UBS-PRÄSIDIUM: Villiger-Ernennung: Parteireaktionen gemischt

Die SP hat die Ernennung von alt Bundesrat Kaspar Villiger zum neuen UBS-Präsidenten mit Skepsis aufgenommen. Die Parteipräsdienten von FDP und CVP halten den alt Bundesrat für die richtige Wahl.

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Kaspar Villiger bei einem Interview. (Archivbild Guido Röösli/Neue LZ)

Kaspar Villiger bei einem Interview. (Archivbild Guido Röösli/Neue LZ)

Der 68-Jährige sei zudem kein Mann der Erneuerung und habe etwa bei der Rettung der Swissair nicht souverän agiert. Auch sei die Swiss Re während seiner Zeit als Verwaltungsrat eine aggressive Strategie gefahren, die ins Debakel geführt habe. Andererseits ist Villiger ein Mann mit Verständnis für den Werkplatz Schweiz, wie Levrat sagte. Er müsse die dringend nötige Brücke zwischen Politik sowie Bevölkerung und Wirtschaft bauen. Auf alt Bundesrat Kaspar Villiger komme eine riesige Aufgabe zu. So müsse er muss dafür sorgen, dass Mässigung und solides Geschäften wieder Einkehr hielten bei der UBS. Da kann er gleich bei seinem Lohn ein erstes Signal setzen, forderte der SP-Präsident. In Sachen Bankgeheimnis erwarte die SP, dass Villiger nicht in seinem alten Denkmuster der 80er- und 90er-Jahre verharre.

Kurer auf verlorenem Posten
Laut Levrat braucht es aber dringend einen radikalen Kulturwechsel bei der UBS. Kurer als Mitglied des Ospel-Clans, der nun endlich die Steuerbrücke verlasse, habe diesen nicht herbeiführen wollen oder können. Zudem sei Kurer arg angeschlagen. Es sei wenig glaubhaft, dass der vormalige Chefjurist der UBS nicht gewusst habe, dass diese Bank aktiv Steuerflüchtlinge angeworben habe. Besonders negativ aufgefallen sei, dass Kurer nicht im entferntesten Verständnis dafür habe, dass die Steuerzahlenden Gegenleistungen für ihre Staatshilfe erwarteten und dass er etwa noch am Tag der staatlichen Unterstützungsmassnahmen Boni in zweistelliger Millionenhöhe verteidigt habe.

Grüne reagieren mit Vorbehalten
Die Grünen verfolgen den Wechsel an der Spitze des UBS-Verwaltungsrates mit Skepsis. Kaspar Villiger sei jemand, der aus der Wirtschaft- und Finanzwelt komme, sagte Parteipräsident Ueli Leuenberger am Mittwoch auf Anfrage. Er hoffe, dass sich der alt Bundesrat in den letzten Wochen ein Bild des heutigen Schweizer Finanzplatzes gemacht habe. «Wenn Villiger bereit ist, über das Bankgeheimnis zu diskutieren, werden wir ihn unterstützen. Ansonsten werden wir ihn bekämpfen», erklärte Leuenberger. Den Wechsel von Peter Kurer zu Villiger begrüssen die Grünen aber auf jeden Fall. Mit einem alt Bundesrat lasse sich das angekratzte Image der Grossbank aufpolieren. Der bisherige Verwaltungsratspräsident hätte überdies schon seit einer gewissen Zeit den Hut nehmen sollen, fand Leuenberger: «In einem anderen Land wäre Kurer schon lange hinter Gitter.» Der Präsident der Grünen ist überzeugt, dass der scheidende Verwaltungsratspräsident genau wusste, wie die UBS in den USA handelten.

«Erfahren und gut vernetzt»
Die Parteipräsdienten von FDP und CVP erwarten, dass der designierte neue UBS-Präsidenten Kaspar Villiger dazu beitragen kann, das Vertrauen in die Grossbank wieder herzustellen. Villiger sei sehr verantwortungsbewusst und könne sicher dazu beitragen, in den USA und in der Schweiz die Vertrauenskrise zu überwinden, sagte FDP-Präsident Fulvio Pelli in den Nachrichten von Schweizer Radio DRS. CVP-Präsident Christophe Darbellay bezeichnete die Wahl von Villiger als eine gute Lösung. Villiger habe die notwendige Erfahrung, sei sehr gut vernetzt in der Wirtschaft und der Finanzwelt und habe auch die notwendige Ruhe, diese sehr wichtige Funktion zu übernehmen.

ap