TURNEN: Spagat zwischen Tradition und Innovation

Der BTV Luzern hat einen neuen Präsidenten: Beni Boos. Der 40-jährige Luzerner hat einige neue Ideen – etwa neue Sportarten in den Verein aufzunehmen.

Raphael Zemp
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Beni Boos ist neuer Präsident des Bürgerturnvereins Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Beni Boos ist neuer Präsident des Bürgerturnvereins Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Spitze des Traditionsvereins Bürgerturnverein (BTV) Luzern hat sich verjüngt – im Dezember sind gleich drei neue Vorstandsmitglieder gewählt worden. Unter ihnen ist auch Beni Boos, neuer Präsident des BTV Luzern. Der 40-jährige Geschäftsführer einer Informatikfirma im aargauischen Suhr ist voller Tatendrang. Im Gespräch mit unserer Zeitung legt er enthusiastisch seine Ziele und Ambitionen dar. Hell leuchten seine Augen, mit dynamischen Gesten unterstreicht er immer wieder die Ernsthaftigkeit seiner Visionen. Kaum einen Satz zu Ende gesprochen, beginnt er schon einen neuen.

Unzählige Medaillen

Das Rad gänzlich neu erfinden muss Boos nicht. Er weiss: «Ich habe einen gut funktionierenden Verein übernommen.» Das bestätigen auch die sportlichen Erfolge des BTV. Spitzen- und Leistungssportathleten haben dem Traditionsverein unzählige Medaillen beschert. Ein primäres Ziel sei daher, diesen Status quo zu halten – und sogar auszubauen. Kein einfaches Unterfangen, wie Boos als Sportler weiss. Denn: «Es ist einfacher, als Verfolger einen Spitzenplatz zu ergattern, als einen solchen zuoberst auf dem Podest zu verteidigen.»

Der BTV Luzern – das bedeute nicht nur einige Topathleten, Kunstturner und Kunstturnerinnen mit nationaler und internationaler Ausstrahlung und die grosse Masse an «Breiten- und Gesundheitssportlern», wie Boos sie nennt. Dem neuen Präsidenten ist wichtig, dass der BTV differenzierter wahrgenommen wird. «Daneben gibt es im BTV äusserst erfolgreiche Leistungssportler.» Damit meint Boos in erster Linie ambitionierte Geräteturner. Auch sie seien mehrmals pro Woche in der Turnhalle anzutreffen, stünden aber «im Schatten der Grossen des Kunstturnens».

Auftritt an der Luga geplant

Deshalb plant Boos eine Schaukelringvorstellung an der Luga mit ambitionierten Geräteturnern. «So können Zuschauer einen faszinierenden Aspekt des Leistungssports erfahren – das Vereinsturnen», erklärt der frischgebackene Präsident. Denn: «Warum in den Cirque du Soleil gehen, wenn man Artisten dieses Formates auch bei uns hier, in Luzern, bestaunen kann?» Die Verhandlungen mit den Luga-Verantwortlichen seien schon weit fortgeschritten, ein definitives Okay liege aber noch nicht vor.

Weiter will Boos Tradition mit Innovation verbinden. Ganz der Turner, spricht er in diesem Fall vom Spagat, den er zwischen diesen zwei vermeintlichen Gegensätzen schaffen will. Was genau heisst das? «Warum nur immer Turnen?», denkt Boos laut vor sich hin. «Vielleicht gibt es in unserem Verein auch Platz für andere Sportarten – wie etwa Biken.» Er sei halt ein «Schnorri», entschuldigt er sich schon fast und schiebt dann nach: «Das Turnen wird aber weiterhin im Zentrum stehen.» Boos brodelt vor neuen Ideen – «aber alle Pläne will ich noch nicht preisgeben».

Als 7-Jähriger zum Turnen gefunden

Man merkt, dieser Verein ist für Boos mehr als ein Hobby. Schon 33 Jahre ist er dem BTV verpflichtet. «Ich wohne schon fast in der Turnhalle», sagt Boos. Im zarten Alter von sieben Jahren hat er als Kunstturner begonnen, dann verletzungsbedingt ins Geräteturnen gewechselt. Seit mehreren Jahren steht er dem Turnleistungszentrum Utenberg als Trainer zur Seite, hat mit Selina Rinert und Nicole Strässle auch zwei äusserst talentierte Geräteturnsternchen unter seinen Fittichen. Mit Boos hat man also keinen Unbekannten an die Vereinsspitze gewählt. Man kennt seine Stärken. «Aber auch meine Schwächen – aber man weiss damit umzugehen», witzelt Boos.

Nebst Job und Engagement für den BTV, man glaubt es kaum, findet Boos Zeit für noch mehr Sport. «Die Sportfliegerei ist eine weitere Passion von mir.» Den neuen BTV- Präsidenten kann man aber auch auf dem Bike oder auf den Ski antreffen. Daneben ist der umtriebige Jungspund seit 15 Jahren glücklich liiert mit seiner Lebenspartnerin. «So etwas wie ein Kinobesuch liegt für mich schon lange nicht mehr drin», gesteht Boos.

Einen ersten Test wird Boos schon bald zu bestehen haben. Obschon sportlich erfolgreich, ist der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet. «Ab 2014 brauchen wir einen neuen Hauptsponsor», so Boos.