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Über 3 Millionen Gäste: Grossansturm auf die Zentralschweizer Berge

Die Gipfel sind unter Druck: Seit 2009 ist die Zahl der Gäste auf Titlis, Rigi, Pilatus und Stanserhorn um total 60 Prozent gestiegen.
Christian Glaus

Über 900'000 Gäste im bisher besten Jahr – und es könnten noch mehr werden. Die Rigi-Bahnen stehen für den geplanten Ausbau der Luftseilbahn Weggis-Kaltbad mit einer Kapazitätserweiterung in der Kritik. Eine Obergrenze will Interims-CEO Marcel Waldis jedoch nicht einführen, weil eine solche nicht umsetzbar sei (siehe Link unten). Diese Aussage dürfte die ohnehin emotionalen Diskussionen um einen erträglichen Tourismus auf dem Berg anheizen.

Doch nicht nur die Rigi-Bahnen ziehen immer mehr Gäste an. Die für den Tourismus wichtigsten vier Gipfel in unserer Region haben in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Ansturm erlebt. Während im Jahr 2009 noch rund 2 Millionen Ausflügler auf Titlis, Rigi, Pilatus und Stanserhorn reisten, waren es im vergangenen Jahr bereits 3,2 Millionen – ein Plus von 58 Prozent.

Die meisten Gäste zieht es dabei auf den Titlis. Rund 1,24 Millionen Gäste wurden im Geschäftsjahr 2017/18 auf dem Berg gezählt, 35 Prozent mehr als 2009. Die Zahlen für das laufende Geschäftsjahr, das Ende Oktober endet, liegen noch nicht vor. Marketingleiter Peter Reinle rechnet mit einem Ergebnis «knapp auf Vorjahresniveau».

Titlis: Anteil der Gruppen steigt, jener der Wintersportler sinkt

1,24 Millionen Gäste fuhren im letzten Geschäftsjahr mit den Titlis-Bahnen. Gruppenreisende machen inzwischen knapp 42 Prozent aller Gäste aus. Das Unternehmen sieht Potenzial für 10 Prozent mehr Gäste. (Bild: Nadia Schärli, 27. Juli 2019)

1,24 Millionen Gäste fuhren im letzten Geschäftsjahr mit den Titlis-Bahnen. Gruppenreisende machen inzwischen knapp 42 Prozent aller Gäste aus. Das Unternehmen sieht Potenzial für 10 Prozent mehr Gäste. (Bild: Nadia Schärli, 27. Juli 2019)

Stark verändert hat sich das Gästesegment auf dem 3238 Meter hohen Berg. Im Geschäftsjahr 2009/10 waren fast 47 Prozent aller Gäste Wintersportler. Erst rund 31 Prozent waren Gruppenreisende, die restlichen 21 Prozent waren Individualtouristen (davon etwa die Hälfte aus der Schweiz). Inzwischen machen Gruppenreisende knapp 42 Prozent aus, der Anteil der Wintersportler ist bei fast gleichbleibender Anzahl auf ein Drittel gesunken. 25 Prozent der Gäste reisten individuell auf den Titlis. «Uns freut vor allem die Entwicklung bei den Individualtouristen», sagt Reinle. Die Erfahrung zeige, dass Gäste aus neuen Märkten anfangs vor allem in Gruppen anreisen. «Wenn sie später nochmals kommen, dann meist als Einzelreisende.» Diese Entwicklung habe man bei den Indern beobachtet, die in den 1990er-Jahren die Schweiz als Reiseziel entdeckten. Dieselbe Entwicklung stelle man nun bei koreanischen oder chinesischen Touristen fest.

Wie die Rigi-Bahnen rechnen auch die Verantwortlichen beim Titlis mit einem weiteren Wachstum. Der Ausbau der Bergstation auf dem Gipfel soll laut den Prognosen 10 Prozent mehr Gäste bringen – ohne dass die Kapazitäten der Bahnen erhöht werden. Das entspräche ungefähr 1,35 Millionen Touristen, die jährlich auf den Berg fahren. Wie wollen die Titlis-Bahnen da ähnliche Kritik wie bei der Rigi bezüglich «Overtourism» vermeiden? Reinle bestätigt zwar, es bestehe eine gewisse Gefahr, dass dieselbe Diskussion am Titlis beginnt. Er betont aber: «Im Gegensatz zur Rigi haben wir keine Bewohner, die hier ihre heile Oase suchen. Wir gehen davon aus, dass ein Wachstum um 10 Prozent erträglich ist.»

Zudem soll ein grosser Teil des Wachstums im November erfolgen. Bis jetzt steht die Bahn im November wegen der Revision zwei bis drei Wochen still. Mit einer zweiten Bahn ist der Titlis-Gletscher an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Somit würden sich die Gäste besser über das ganze Jahr verteilen, was heute nicht der Fall sei. «Der schwierigste Monat ist der Mai, wenn Skifahrer und Touristen gleichermassen ins Titlis-Gebiet wollen.» Laut Reinle können die Titlis-Bahnen im Sommer rund 5000 Gäste pro Tag bewältigen, im Winter rund 9000. Grundsätzlich klappe das gut, aber: «An fünf bis zehn Tagen pro Jahr haben wir zu viele Gäste, dazu darf man stehen.»

