Kolumne
U20-Kolumne: Vom Vergessen

Rahel Wicki, 15, Schülerin an der Kantonsschule Sursee, macht sich Gedanken über die Vergesslichkeit von Jung und Alt.

Rahel Wicki
Merken
Drucken
Teilen
Rahel Wicki, 15, Schülerin an der Kantonsschule Sursee

Rahel Wicki, 15, Schülerin an der Kantonsschule Sursee

Es ist der Geburtstag meiner Cousine, und die einzige Person, die ich an der Party kenne, ist sie selbst. Bei der Begrüssung nennen die Anwesenden ihre Namen. Obwohl ich mich konzentriere: Nach wenigen Sekunden habe ich vergessen, wie sie alle heissen. Meist frage ich einfach nochmals nach den einzelnen Namen. Jeder versteht meine Vergesslichkeit, da ich meine Gedanken lieber all meinen Hobbys und Pflichten, als den Namen widme.

Wenn meine Oma Namen an einer Feier vergisst, versucht sie, die Personen in den nächsten Stunden so anzusprechen, dass sie deren Namen nicht mehr benutzen muss. Aber warum so kompliziert, wenn sie einfach nur noch einmal nachfragen müsste? Meine Oma macht das, damit sie von der Gesellschaft nicht als vergessliche, alte Dame mit Neigung zur Demenz abgestempelt wird. Doch woher wollen wir wissen, dass meine Oma nicht auch genauso viele Hobbys und Pflichten wie ich hat? Bei so vielen Grosskindern mit all den Geburtstags- und Familienfesten bleibt doch überhaupt keine Zeit, um sich um Namen zu kümmern, welche man nach der Feier sowieso nie mehr brauchen wird. Es gibt doch viele Menschen, denen alltägliche Dinge nicht mehr einfallen, und dann spricht man ja auch nur von Vergesslichkeit und nicht gleich von Demenz.

Wenn Ihren Eltern oder Grosseltern das nächste Mal etwas nicht gerade einfallen sollte, denken sie dran, auch Sie vergessen manchmal Dinge und wahrscheinlich wissen Sie schon nicht mehr, wie meine Kolumne begonnen hat.

Hinweis: In der Kolumne «U20» äussern sich Schüler der Kanti Sursee zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

Mehr zum Thema