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Trotz Zwangsferien: Luzerner Lehrer empfehlen Bildungsdirektor zur Wiederwahl

Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) hat umstrittene Sparmassnahmen umgesetzt. Trotzdem empfiehlt ihn der Lehrerverband zur Wiederwahl, zusammen mit seinem Parteikollegen Guido Graf. Selbst politisch Gleichgesinnte sind überrascht.
Christian Glaus
Schüler protestieren vor dem Regierungsgebäude in Luzern gegen Sparmassnahmen bei der Bildung. (Bild: Boris Bürgisser, 5. April 2017)

Schüler protestieren vor dem Regierungsgebäude in Luzern gegen Sparmassnahmen bei der Bildung. (Bild: Boris Bürgisser, 5. April 2017)

Es ist nicht einmal ein ganzer Satz, der weit herum für Stirnrunzeln sorgt: Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband empfiehlt die beiden CVP-Regierungsräte Reto Wyss und Guido Graf zur Wiederwahl. Ebenfalls unterstützt er die neu kandidierenden Korintha Bärtsch (Grüne) und Jörg Meyer (SP). Überraschend vor allem, dass die Lehrer hinter Bildungsdirektor Reto Wyss stehen. War da nicht etwas in der letzten Legislatur? Zwangsferien, Arbeitszeiterhöhung, die von der Regierung bekämpfte Initiative für Qualität in der Bildung. Alles wieder vergessen?

Bei der Allianz für Lebensqualität, welche die Initiative lanciert hat und in welcher der Lehrerverband Mitglied ist, reagiert man erstaunt auf die Wahlempfehlung. Am deutlichsten drückt sich Urban Sager aus. Der Mittelschullehrer und SP-Kantonsrat ist Präsident des Verbands für das Personal öffentlicher Dienste (VPOD). «Ich kann die Empfehlung nicht nachvollziehen. Reto Wyss ist für uns nicht wählbar.» Als Grund nennt er die erwähnten Sparmassnahmen.

«Während der ganzen Legislatur haben die Personalverbände gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik des Regierungsrats gekämpft – und nun empfiehlt der Lehrerverband zwei Mitglieder dieser Regierung zur Wiederwahl. Das ergibt keinen Sinn.»

Andere Mitglieder der Allianz wollen die Wahlempfehlung der Lehrer nicht kommentieren. Auch Nationalrat Michael Töngi (Grüne), Präsident des VCS Luzern, hält sich zurück. Er gibt aber bekannt, dass der Verkehrsclub keine bisherigen Regierungsräte unterstützt (siehe Box am Ende des Artikels).

CVP-Regierungsräte als Mehrheitsbeschaffer

SP-Kantonsrat Marcel Budmiger, Koordinator der Allianz für Lebensqualität, sagt, alle Mitglieder seien bei ihren Wahlempfehlungen frei. «Es braucht eine grundsätzlich andere Finanzpolitik. Das schliesst aber die Wiederwahl einzelner Mitglieder nicht aus.»

Die Empfehlung hat der Vorstand des Lehrerinnen- und Lehrerverbands aufgrund der Wahlstrategie des Lehrerparlaments herausgegeben. Er habe keine negativen Rückmeldungen erhalten, erklärt Präsident Alex Messerli. Trotzdem schliesst er nicht aus, dass nicht alle Lehrpersonen dahinter stehen können. Bei der Wahlempfehlung handle es sich um einen pragmatischen Entscheid:

«Die CVP-Regierungsräte sehen wir als Mehrheitsbeschaffer, um die Anliegen der Lehrpersonen in der Regierung einbringen zu können.»

Angesprochen auf die umstrittenen Sparmassnahmen, welche Bildungsdirektor Reto Wyss mitgetragen hat, sagt Messerli: «Natürlich gibt es politische Differenzen. Die Zusammenarbeit mit Reto Wyss war aber sachlich und immer von einem guten Klima geprägt.» Ausserdem betont er, dass es sich bei den vier empfohlenen Kandidaten um Vorschläge handle. Neben den Mehrheitsbeschaffern Wyss und Graf brauche es mit Korintha Bärtsch eine Frau in der Regierung. Mit Jörg Meyer solle die Konkordanz wiederhergestellt werden. Doch wenn alle der vorgeschlagenen Kandidaten gewählt würden, ginge diese Argumentation nicht auf: Neben der Grünen, dem Sozialdemokraten und den beiden Christdemokraten verbleibt nur noch ein Sitz in der fünfköpfigen Regierung. Das Nachsehen hätten entweder FDP-Kandidat Fabian Peter oder SVP-Regierungsrat Paul Winiker.

Bildungsdirektor Reto Wyss freut sich, dass er vom Lehrerverband unterstützt wird:

«Ich empfinde das als Anerkennung dafür, dass wir trotz Differenzen gemeinsame Anliegen verfolgt haben.»

Beispiele seien die Einführung des Lehrplans 21 oder die Abschaffung einer zweiten Vorbereitungsstunde für Klassenlehrpersonen, gegen die er sich gewehrt habe. In den nächsten vier Jahren will Wyss den digitalen Wandel im Klassenzimmer unter Einbezug des Verbands vorantreiben sowie neue Unterstützungsangebote für Lehrer und Schüler (auch Hochbegabte) schaffen.

Allianz für Lebensqualität: Kaum Unterstützung für Bisherige

Die politisch linke Allianz für Lebensqualität gibt selbst keine Wahlempfehlungen ab. Ihre Mitglieder unterstützen unterschiedliche Kandidaten. Der Luzerner Gewerkschaftsbund und der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) unterstützen SP-Kandidat Jörg Meyer, der VPOD-Mitglied ist.

Der VCS empfiehlt Korintha Bärtsch (Grüne), Jörg Meyer, Roland Fischer (GLP) und Rudolf Schweizer (parteilos). Zuvor mussten die Kandidaten Fragen zum Verkehr beantworten. Etwa, ob es weitere Massnahmen für den Individualverkehr brauche.

Die IG Kultur Luzern setzt auf Veränderung, sagt deren Präsident, Urs Bugmann. Die IG empfiehlt Korintha Bärtsch und Jörg Meyer zur Wahl. «Einen frischen Wind in der Regierung würden wir auf jeden Fall begrüssen», sagt Bugmann. «Mit den bestehenden Verhältnissen sind wir keinesfalls glücklich.»

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