Kommentar
Trotz Kritik am Tourismus – die Luzerner Umfrage zeigt, dass ein Mittelweg gefragt ist

Die Stadtluzerner Bevölkerung ärgert sich über die volle Altstadt und Cars, steht dem Tourismus aber dennoch positiv gegenüber. Es muss also ein Kompromiss erarbeitet werden.

Stefan Dähler
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Stefan Dähler

Stefan Dähler

Die akzeptable Anzahl der Touristen in Luzern ist überschritten. Dieses Resultat aus einer Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Stadt Luzern wirkt heute wie aus der Zeit gefallen, stammt es doch aus der Zeit vor dem Lockdown. Inzwischen sind die Hotels sowie Sehenswürdigkeiten leer und viele Arbeitsplätze in Gefahr.

Im Zentralschweizer Besucherhotspot schwelt die Debatte um die Auswirkungen des (Gruppen-)Tourismus schon sehr lange, die Kernaussage der Umfrage ist keine Überraschung. Und sie ist eine Momentaufnahme. Denn aktuell haben Lenkungsmassnahmen keine Priorität. Jetzt geht es darum, Schäden zu minimieren. Die Krise ist aber ebenfalls eine Momentaufnahme. Für die zukünftige Tourismusstrategie ist es darum wichtig zu wissen, wo der Bevölkerung der Schuh drückt. Die repräsentative Umfrage ist also dennoch wertvoll.

Denn die Daten zeigen auch: Trotz Kritik an der hohen Gästezahl, ist die Grundeinstellung zum Tourismus immer noch positiv. Das Bewusstsein ist ausgeprägt, wie wichtig die Branche für die Wertschöpfung und damit für die Arbeitsplätze ist. Es braucht also einen Mittelweg: Der Tourismus muss sich ohne starre Einschränkungen wie Besucherobergrenze oder gar Herkunftssteuerung entwickeln können. Abschreckung kann, gerade in der Corona-Erholungsphase, keine Strategie sein. Neue Regulierungen, etwa bei Carverkehr oder Airbnb, sind aber nötig, um die einheimische Bevölkerung nicht zu vergraulen.