Taxifahrer erhalten Konkurrenz: Uber startet in Luzern und verstärkt das Angebot in Zug

Ab sofort kann über die App des Fahrdienstvermittlers Uber eine Fahrt mit einem professionellen Fahrer ab Luzern bestellt werden. Und auch in Zug hat Uber Aktivitäten geplant.

Sandra Peter
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Ein Fahrgast bucht eine Uber-Fahrt via App.

Ein Fahrgast bucht eine Uber-Fahrt via App.

Bild: Rene Ruis/Keystone

Auf der App online nachschauen, wo der nächste Fahrer verfügbar ist, diesen mit einem Klick bestellen und nach der Fahrt die Kosten direkt in der App begleichen: So in etwa spielt sich eine Fahrt mit Uber ab. Mit dem Start in Luzern komme Uber der grossen Nachfrage in Luzern entgegen, so das Unternehmen. Seit Anfang dieses Jahres hätten Nutzerinnen und Nutzer dort rund 60 000 Mal versucht, eine Fahrt über die Uber-App zu bestellen. Gleichzeitig hätten über tausend unabhängige Fahrer versucht, mit der Uber-App Fahrten anzubieten. Seit gestern ist dies nun möglich. Zunächst wird für Luzern die Kategorie UberX angeboten. Ein weiterer Ausbau des Angebotes mit Uber Black oder Uber Comfort sei in Planung. Bei diesen zwei Kategorien handelt es sich um Limousinen-Services.

Wie viele Fahrer genau beim Start in Luzern für Uber unterwegs sind, kann das Unternehmen nicht sagen. Dies ändere sich laufend, da die Fahrer frei entscheiden würden, ob und zu welchem Zeitpunkt sie für Luzern online gehen wollten, sagt Uber-Sprecherin Luisa Elster auf Anfrage unserer Zeitung. «Am Donnerstag waren bis am Nachmittag etwa eine gute Handvoll Fahrer unterwegs, es wurden bereits einige Fahrten gebucht und durchgeführt», so Elster.

«Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen sowohl die Zahl der Fahrer als auch der Nutzer zunimmt.»

Derzeit können sich Kunden im Stadtgebiet von Luzern abholen lassen, das Angebot soll aber in den nächsten Wochen über die Stadtgrenze hinaus ausgeweitet werden. Das Ziel ist bereits jetzt frei wählbar. «Wir haben keine speziellen Auflagen erhalten und im vorgängigen Austausch mit der Stadt und dem Kanton sichergestellt, dass unser Angebot dem regulatorischen Rahmen entspricht», sagt die Sprecherin.

Stadtrat Borgula: Angebot ist «grundsätzlich problematisch»

Anders beurteilen dies Vertreter der Stadt Luzern. Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) hat erst am Mittwoch von den Plänen von Uber erfahren. Zuvor habe es Gespräche gegeben, die aber nicht auf einen sofortigen Auftritt in Luzern hingedeutet hätten. Borgula findet das neue Angebot «grundsätzlich problematisch» und «nicht nötig». Das Angebot im Taxibereich sei heute schon sehr gross. «Die Margen für die professionellen Taxifahrer sind gering, es ist schwierig, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen». Die neue Konkurrenz durch Uber werde diese Situation verschärfen. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltung, erklärt: «Wir verfolgen den Einstieg von Uber kritisch, da es speziell aus arbeitsrechtlicher Sicht mit dem Kanton einige offene, zu klärende Fragen gibt. Das Einhalten der Arbeitszeit- und Ruheverordnung, sowie der Anforderungen für berufliche Personentransporte muss gewährleistet sein.» Uber hat keine Bewilligung der Stadt Luzern, um die öffentlichen Taxistandplätze zu nutzen. «Uber-Fahrer benötigen keinen Standplatz, da sie auf Bestellung fahren», sagt Uber-Sprecherin Elster. Lütolf sagt dazu:

«Uber führt ein alternatives Geschäftsmodell, dessen Angebot keiner städtischen Bewilligungspflicht untersteht.»

Es werde Sache der Polizei sein, das Einhalten des Strassenverkehrgesetzes bezüglich den Anforderungen an gewerbliche Personentransporte zu prüfen. Es gibt nebst Uber auch weitere Apps, mit denen ein Taxi gerufen werden kann. So bietet die Taxi Hess AG Luzern ihre Dienste beispielsweise über «cab4me» an. Von den kontaktierten Luzerner Taxiunternehmen wollte sich am Donnerstag keines zum Uber-Start äussern.

Der Luzerner Gewerkschaftsbund (LGB) positioniert sich jedoch klar. «Solange sich Uber nicht an Schweizer Gesetze hält, ist der Plattform-Konzern in Luzern nicht willkommen», heisst es in deren Mitteilung. Das Geschäftsmodell beruhe auf Lohndumpinig und der Umgehung von Gesetzen, so LGB-Geschäftsleiter Marcel Budmiger. Indem Uber seine Fahrer nicht als Angestellte betrachte, wälze er alles Risiko auf seine Fahrer ab und prelle diese um die ihnen zustehenden Sozialleistungen. «Wir fordern den Kanton auf, dass er auf die Einhaltung der geltenden Gesetze pocht», sagt Gewerkschafter Budmiger. Im Namen der SP-/Juso-Fraktion haben Yannick Gauch und Martin Wyss eine Interpellation an den Stadtrat Luzern eingereicht. Sie wollen unter anderem wissen, ob der Stadtrat eine Möglichkeit sieht, das Unternehmen einzuschränken.

Im Kanton Zug sind Promo-Aktionen geplant

In Zug will Uber den bestehenden Service weiter ausbauen und die Aktivitäten intensivieren. «Wir planen für Fahrer und Fahrgäste spezielle Aktionen, wie etwa Vergünstigungen über Promotion-Codes», sagt Uber-Sprecherin Elster. Für Fahrer wurden finanzielle Anreize geschaffen, damit sie vermehrt in diesem Gebiet Fahrten anbieten.

Auch in anderen Kantonen ist der Umgang mit Uber ein Thema. So hat der Kanton Genf Uber unlängst die Tätigkeit verboten. Das Unternehmen müsse die kantonalen Gesetze und Regeln für Taxis sowie das Obligationenrecht einhalten, entschied der Kanton. Uber erwirkte juristisch eine aufschiebende Wirkung. Man erwartet nun einen Entscheid in den nächsten sechs bis zwölf Monaten.