden, sondern auch im Restaurant höhere Preise für ein Biosteak oder einen Biowein? Ein klares Ja würde auch hier mehr Wunschdenken als Realitätssinn entsprechen. Sicher ist: Die Biobauern müssen es probieren. Sonst wird aus dem Boom schnell Stagnation.

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