Überraschung in Ebikon: Gemeinderat Ruedi Mazenauer verzichtet auf zweiten Wahlgang

Obwohl er Ende März die Wiederwahl nur um 23 Stimmen verpasst hat, tritt der FDP-Sozialvorsteher im zweiten Wahlgang nicht mehr an – sein Geschäft brauche ihn wegen der Coronakrise.

Roman Hodel
Drucken
Teilen
Noch-Gemeinderat Ruedi Mazenauer vor dem «Löwen», den er mit seiner Firma zwischennutzt.

Noch-Gemeinderat Ruedi Mazenauer vor dem «Löwen», den er mit seiner Firma zwischennutzt. 

(Bild: Nadia Schärli, Ebikon 17. Dezember 2018)

Damit haben wohl die wenigstens gerechnet: Der amtierende Ebikoner Sozialvorsteher Ruedi Mazenauer (FDP) tritt nicht zum zweiten Wahlgang am 28. Juni an. «Nach reiflichen Überlegungen und intensiven Diskussionen mit meiner Partei bin ich zum Schluss gekommen, dass ich nicht mehr als Kandidat zur Verfügung stehe», schreibt er in einem E-Mail, das er am Dienstagabend seinen Gemeinderatskollegen geschickt hat und das unserer Zeitung vorliegt. Der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen. «Gerne hätte ich mich während einer weiteren Amtsperiode in den Dienst der Gemeinde gestellt und mich für die sozialen und gesellschaftlichen Anliegen der Einwohnerinnen und Einwohnern eingesetzt», schreibt Mazenauer weiter.

Der Entscheid kommt auch deshalb überraschend, weil Mazenauer Ende März zwar als einziger der fünf amtierenden Gemeinderäte nicht im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde, das absolute Mehr mit 1207 Stimmen aber bloss um 23 verpasst hat (wir berichteten). Mit Blick auf seine erst zweijährige Gemeinderatskarriere sprach er am Mittwochabend auf Anfrage von einem «respektablen Resultat» und einem «Vertrauensbeweis» der Wähler.

Mazenauer betont, er habe seiner Partei schon eine Woche vor dem ersten Wahlgang mitgeteilt, dass er bei einer Nichtwahl auf eine erneute Kandidatur verzichten werde. Als Grund nennt er die Coronakrise, die seinem Geschäft Dein Büro GmbH – einem Dienstleister für Administration und Treuhand – massiv zusetzt. Mazenauer:

«Die Arbeit schwindet, weil viele meiner Kunden aus dem Tourismusbereich stammen – ich musste bereits drei meiner neun Mitarbeitenden entlassen.»

Er geht davon aus, dass sich die Situation erst 2021 wieder bessern wird. «Deshalb muss ich meine noch junge Firma umstellen», sagt er und fügt an: «Der Kapitän muss wieder aufs Schiff.» Dies lasse sich jedoch nicht mit einem Gemeinderatspensum vereinbaren, das offiziell 40 Prozent betrage – in Wahrheit aber mehr. Er sagt:

«Die Gemeinde verdient einen Politiker, der sich voll auf die herausfordernde Zeit einlassen kann.»

Sein Verzicht dürfte vor allem die FDP vor ein Problem stellen: Kann sie für den zweiten Wahlgang noch einen neuen Kandidaten portieren, um ihren einzigen Sitz in der Exekutive zu retten? Die Partei dürfte heute die anderen Parteien über das weitere Vorgehen informieren.

Klar ist: Die SP hat nun grosse Chancen, am 28. Juni den 2016 verloren gegangenen Gemeinderatssitz zurückzuholen. Ihre Kandidatin Marianne Wimmer-Lötscher erzielte im ersten Wahlgang 1056 Stimmen. Als Leiterin des gemeindeeigenen Zentrums Höchweid wäre sie zudem prädestiniert fürs Ressort Gesellschaft und Soziales – sie würde einfach die Seite wechseln. Denn dem Gemeinderat ist das Alters- und Pflegeheim unterstellt. Gegenüber unserer Zeitung sagte Wimmer Ende März, dass sie «hoffnungsvoll in den zweiten Wahlgang starten würde». Gut möglich ist, dass Wimmer sogar still gewählt wird. Dies falls die FDP keine neue Kandidatur bringen sollte. Denn GLP-Kandidatin Heidi Koch sagte bereits nach dem ersten Wahlgang, dass sie aufgrund ihres Resultats kaum nochmals antreten werde.

Mehr zum Thema