U20-Kolumne
Fremd im eigenen Land

Kantonsschülerin Ella Kathol sinniert über die abgelehnte Begrenzungs-Initiative, die bei ihr dennoch Spuren hinterlassen hat.

Ella Kathol, 18, Schülerin an der Katnonsschule Willisau
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Ella Kathol, 18, Schülerin an der Kantonsschule Willisau

Ella Kathol, 18, Schülerin an der Kantonsschule Willisau

Bild: PD

Im September wurde über die Begrenzungs-Initiative der SVP abgestimmt. Obwohl sie deutlich abgelehnt wurde, schwirrt mir die Thematik der Initiative noch immer im Kopf herum.

Im Gegensatz zu den meisten Schweizer Bürgern betrifft sie mich auf eine andere Weise. Ich selbst besitze keinen Schweizer Pass, obwohl ich in der Schweiz geboren und aufgewachsen bin. Meines Erachtens bin ich gut integriert und meine deutschen Wurzeln erahnt niemand, dem ich begegne. Meine Nationalität ist zwar deutsch, die Schweiz ist jedoch mein Zuhause.

Bisher habe ich die politischen Geschehnisse in der Schweiz nie mit grossem Interesse verfolgt, doch die Begrenzungs-Initiative liess mich aufhorchen. Plötzlich gibt es Momente, in denen ich mir fremd vorkomme – in diesem Land, in dem ich schon immer lebe und welches ich als meine Heimat bezeichne. Mir ist bewusst, dass nicht alle Schweizer der Meinung sind, dass die Zuwanderung eingeschränkt werden müsse, dennoch fühle ich mich seither etwas weniger «willkommen».

Zähle ich etwa auch zu denjenigen, die Schweizern die Jobs wegnehmen? In Diskussionen, die ich bereits mit Leuten geführt habe, fielen schon mehrmals die Sätze «Du besch ned werkli e Usländeri» oder «Bi der esches öppis anders». Aber wo wird denn die Grenze gezogen? Kann man denn mehr oder weniger Ausländer sein? Wenn es also unterschiedliche «Arten» von Ausländern in der Schweiz gibt, welche «Art» ist in der Schweiz willkommen?

Bei mir führte diese Initiative zu viel Unverständnis und dazu, dass ich mein persönliches Nationalitätsgefühl hinterfrage.

Ich bin in der Schweiz zu Hause und obwohl ich niemals wegen meiner Nationalität Ablehnung erfahren habe, fühle ich mich plötzlich weniger zugehörig.

Hinweis: In der Kolumne «U20» äussern sich Kantonsschüler zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.