Kolumne

U20: Chancengleichheit vor dem Gesetz

Kantischüler Noah Stäuble macht sich Gedanken über Chancengleichheit - und den Unterschied zur Ergebnisgleichheit.

Noah Stäuble
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Noah Stäuble, 16 Jahre, Schüler der Kantonsschule Sursee. (Bild: PD)

Noah Stäuble, 16 Jahre, Schüler der Kantonsschule Sursee. (Bild: PD)

Ich erachte faire Chancengleichheit als eines der zentralen Ziele, damit wir friedlich zusammenleben können. Es wurden in diesem Punkt vom Gesetzgeber viele Schritte getan und wir befinden uns an einem guten, wenn auch nicht idealen, Punkt, was deren Umsetzung anbelangt. Gleichwohl erlebt das Postulat der Chancengleichheit in Teilen der Welt herbe Rückschritte.

Es gibt eine unendliche Vielzahl von Kriterien, nach denen eine Person eingeteilt werden kann und bei welchen bereits unser Gespür, bevor wir auf Regulierungen zurückgreifen, eine allfällige Benachteiligung ausgleichen will. In der Praxis ist das aber nur bis zu einem gewissen Punkt durchführbar, denn: Welche Gegenleistung wird für eine Benachteiligung einer Person aufgebracht? Bis zu welchem Grade ist es richtig, eine Ausgleichsleistung zur Verfügung zu stellen, wenn die Benachteiligung temporär und durch Betroffene lösbar wäre? Und ab wann ist es eine Benachteiligung wert, eine Gegenleistung zu erhalten?

Das Problem, das die letzte Frage aufwirft, könnte nur gelöst werden, indem jede einzelne Person vor dem Gesetz andere Richtlinien zugesprochen bekommt, denn bekanntlich sind alle Individuen in irgendeiner Weise unterschiedlich. Ob eine solche Lösung praktizierbar ist, sei dahingestellt, aber selbst wenn, würde dadurch die Idee, welche jedem Gesetz zugrunde liegt, zerstört: die berühmte Gleichheit vor jeglichem Paragrafen.

Chancengleichheit ist daher keinesfalls mit Ergebnisgleichheit zu verwechseln. Sonst mündeten ja viele Lebenswege schlussendlich in gleichen vorgepressten Formen. Mein Vorschlag: Für unterschiedliche Individuen sollten nur andere Gesetze gelten, wenn dies aufgrund von erheblichen Unterschieden notwendig ist.

Hinweis: In der Kolumne «U 20» äussern sich Schüler der Kanti Sursee zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.