TÜBINGEN / SURSEE: Hans Küng zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück

Er hat so manchen Papst gegen sich aufgebracht. Jetzt will sich der Schweizer Theologe Hans Küng weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Kurz nach seinem 85. Geburtstag übergibt er heute Montag sein Lebenswerk - die Stiftung Weltethos - in jüngere Hände.

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Hans Küng übergibt sein Lebenswerk in jüngere Hände. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hans Küng übergibt sein Lebenswerk in jüngere Hände. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Danach will er sich mehr Zeit zum Schreiben nehmen und in den nächsten Monaten vor allem am dritten Band seiner Memoiren arbeiten.

Die Stiftung ist Küngs wohl wichtigstes Projekt als Theologe. Der in Sursee geborene Küng ist der geistige Vater der Weltethos- Idee, die nach gemeinsamen Moralvorstellungen aller Menschen sucht.

Sein Nachfolger als Stiftungspräsident wird der Präsident des Staatsgerichtshofs Baden-Württemberg, Eberhard Stilz. Der 63-jährige Jurist soll weniger theologisch arbeiten, sondern der Stiftung vor allem bei ihrem geplanten Wachstumskurs im Ausland helfen. Küng bleibt Ehrenpräsident.

Eigentlich hatte sich Küng den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler als seinen Nachfolger gewünscht. Doch nachdem der eigentlich schon zugestimmt hatte, sagte er der Tübinger Stiftung wieder ab. Über die Hintergründe wurde wochenlang spekuliert.

Küng war 1979 von der Deutschen Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden. Er hatte unter anderem das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit kritisiert. Vor wenigen Tagen hatte er die Hoffnung geäussert, vom neuen Papst Franziskus rehabilitiert zu werden. (sda)