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Strengere Massnahmen für Baldeggersee gefordert

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie zeigt: Der See muss noch Jahrzehnte künstlich belüftet werden. Nun streben der zuständige Gemeindeverband und der Kanton strengere Phosphor-Regelungen an – die Bauern wollen Hand bieten.
Niels Jost
Der Baldeggersee ist überdüngt und wird deshalb seit Jahren mit dieser Anlage künstlich mit Sauerstoff versorgt. (Bild: Manuela Jans-Koch, Retschwil 26. Juli 2018)

Der Baldeggersee ist überdüngt und wird deshalb seit Jahren mit dieser Anlage künstlich mit Sauerstoff versorgt. (Bild: Manuela Jans-Koch, Retschwil 26. Juli 2018)

Seit 37 Jahren wird der Baldeggersee bereits künstlich belüftet. Doch noch immer ist die Phosphorkonzentration zu hoch. Jährlich fliessen 3,9 Tonnen Phosphor in den See – die tolerierbare Grenze liegt bei 2,2 Tonnen, wie eine gestern veröffentlichte Studie des Bundes aufzeigt.

Die hohen Phosphoreinträge stammen primär aus der Landwirtschaft – zum einen von der aktuellen Bewirtschaftung, zu einem wesentlichen Teil aber von den mit Phosphor überversorgten Böden, den Altlasten. Damit der See gesunden kann, müsse die Phosphordüngung auf einem grossen Teil der umliegenden landwirtschaftlichen Flächen «deutlich reduziert werden», teilte der Kanton gestern mit. Denn:

«Die bisherigen Massnahmen reichen nicht aus, um die Phosphorfracht auf den angestrebten Zielwert zu reduzieren.»

Würde man wie bisher weitermachen, dauere es Jahrzehnte, bis sich der Baldeggersee wieder erholen würde.

Massnahmen: Weniger Dünger oder Tiere

In der Studie werden daher diverse Massnahmen vorgeschlagen. Zum Beispiel könnten die Bauern dazu verpflichtet werden, weniger Dünger auf ihre Felder auszutragen, mehr Hofdünger zu exportieren oder eine strengere Nährstoffbilanz einzuhalten. Effizient wären ebenso technische Arbeiten an Kläranlagen, Regenüberläufen oder an Zuleitungen.

Welche Massnahmen umgesetzt werden und bis wann der Baldeggersee wieder unabhängig von der Belüftung sein soll, wird nun mit allen betroffenen Stellen evaluiert. Aktuell wird das neue Phosphorprojekt des Kantons erarbeitet, welches ab 2020 in Kraft treten soll. Darin ist etwa geregelt, wie viel Dünger die Bauern um den See ausbringen dürfen.

Bauernverband an Lösungen interessiert

An gemeinsamen Lösungen ist der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband interessiert, wie Geschäftsführer Stefan Heller auf Anfrage sagt. «Es gilt nun zunächst, die vorgeschlagenen Massnahmen hinsichtlich Nutzen und Kosten zu beurteilen und dann jene umzusetzen, die für alle verträglich sind.»

Heller betont: Es wäre zu kurz gefasst, die Schuld für die hohen Phosphorkonzentration alleine den einzelnen Bauern in die Schuhe zu schieben – «diese haben sich stets an die gesetzlichen Vorgaben gehalten».

Gemeindeverband nimmt Kanton in Pflicht, nicht die Bauern

Gleiches ist vom Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee zu hören, der für die Belüftung und Sauerstoffzufuhr verantwortlich ist. Dieser begrüsst die vorgeschlagenen Massnahmen zwar sehr, wie Verbandspräsident Roland Moser und Vorstandsmitglied Lukas Wedekind unisono sagen. Der Verband sieht aber nicht primär die Landwirte in der Pflicht: «Sie haben schon viel beigetragen und sich an die gesetzlichen Vorgaben gehalten. Deshalb gilt es, diese Vorgaben zu überdenken.» Und Moser sagt weiter:

«Gehandelt werden muss daher auf politischer Ebene.»

Tatsächlich verfügen die meisten Landwirte um den Baldeggersee über einen sogenannten Seevertrag, der sie etwa zu schonungsvollerem Umgang mit Gülle verpflichtet. Im vergangenen Jahr hatten 215 der total 277 landwirtschaftlichen Betriebe einen solchen Vertrag unterzeichnet.

Verband will Kosten an Kanton abtreten

Dass gehandelt werden muss, scheint also unter allen Beteiligten unbestritten. Die Frage ist nur: Wie stark werden die geltenden Richtlinien verschärft? Und ab wann soll der See wieder ohne Belüftung auskommen?

Dies wird – wie bereits erwähnt – derzeit abgeklärt. Dabei geht es auch um Geld: Für die Belüftung wendet der Verband, dem elf Gemeinden angehören, pro Jahr rund eine viertel Million Franken auf. «Über die Jahre ist das eine stattliche Summe», sagt Roland Moser. Nur: Die Gemeinden müssen die Belüftung zahlen, können selber aber keine Richtlinien erheben. Dafür ist der Kanton zuständig. Der Verband fordert daher, dass dieser künftig einen massgeblichen Anteil der Belüftungskosten übernimmt.

Dieses Anliegen wird derzeit vom Kanton geprüft, wie Werner Göggel, Abteilungsleiter Gewässer und Boden bei der Dienststelle Umwelt und Energie sagt. Eine Lösung dürfte bald vorliegen – im Verlauf dieses Jahres wird die neue Leistungsvereinbarung des Gemeindeverbands mit dem Kanton ausgearbeitet. Ab 2021 soll diese in Kraft treten.

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