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UDLIGENSWIL: Grünes Trottoir stösst Kanton sauer auf

Aus Sicherheitsgründen liess die Gemeinde Udligenswil ein Trottoir grün einfärben. Das passt dem Kanton nicht – er verlangt nun den Rückbau.
Thomas Heer
Mit der Einfärbung des Trottoirs im Udligenswiler Zentrum hat die Gemeinde den Schulweg für Kinder sicherer gemacht. Im Bild: Manuela Kohli mit Sohn Laurin (6, rechts) und dem Kindergarten-Gspänli Niklas (5). (Bild Pius Amrein)

Mit der Einfärbung des Trottoirs im Udligenswiler Zentrum hat die Gemeinde den Schulweg für Kinder sicherer gemacht. Im Bild: Manuela Kohli mit Sohn Laurin (6, rechts) und dem Kindergarten-Gspänli Niklas (5). (Bild Pius Amrein)

Thomas Heer

Beiden Parteien, sowohl dem Kanton als auch der Gemeinde Udligenswil, ist es ein Anliegen, den Ball in dieser Angelegenheit möglichst flach zu halten. Öffentliche Publizität wird von beiden Seiten keineswegs gesucht, ja sie ist eigentlich sogar unerwünscht. Andreas Heller, Abteilungsleiter bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern (VIF), erklärt: «Dass man bei Sachdiskussionen nicht immer gleicher Meinung ist, liegt in der Natur der Sache. Wir tragen diese aber nicht in der Öffentlichkeit aus.»

Und der Gemeindepräsident der Luzerner Agglomerationsgemeinde, Thomas Rebsamen, will in dieser Angelegenheit ebenfalls möglichst wenig Staub aufwirbeln. Er sagt: «Es ist nicht unsere Absicht, den Konflikt zu suchen. Wir massen uns auch nicht an, klüger zu sein als der Kanton.»

Auf eigene Faust gehandelt

Dass die Angelegenheit trotzdem ins Bewusstsein eines breiteren Publikums rückte, hängt auch mit einem Text zusammen, den der Udligenswiler Gemeinderat Claudio Passafaro in der jüngsten Ausgabe des «Uedliger» publizierte. Im Editorial jenes Magazins, das monatlich an sämtliche Haushalte der Gemeinde versandt wird, widmet sich Passafaro in knapp 60 Zeilen einem interessanten Thema, einem Akt der Auflehnung gegenüber der Obrigkeit. Passafaro, als Finanzvorsteher auch für die Sicherheit in der Gemeinde zuständig, hält zum Beispiel folgendes fest: «So beschloss der Gemeinderat eines schönen Tages, seine Verantwortung wahrzunehmen und das Trottoir auf eigene Faust einfärben zu lassen.»

Zur Erinnerung: Bereits Ende August 2014 publizierte die «Zentralschweiz am Sonntag» einen Artikel zur Verkehrssicherheit in Udligenswil. Thematisiert wurde damals jene Situation im Zentrum von Udligenswil, wo die Dorf- und Kellermattstrasse sowie die Schlössligasse unmittelbar oder gar direkt in die Küssnachterstrasse münden.

Sehr ungünstig an dieser Konstellation ist, dass das Trottoir entlang letztgenannter Strasse auch als Fussgängerstreifen dient. Das ist für Motorfahrzeuglenker aber kaum zu erkennen. Daher warf die Udligenswilerin Manuela Kohli, Mutter von zwei kleinen Kindern, vor gut einem Jahr die Frage auf: «Muss hier zuerst ein Unfall passieren, bis etwas geändert wird?» Gemeindeammann Marco Zgraggen erklärte vor rund 14 Monaten: «Zusammen mit dem Kanton müssen wir die Situation verbessern. Es braucht mehr Sicherheit.»

Frist ist schon längst verstrichen

Gemäss Passafaros Ausführungen im «Uedliger» hat der Kanton in Sachen Erhöhung der Verkehrssicherheit im Gemeindezentrum seit Sommer 2014 aber keine grossen Stricke zerrissen. So schreibt er: «Juristisch sei alles klar, beschied uns die zuständige Dienststelle. Fussgänger haben auf dem Trottoir Vortritt. Immerhin hat man uns die Bemalung mit zwei ‹Männli› zugestanden, das sei ausreichend.» Mit den zwei «Männli» meint Passafaro Piktogramme, die eine marschierende Person symbolisieren. Diese Massnahme hielt ein grosser Teil der Udligenswiler Bevölkerung aber für unzureichend. Immer wieder erhielten die Behörden Anrufe besorgter Bürger. In Eigenregie beauftragte der Gemeinderat deshalb eine auf die Gestaltung von Verkehrsflächen spezialisierte Firma. Der Auftrag aus Udligenswil lautete: das Trottoir, das auch als Fussgängerstreifen dient, grün einzufärben.

Der Gemeinderat ging davon aus, dass es seitens des Kantons nichts gegen die neue Strassensignalisation einzuwenden gibt. Dies auch, weil das VIF gemäss Rebsamen keine andere Lösung vorgeschlagen hatte.

Strassensignalisationen sind an dieser Stelle aber eigentlich Sache des Kantons. Zur Überraschung der Gemeinde wurde Udligenswil aufgefordert, die Farbe bis am 30. Oktober zu entfernen. Und zwar ohne dass der Strassenbelag dabei beschädigt wird. Die Frist ist längst verstrichen – der grüne Streifen besteht aber immer noch. Ob und was der Kanton nun unternimmt, ist unklar. Die Verantwortlichen möchten sich dazu nicht äussern. Man darf also gespannt sein, was als nächstes folgt.

Manuela Kohli jedenfalls findet die Verkehrssituation im Vergleich zu früher viel besser. Sie sagt: «Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Für sämtliche Verkehrsteilnehmer ist das Ganze besser einzuschätzen, und das schafft mehr Sicherheit.»

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