Pilatus: An schönen Sommertagen wird’s eng

Immer beliebter: eine Fahrt auf den Pilatus. Die Gästezahlen sind seit 2009 um 54 Prozent gestiegen. An schönen Sommertagen gelangen die Pilatus-Bahnen an ihre Grenzen. (Bild: Pius Amrein, 4. September 2019)

Immer beliebter: eine Fahrt auf den Pilatus. Die Gästezahlen sind seit 2009 um 54 Prozent gestiegen. An schönen Sommertagen gelangen die Pilatus-Bahnen an ihre Grenzen. (Bild: Pius Amrein, 4. September 2019)

Ihre Kapazitätsgrenzen fast erreicht haben die Pilatus-Bahnen. Sie transportierten im vergangenen Jahr knapp 830000 Personen. Im Vergleich zu 2009 ein Plus von 54 Prozent. «An schönen Sommertagen können wir nicht noch mehr Gäste transportieren als heute», sagt CEO Godi Koch. Die Kapazität der Bahnen und der Infrastruktur auf dem Berg sei vorgegeben und lasse sich kaum noch erweitern. Luft nach oben sieht Koch im Winter. «Der Schweizer geht im Winter nicht unbedingt auf den Berg, wenn er nicht Skifahren geht», sagt Koch.

Die Schweizer zählen für die Pilatus-Bahnen zu den wichtigsten Gästen, auch wenn sich deren Anteil leicht reduziert hat. Machten die Schweizer vor zehn Jahren etwa 60 Prozent aus, sind es nun etwa 50 Prozent. Die restlichen 50 Prozent entfallen je zur Hälfte auf Gruppen und Individualreisende aus aller Welt. Koch: «Den Gruppentourismus könnten wir noch weiter pushen, wenn wir wollten. Es entspricht aber unserer Strategie, dass der Heimmarkt der wichtigste ist. Das soll so bleiben.» Die Reisegruppen seien «wie eine Lebensversicherung, weil sie auch bei weniger schönem Wetter kommen». Sie sorgen für eine gute Grundauslastung.

Die Schweizer sind wählerischer, was dazu führt, dass die Bahn bei kurzen Schönwetterphasen fast überrannt wird. «Spitzentage können wir nur dank Schweizer Gästen verzeichnen», sagt Koch. Die Schattenseite: Dann bilden sich bei der Talstation jeweils lange Schlangen. Hierfür stellt Godi Koch eine Verbesserung in Aussicht: «Voraussichtlich ab nächstem Frühling wird es möglich sein, das Ticket für die Bahn online zu kaufen.» Längerfristig soll es auch möglich sein, mit einem SBB-Ticket auf den Pilatus zu fahren.

Stanserhorn: Wachstum dank längerer Saison

Seit der Inbetriebnahme der Cabrio-Bahn sind die Gästezahlen am Stanserhorn markant gestiegen. Das Unternehmen sieht nur noch wenig Wachstumspotenzial – etwa mit längeren Betriebszeiten. (Bild: Pius Amrein, 27. Juli 2018)

Seit der Inbetriebnahme der Cabrio-Bahn sind die Gästezahlen am Stanserhorn markant gestiegen. Das Unternehmen sieht nur noch wenig Wachstumspotenzial – etwa mit längeren Betriebszeiten. (Bild: Pius Amrein, 27. Juli 2018)

Ebenfalls an seine Grenzen stösst das Stanserhorn, das seit der Inbetriebnahme der Cabrio-Bahn 2012 einen Boom erlebt. Lagen die Besucherzahlen 2009 noch bei gut 108 000, waren es im letzten Jahr 212 872 – fast doppelt so viele. Im laufenden Jahr dürfte die 200 000er-Grenze wegen des spät einsetzenden Frühlings unterschritten werden. Begrenzend wirkt sich die alte Standseilbahn aus, die alle zehn Minuten 39 Gäste transportieren kann. Ein weiteres Wachstum der Gästezahlen ist laut Direktor Jürg Balsiger fast nur noch mit einer Verlängerung der Saison oder der Betriebszeiten möglich. Die Bahn fährt pro Jahr an zirka 220 Tagen, nächstes Jahr wird die Saison um zwei Wochen bis Ende November verlängert. «In erster Linie möchten wir qualitativ wachsen», sagt Balsiger. «Können wir aber die Randzeiten noch besser auslasten, ist ein gesundes Wachstum möglich.»

Das Stanserhorn fokussiert sich auf Gäste aus der Schweiz. Deren Anteil liegt bei 85 Prozent, ausländische Gruppen machen 15 Prozent aus. «Wir möchten noch mehr auf dem Schweizer Markt wachsen», sagt Balsiger. Um das zu erreichen, ist das Stanserhorn offenbar auch bereit, auf ausländische Gruppen zu verzichten, die eigentlich in Scharen bereitstehen würden. Vor vier Jahren hat das Unternehmen entschieden, den asiatischen Markt nicht mehr weiter zu bearbeiten. Und das, obwohl dieser zuvor aufwendig aufgebaut und gepflegt wurde. «Auf dem ausländischen Markt bemühen wir uns um Gäste aus englischsprachigen Ländern», sagt nun Balsiger. Diese würden besser zu den Schweizern passen, als Asiaten. «Unser Ziel ist es, dass der Gast mehrmals kommt.»

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