Kolumne

U20-Kolumne: «Ich bin doch nicht asozial»

Raphaela Felder, Schülerin an der Kantonsschule Sursee, über die Schwierigkeiten, einen Freund zu unterstützen, der sich nicht helfen lässt.

Raphaela Felder
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Raphaela Felder

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Jemandem zu helfen, der sich nicht helfen lässt, ist wie einem Schwein das Singen beizubringen. Sinnlos.

Kürzlich habe ich in einer Studie gelesen, dass Burnouts in der Schweiz immer öfters vorkämen und uns jährlich bereits Milliarden kosteten. Burnouts entstünden unter anderem durch Erschöpfung und Stress. Meiner Meinung nach trägt auch dazu bei, dass jeder bis zum Umfallen arbeitet oder seinen Freunden aus der Patsche helfen will, nur um «sozial» zu sein. Dies beschäftigt mich.

Bei Jugendlichen fallen öfters Aussagen wie: «Sei sozialer» oder «Ich bin eben sozial». In Jugendsprache auch «sei kein Asi!» Wir möchten anderen gefallen und machen uns Sorgen, was sie über uns denken. Dabei vergessen wir oft uns selbst.

Wenn Erschöpfungssymptome auftreten, werden diese oft verharmlost, ignoriert oder gar mit Medikamenten «behandelt». Es ist wie beim Handy. Man flucht und tippt weiter, wenn die Meldung des niedrigen Akkustandes erscheint. Niemand steckt das Ladekabel ein, macht eine Pause und fährt mit vollem Akku fort. Man bleibt dran bis zum schwarzen Bildschirm. Dasselbe tun wir mit uns. Wir möchten nicht als asozial gelten und nehmen stattdessen Probleme in Kauf, die uns dann zur Auszeit zwingen.

Klar, ein Freund wird dir dankbar sein, wenn du ihm unter die Arme greifst, angenommen, er versinkt im Moor. Jedoch bringt es nichts, wenn du gleich hinterherspringst. Reiche ihm erst die Hand, sobald du selbst sicheren Boden unter den Füssen hast. Nur so kannst du ihm aus der miesen Lage helfen.

Jeder kennt den Moment, wenn ein Freund die Hilfe nicht annehmen möchte, obwohl man ihm helfen könnte. Biete ihm Hilfe an. Leiste sie aber erst, wenn er will. Dem Schwein kann man eben das Singen nicht aufzwingen. Lass ihn versuchen, aus dem Moor zu kommen. Schau zu, wie er es schafft oder wie er sich nur noch weiter hineinreitet. Egal, wie schwierig es ist, wie oft du für asozial gehalten wirst.

Beobachte, biete an, aber hilf erst, wenn um Hilfe gebeten wird. Denn deine Gesundheit wird es dir danken.

Hinweis: In der Kolumne «U20» äussern sich Schüler der Kanti Sursee zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.