Überfall auf «Frohsinn» in Küssnacht: 20-jähriger Räuber verurteilt

Das Strafgericht Schwyz spricht für einen Schweizer bedingte Strafen aus. Weil er die Einladung zur Verhandlung angeblich nicht erhalten hat, musste für seine Teilnahme gar die Polizei eingeschaltet werden.

Ruggero Vercellone
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Der Schweizer, der gestern vor dem Strafgericht stand, ist arbeitslos und lebt von der Sozialhilfe. Täglich konsumiere er seinen Joint, sagte er dem Strafgericht. Er sei auf Arbeitssuche und möchte eine Lehre als Logistiker absolvieren, bekomme aber immer wieder Absagen. Weil er angeblich das Aufgebot nicht erhalten habe, musste er gestern polizeilich der Gerichtsverhandlung zugeführt werden.

Im Juni 2019 hatte der damals 19-Jährige zusammen mit einem jugendlichen Mittäter das Restaurant Frohsinn in Küssnacht überfallen:

Foto: Edith Meyer/Bote der Urschweiz

Mit Kapuze und Gesichtsmaske maskiert, forderten sie am Restaurant-Buffet von der Serviceangestellten die Herausgabe deren Serviceportemonnaies. Dabei sagte der Beschuldigte der Angestellten laut Anklage, sie hätten eine Waffe dabei. Da die Bedrohte sich wehrte und eine andere Person mit einer Flasche in der Hand hinzukam, flüchteten die beiden ohne Beute.

Weitere Delikte teilweise zugegeben

Diesen versuchten Raub gab der Beschuldigte gestern zu. Er will aber nicht gesagt haben, dass er eine Waffe bei sich trage. Ebenso zeigte sich der Schweizer geständig bei weiteren Anklagepunkten. So gab der Mann zu, im Februar 2019 im Rausch in Küssnacht ein Absperrband der Polizei überschritten zu haben und den Polizisten, der ihn wegführte, angepöbelt zu haben.

Er gestand auch, in Küssnacht ein abgestelltes Motorfahrrad samt Helm geklaut und es danach mit schwarzer Farbe aus einer Spraydose umgespritzt zu haben. Den ihm vorgeworfenen Diebstahl eines zweiten Motorfahrrades bestritt er jedoch. Unbestritten blieben auch zwei Sprayereien. Von sechs weiteren Sprayereien, die im gleichen Stil und Schriftzug an weiteren Gebäuden gemacht worden waren, wollte er nichts wissen.

Probezeit wegen neuer Delikte verlängert

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken – beide Strafen seien bedingt auf zwei Jahre auszusprechen. Zudem sei der Beschuldigte wegen Drogenkonsums und Übertretungen gegen das Strassenverkehrsgesetz mit einer unbedingten Busse von 400 Franken zu bestrafen.

Er wolle künftig «keinen Scheiss mehr machen», sagte der Beschuldigte vor Gericht. Sein Verteidiger führte die Taten denn auch «auf jugendlichen Leichtsinn» zurück. Er plädierte für eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten sowie eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Franken (beides bedingt ausgesprochen) und eine Busse von 200 Franken.

Das Strafgericht sprach den jungen Mann im Sinne der Anklage gestern in allen Anklagepunkten für schuldig. Es verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten, zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer unbedingten Busse von 400 Franken.

Da gegen den Schweizer in der Zwischenzeit schon wieder zwei Verfahren wegen Diebstahls und Zechprellerei hängig sind, verlängerte das Gericht die Probezeit um ein Jahr auf drei Jahre.

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