TV: Eine getötete Mutter und drei Väter

Wie schon der letzte greift auch der neue Luzerner «Tatort» eine Väter-Thematik auf. Und enthüllt zudem ein weiteres Puzzleteil im Psychogramm von Kommissar Flückiger.

Arno Renggli
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Typische Ausgangslage: Kommissarin Ritschard (Delia Mayer), Kriminaltechnikerin Veitli (Sabina Schneebeli) und Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) bei einer Leiche. (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Typische Ausgangslage: Kommissarin Ritschard (Delia Mayer), Kriminaltechnikerin Veitli (Sabina Schneebeli) und Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) bei einer Leiche. (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Schon der Einstieg in den letzten Luzerner «Tatort» war stark, im neuen berührt der Anfang gar noch mehr: Eine dreifache Mutter ist getötet worden. Kommissar Reto Flückiger und seine Partnerin Liz Ritschard müssen die Kinder über ihren Verlust informieren.

Dann stellt sich heraus, dass alle drei verschiedene Väter haben. Und damit sind die Väter verdächtig. Vor allem der eine, der den Konflikt mit seiner Ex massiv ausgetragen hat. Als dann noch sein Alibi platzt und er sich als Mitglied einer ziemlich militanten Vätergruppe entpuppt, scheint er als Täter gesetzt. Doch bekanntlich ist es in Krimis selten so, wie es den Anschein hat.

Brisante Aktualität

Der Film, inszeniert von Michael Schaerer («Stationspiraten»), vermag zu überzeugen. Die Thematik der Väter, die beim Sorgerecht oft bis zur Verzweiflung benachteiligt werden, bleibt brisant. Es gibt starke emotionale Momente, vor allem mit den drei Kindern, welche von ihren Darstellern toll gespielt werden.

Wie im letzten Fall reagiert Flückiger sehr persönlich auf das Väter-Kinder-Drama. Er verrät dann auch, wieso das so ist, und enthüllt ein weiteres Puzzleteil seiner Psyche. Obwohl das Erzähltempo schweizerisch gemächlich bleibt, passt der Spannungsbogen. Die Dialoge wirken in Mundart authentisch, werden aber durch die Übersetzung ins Hochdeutsche erneut Angriffsfläche bieten.

Zwiespältig als Figur ist der spirituelle Lehrer der Toten. Dieser ist dem Schweizer Medium Pascal Voggenhuber nachempfunden, und seine Fähigkeiten werden ziemlich unkritisch dargestellt. So kann er den Fahndern einen entscheidenden Tipp geben. Schon vorher nimmt er mit der Toten Kontakt auf und meint, diese wolle den Täter nicht verraten. Damit gibt er dem aufmerksamen Zuschauer allzu früh einen Hinweis, in welche Richtung der Fall laufen wird.

Und Luzern? Wie Tourismuswerbung kommt das Ganze nicht daher. Soll es ja auch nicht. Als Luzern-Affiner erkennt man einige Orte, darüber hinaus werden mehr von ihnen genannt (etwa «Uufschütti») als gezeigt. Der Schauplatz spielt in diesem «Tatort» jedenfalls eine untergeordnete Rolle.

Hinweis

«Tatort – Zwischen zwei Welten».Ostermontag, 20.05 Uhr, SRF 1