Ueli-Hof-Bio-Metzgerei stellt eine schwangere Frau ein – und wird in den sozialen Medien dafür gefeiert

Die Ueli-Hof Bio-Metzgerei in Ebikon hat eine hochschwangere Frau angestellt. Dies sorgt für Furore.

Pascal Studer
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Fast 7000 Likes und rund 400'000 Klicks: Der Social-Media-Beitrag von Gabrielle Rütti auf der Plattform Linkedin stiess auf reges Interesse.  Inhalt des Beitrags war, dass Rütti von der Ueli-Hof Bio-Metzgerei in Ebikon eingestellt wurde. So weit, so unspektakulär. Bemerkenswert dabei ist vielmehr, dass Rütti beim Vorstellungsgespräch in ihrem fünften Schwangerschaftsmonat war. Sie ging «mit einer offensichtlichen Kugel» an das Vorstellungsgespräch, schrieb sie im Beitrag unter anderem.

Eingestellt wurde Rütti trotzdem. «Weil sie uns im Vorstellungsgespräch überzeugt hatte», sagte Geschäftsführer Martin Schmitz. Sie habe eine spürbare Begeisterung für die neu geschaffene Kaderstelle im Marketing gezeigt sowie die nötige berufliche Ausbildung und die entsprechende Berufserfahrung mitgebracht. Auch wenn die Bio-Metzgerei natürlich froh gewesen wäre, wenn Rütti ihre Mitarbeitende ohne Unterbruch hätte unterstützen können, spielte die Schwangerschaft bei der Stellenvergabe keine Rolle. Schmitz sagt: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.» Auch Rütti gibt sich unkompliziert: «Ich habe meinen derzeitigen Arbeitgeber im Voraus über meine Schwangerschaft informiert. Ehrlichkeit ist für beide Seiten wichtig, Lügen eine schlechte Basis.» 

Auch Zentralplus hat vergangene Woche darüber berichtet.

Gabrielle Rütti.

Gabrielle Rütti.

Bild: PD

Frauen werden diskriminiert

Dennoch zeigt die grosse Resonanz der geschilderten Geschichte: Die Diskriminierung von schwangeren oder jungen Frauen in Rekrutierungsprozessen ist ein gesellschaftliches Thema. Auch wenn diese rechtlich eigentlich klar verboten ist. Die Rechtsgleichheit zwischen Mann und Frau ist in der Bundesverfassung verankert, die entsprechenden Regelungen im Gleichstellungsgesetz ausgeführt. Dieses gilt bundesweit.

Ein Blick in die Rechtsprechung lässt jedoch Schlüsse zu, dass Frauen trotzdem noch immer regelmässig aufgrund einer derzeitigen oder sogar nur potenziellen Schwangerschaft diskriminiert werden. So wurde beispielsweise im Kanton Zürich eine Frau nicht mehr zum zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen, weil das Risiko zu gross sei, dass sie schwanger wird. Die Frau erhielt von der Schlichtungsbehörde recht und erzielte einen Vergleich. Das Urteil ist rechtskräftig.

Aber auch Schwangere oder frisch gewordene Mütter werden teilweise diskriminiert. Dies bestätigt Iris Glockengiesser, Abteilungsleiterin Behinderung und Diversität der Dienststelle Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern. Sie sagt:

«In der Rechtsprechung gibt es Fälle von Diskriminierungen aufgrund von Schwangerschaft oder Mutterschaft.»

Gemäss einer Studie des Bundes geschehen diese vor allem nach der Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub. Am meisten handelt es sich bei der Art der Benachteiligung um die Entlöhnung, auch diskriminierende Kündigungen kommen gemäss Studie häufig vor.

Für Unternehmen sind Qualifikationen zentral

Auch das Luzerner Kantonsspital (Luks) hat bereits schwangere Frauen eingestellt. Dies bestätigt HR-Leiterin Barbara Flubacher. Sie sagt ausserdem: «Bei der Vergabe von Stellen am Luzerner Kantonsspital ist das wichtigste Kriterium, dass die nötigen Qualifikationen vorhanden sind.» Weder Geschlecht noch Alter spielten bei der Rekrutierung eine Rolle. Allgemein arbeiten beim Luks überdurchschnittlich viele Frauen. Rund 3 von 4 Mitarbeitende sind weiblichen Geschlechts, etwas weniger als die Hälfte davon sind nicht älter als 35 Jahre.

Auch bei der Pädagogische Hochschule (PH) Luzern und dem Aufzug-Hersteller Schindler aus Ebikon spielt das Geschlecht und eine allfällige Schwangerschaft bei den Bewerbungsprozessen keine Rolle. Dies schreiben beide Unternehmen auf Anfrage. Exemplarisch sagt Marco von Ah, Leiter Kommunikation und Marketing der PH Luzern: «Wir orientieren uns bei Anstellungen sehr klar an den Kriterien, die in den jeweiligen Stellenausschreibungen aufgelistet sind.» Die PH Luzern hat wie das Luks bereits schwangere Frauen eingestellt.

Die Ueli-Hof Bio-Metzgerei in Ebikon. Im Bild ist der Geschäftsführer Martin Schmitz.

Die Ueli-Hof Bio-Metzgerei in Ebikon. Im Bild ist der Geschäftsführer Martin Schmitz.

Bild: Nadia Schärli, Ebikon,
10. Februar 2020

Zurück bei der Ueli-Hof Bio-Metzgerei. Das Arbeitsklima zwischen Gabrielle Rütti und ihrem Arbeitgeber scheint zu stimmen. Sie sagt: «Ich bin wirklich sehr motiviert, fühle mich hier respektiert. Zudem weiss ich: Ich habe den Job wegen meinen Qualitäten erhalten.» Allgemein ratet sie jungen Frauen oder werdenden Müttern, nichts zu verheimlichen. Klar gäbe es Fälle, bei denen eine mögliche oder vorherrschende Schwangerschaft zur unüberwindbaren Hürde für eine Einstellung werde. Rütti ist aber überzeugt:

«Dann ist es auch nicht der richtige Arbeitgeber.»
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