ÜBER DIE SCHWEIZ: Emil lobt Schweizer Perfektion

Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger bewundert herausragende Leistungen, für die sein Land berühmt ist.

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Emil, eigentlich bei einer Lesung, auf der Luzerner Kleintheaterbühne. Bild Chris Iseli/ Neue LZ

Emil, eigentlich bei einer Lesung, auf der Luzerner Kleintheaterbühne. Bild Chris Iseli/ Neue LZ

«Es gibt überraschend kleine Firmen in kleinen Tälern, die beeindrucken mich, weil sie in aller Ruhe Perfektion abliefern. Um etwas Besonderes erarbeiten zu können, braucht man Ruhe», sagte der 75-Jährige in einem Interview der «Frankfurter Rundschau» vom Freitag.

Die Schweiz wird nach Ansicht Steinbergers oft verkannt, wenn es um grosse Namen geht. «Es gibt gute Schweizer, die niemand mit der Schweiz in Verbindung bringt. Den Künstler Giacometti halten alle für einen Italiener. Der Architekt Le Corbusier und der Filmemacher Godard, sagen alle, seien Franzosen, und Madame Tussaud wird für eine Engländerin gehalten. Aber nein, das sind alles Schweizer», sagte er.

Nach seiner Beobachtung hat die Schweiz bald eine fünfte Landessprache, nämlich Englisch. «Da denke ich oft an die armen Studenten, die beschäftigen sich fünf oder zehn Jahre in der französischen Schweiz mit der deutschen Sprache, die lernen die Sprache gründlich. Aber dann steigen sie in Lausanne in den Zug, steigen in Bern wieder aus, das sind 90 Kilometer, und verstehen kein Wort, weil in Bern Dialekt gesprochen wird.

«Das ist frustrierend», sagte Emil Steinberger. «Im Bankensektor wird sowieso nur noch Englisch gesprochen, aber wenn sich Geschäftsleute aus Genf und Zürich treffen, können sie sich oft nicht einigen, ob sie Deutsch oder Französisch miteinander sprechen sollen. Dann einigt man sich auf Englisch.»

Steinberger kam in Luzern zur Welt und lebt zur Zeit mit seiner Ehefrau am Genfer See. Er wurde Postbeamter, gab aber seiner Lust am Kabarett immer mehr nach und liess sich zum Grafiker ausbilden. Seit 1987 tritt er nicht mehr als Komiker Emil auf. Er erdachte und produzierte Werbespots für Kaffee, Pfefferminzbonbons, Matratzen und Mineralwasser. Danach lebte er sechs Jahre in New York. Dort verliebte er sich in eine Deutsche mit dem ungewöhnlichen Namen Niccel, die sich beruflich mit dem Lachen beschäftigte, und heiratete sie 1999.

ap