Tücken des Selbst-Scanning-Systems: Einkaufen als Wissenschaft

Stefan Dähler, Redaktor Stadt/Region Luzern, schreibt über die Tücken des Selbst-Scanning-Systems beim Lebensmitteleinkauf.

Stefan Dähler
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Lebensmittel einkaufen gehört nun wirklich nicht zu meinen Hobbys. Mit langer Liste und Kind im Schlepptau sich durch den vollen Laden kämpfen – es gibt angenehmere Beschäftigungen. Je schneller das Ganze erledigt ist, desto besser. Darum wäre das moderne Selbst-Scanning-System der beiden führenden Schweizer Grossverteiler eigentlich wie für mich gemacht.

Immer mehr Filialen werden mit Lesegeräten ausgerüstet– auch im Einkaufszentrum in meinem Quartier. Bevor man den Laden betritt, schnappt man sich ein Gerät und scannt dann die Waren im Laden selbst ein. «Für das praktische Einkaufen», preist einer der beiden Lebensmittelriesen das System auf seiner Homepage an.

Auf den ersten Blick trifft das zu. Da man an einem Automaten bezahlt, entfällt das An­stehen und Umpacken an der Kasse. Man kann die Waren nach dem Einlesen bereits im Laden in eine mitgebrachte Tasche stecken.

Doch: In vielen Läden wird man zuerst in die Früchte- und Gemüseabteilung geführt. Erdbeeren und Tomaten landen also zuunterst in der Tasche. Danach folgen Joghurt, Eier und Käse. Spätestens bei den Getränken und den Ölen muss ich das Konzept über den Haufen werden, wenn der Einkauf nicht als Brei zu Hause ankommen soll.

Die Alternative, gegen den Menschenstrom in umgekehrter Reihenfolge einzukaufen, ist schnell verworfen. Also wächst auf dem Wägeli neben der in vermeintlich weiser Voraussicht von zu Hause mitgebrachten Einkaufstasche ein zweiter Lebensmittelberg, bestehend aus den empfind­lichen Lebensmitteln. Diese kommen dann am Schluss zuoberst in die Tasche. So wird Einkaufen schon fast zur Wissenschaft.

Das System hat trotzdem Vorteile. Ich kann das Süssigkeitenregal neben der Kasse umgehen – ein grosses Plus, wenn man mit Kindern einkauft. Apropos Kinder: Meiner Tochter bereitet es Spass, den pistolenförmigen Scanner zu bedienen, was die Gefahr einer unangenehmen Trötzli-Szene im vollen Laden weiter mindert. Nur kann es passieren, dass sie – von mir unbemerkt – die Gummibärli selbst einscannt und in die Tasche packt.

Am Ende bleibt die Frage, ob ich dank des Lesegeräts Zeit und Nerven gespart habe, unbeantwortet. Meiner Tochter ist dies egal. Die Gummibärli schmecken auch zerdrückt fein.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch