Türsteher niedergestochen – Luzerner Kriminalgericht verurteilt 33-jährigen Kosovaren zu sechs Jahren

In einem Lokal in der Stadt Luzern kommt es im September 2017 zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Angestellten und einem Gast. Der Sicherheitsmann greift zum Pfefferspray, der Besucher zum Messer.

Roger Rüegger
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Vielleicht war es ein Missverständnis, möglicherweise führte falscher Stolz zu der Bluttat vor einem Ausgehlokal in der Stadt Luzern. Ein Sicherheitsangestellter des Gastbetriebs nahe des Bahnhofs forderte in den frühen Morgenstunden eine Gruppe von fünf Leuten auf, Feierabend zu machen.

Ein heute 33-jähriger Mann aus der Gruppe bat den Angestellten, ihnen noch fünf Minuten zu gewähren und reichte ihm die Hand. Als der Türsteher den Handschlag verweigerte, entwickelte sich laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft eine Auseinandersetzung.

Er rammte dem Sicherheitsmann ein Messer in den Unterbauch

Nach einem Wortwechsel in Albanisch spitzte sich die Lage zu. Der Angestellte setzte Pfefferspray ein, weil es den Anschein machte, dass der Gast, ein Kosovare, etwas aus seiner rechten Gesässtasche ziehen wollte.

Der Gast verliess daraufhin das Lokal. Der Türsteher brachte ihm später ein Glas Wasser. Nach einem weiteren Streitgespräch rammte der Besucher dem Sicherheitsmann ein Messer in den Unterbauch. Das war im September 2017.

Verteidiger sprach von einem Präventivangriff

Bei der Verhandlung am Kriminalgericht vom 26. August plädierte der Verteidiger des Beschuldigten auf Notwehr und beantragte eine bedingte Strafe von neun Monaten. «Dass der Türsteher meinem Mandanten nach draussen folgte, war unnötig. Der Mann befürchtete einen erneuten Angriff. Das Messer benutzte er, weil er sich in Bedrängnis fühlte. Es war ein Präventivangriff.»

Das Kriminalgericht hatte eine andere Sichtweise und verurteilte den beschuldigten Kosovaren für versuchte (eventual-)vorsätzliche Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Ausserdem wird er für zehn Jahre des Landes verwiesen. Das Urteil liegt im Dispositiv vor, es ist noch nicht rechtskräftig.

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