Trotz Ja zu anderem Projekt: Stadt Luzern soll Unterwasser-Velostation prüfen

Ein entsprechender, dringlicher CVP/FDP-Vorstoss im Luzerner Stadtparlament nimmt eine Projektidee von privater Seite auf. Bei den Linken findet dies allerdings kein Gehör. Und die SVP ist (noch) gespalten – aus gutem Grund.

Roman Hodel
Drucken
Teilen
Eine Velostation hier unter der Reuss? Das soll der Stadtrat prüfen. (Visualisierung: PD)

Eine Velostation hier unter der Reuss? Das soll der Stadtrat prüfen. (Visualisierung: PD)

Unter der Bahnhofstrasse plant die Stadt Luzern eine Velostation mit 1100 Plätzen. Einem Projektierungskredit über zwei Millionen Franken haben die Stimmberechtigten vor zwei Monaten mit 54,4 Prozent Ja zugestimmt (wir berichteten). Nun verlangen CVP und FDP in einem dringlichen Postulat, dass der Stadtrat im Rahmen der weiteren Planung eine Alternative prüfen soll – und zwar unter der Reuss. «Es ist davon auszugehen, dass die hohen Kosten ein wesentlicher Grund für die knappe Zustimmung waren», schreiben die Postulanten.

Eine Velostation unter der Reuss? Da war doch was. Genau. Nur wenige Tage vor der Abstimmung brachten die City-Vereinigung und der Wirtschaftsverband zusammen mit Architekt Frieder Hiss sowie den Bauingenieuren Matthias und Peter Bucher die Idee eines Veloparkings unter der Reuss ins Spiel (wir berichteten). Ihr Hauptargument: Die Kosten des Alternativprojekts liegen laut ihren Angaben bei rund 11 Millionen Franken – zwei Millionen weniger als beim Projekt, zu dem das Stimmvolk Ja gesagt hat. Dies, weil die Werkleitungen unter der Bahnhofstrasse bei der Fluss-Variante nicht verschoben werden müssten.

Gewässerschutz als Stolperstein?

Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) äusserte sich im Mai allerdings skeptisch zum Vorschlag – unter anderen wegen des strengen Gewässerschutzgesetzes. Zudem sei das vorliegende Projekt eine gute Lösung. Denn dieses könne gleichzeitig mit der Aufwertung der Bahnhofstrasse ausgeführt werden und verfüge im Unterschied zum Reussparking über einen direkten Zugang zum Bahnhof. Auch der Kanton als Eigentümer des Gewässergrundstücks machte nicht gerade grosse Hoffnungen: «Gemäss langjähriger Praxis werden Bewilligungen für die Inanspruchnahme eines öffentlichen Gewässers nur zurückhaltend erteilt» hiess es. Davon lässt sich Postulant Andreas Felder jedoch nicht entmutigen. Er sagt:

«Der Stadtrat hat zwar mehrere Standorte geprüft, nur nicht jenen unter der Reuss.»

Dabei sei dieser prüfenswert und ein direkter Zugang zum Bahnhof «nicht ausgeschlossen». Dank der Dringlichkeit des Vorstosses komme es auch kaum zu Zeitverzögerungen, ist Felder überzeugt.

Der Dringlichkeit des Vorstosses wird auch niemand im Stadtparlament opponieren. Dann jedoch hat es sich mit dem Support – zumindest von SP, Grünen und GLP. «Die Bevölkerung hat Ja gesagt zur Velostation unter der Bahnhofstrasse und will endlich eine Aufwertung derselben, statt weitere Verzögerungen, die eine erneute Projektänderung nach sich ziehen würde», sagt Grüne-Fraktionschefin Korintha Bärtsch. Vor allem aber fehle der so wichtige, direkte Zugang zum Bahnhof. Und: Sie bezweifelt, ob das Projekt so viel günstiger käme. Daran glaubt auch GLP-Fraktionschef Jules Gut «keine Sekunde», wie er sagt: «Und im Gegensatz zum Durchgangsbahnhof sehen wir auch keine Standortgebundenheit für einen Bau innerhalb des Gewässerraums.» Würde laut Gut ausserdem ein Verband eine entsprechende Baubewilligung anfechten, drohe ein langandauernder Rechtsstreit.

Ebenfalls Skepsis aus den gleichen Gründen überwiegt bei Nico van der Heiden, Co-Präsident von Pro Velo und SP-Grossstadtrat: «Den Vorstoss finde ich aber insofern gut, als dass der Stadtrat für die Stellungnahme ein paar Vorabklärungen treffen muss.» Er geht davon aus, dass diese gegen eine weitere Prüfung des Projekts sprechen werden. Van der Heiden:

«So können wir den Vorstoss mit gutem Gewissen ablehnen.»

Noch offen ist das Verhalten der SVP – wegen ihrem Referendum kam es überhaupt zur Abstimmung über den Projektierungskredit. «Wir warten erst mal die Antwort des Stadtrats ab», sagt Fraktionschef Marcel Lingg. Die einen in der Fraktion seien grundsätzlich gegen ein Veloparking und damit gegen das Dringliche Postulat. «Andere hingegen finden, weil das Veloparking sowieso kommt, dann soll es wenigstens günstiger gebaut werden.»