UFHUSEN: Hier lagert noch immer schwarzes Gold

Das grösste Kohlebergwerk der Schweiz stand im Zweiten Weltkrieg in Ufhusen. Nun bringt Albert Wüest Licht in die dunkle Geschichte.

Ernesto Piazza
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Albert Wüest (82) mit Kohlestücken aus dem Abbau- gebiet Engelprächtigen in der Gemeinde Ufhusen. (Bild Pius Amrein)

Albert Wüest (82) mit Kohlestücken aus dem Abbau- gebiet Engelprächtigen in der Gemeinde Ufhusen. (Bild Pius Amrein)

Auf Ufhuser Boden stand das grösste Kohlebergwerk der Schweiz: Von 1941 bis 1946 wurden im Gemeindegebiet Engelprächtigen rund 230 000 Tonnen Braunkohle gefördert. In Spitzenzeiten beschäftigte die Kohleunion Geldner AG, Basel, im Tagbau bis zu 300 Arbeiter. Damit stellte das Unternehmen einerseits sicher, dass der Schweizer Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg genügend Heizmaterialersatz zur Verfügung stand. Andererseits kam diesem Industriezweig eine grosse wirtschaftliche Bedeutung zu. Der Ufhuser Albert Wüest hat in akribischer Kleinarbeit den Erinnerungen an eine schwierige Zeit Leben eingehaucht.

Qualm rund um die Uhr

Noch gut erinnere er sich an das Pfeifen der Lokomotiven, sagt der heute 82-Jährige. Unermüdlich nahmen die Zugkompositionen die 1000 Meter lange Wegstrecke auf dem Kohlenfahrgleis unter die Räder. Immer wieder rollten Kippwagons die nasse Braunkohle von der Abbaustelle bis zur 800 000 Franken teuren Trocknungsanlage beim Bahnhof Hüswil. Nach wie vor präsent sind Albert Wüest das Silo und die drei Trocknungstürme, welche rund um die Uhr qualmten wie industrielle Kaminschlote. Während des einjährigen Besuchs der Sekundarschule in Zell faszinierten ihn diese Begegnungen genauso, wie ihn die Kriegsgeschehnisse des damaligen Zweiten Weltkrieges täglich prägten.

Importierte die Schweiz vor Kriegsausbruch noch 100 Prozent des Heizmaterials Steinkohle, musste dieser Bedarf in der Zeit von 1941 bis 1946 teilweise mit eigener Braunkohle gedeckt werden. Und dies notabene mit einem Material, das nur gerade über 50 Prozent des Steinkohle-Heizwertes verfügte.

Unterstützung aus Bern

Der Initiative von drei Zeller Bürgern ist es zu verdanken, dass das Braunkohlebergwerk in Ufhusen überhaupt entstand. Der eine dieser drei Herren hiess Albert Wüest-Huber und war nicht nur Gemeindeschreiber von Zell, sondern auch Albert Wüests Götti. Diese Begebenheit bildete vor 15 Jahren die Initialzündung für das Interesse des Ufhuser Ehrenbürgers am damaligen Betrieb im Gebiet Engelprächtigen. Als die Erben des verstorbenen Albert ­Wüest-Huber den 82-Jährigen wegen der Verwendung der Unterlagen anfragten, war für ihn schnell klar: «Dieses Material gehört ins Staatsarchiv.» Doch mittlerweile durchstöberte er die Unterlagen nicht nur, sie wurden von ihm mit viel Liebe zum Detail aufgearbeitet. Unterstützung holte er sich zudem bei vielen Staatsarchiven und dem Bundesarchiv in Bern. Auch in alten Lieferungs- und Kassenbüchern oder in Geschäftsprotokollen des Braunkohlewerkes Zell AG wurde er fündig. So weiss er heute, dass beispielsweise die Firma Geltner AG, Basel, eine Million Franken in den Betrieb der Anlage investierte und nochmals dieselbe Summe in die Trocknungsanlage steckte.

Zu einem florierenden Geschäft – obwohl die Firma die Braunkohle in der ganzen Schweiz vertrieb – entwicktelte sich das Ganze allerdings nicht. Nach fünf Jahren sei das Unternehmen mit einer schwarzen Null dagestanden, weiss Albert Wüest. Was für diese Zeit viel wichtiger war: «Der Betrieb hat mitgeholfen, die Schweizer Industrie während einer schwierigen Zeit über die Runden zu bringen», sagt er. Das Unternehmen war ein wichtiger Teil der nationalen Wirtschaft, welche Menschen ein Ein- und Auskommen garantierte.

Sieben Arbeiter fanden den Tod

Am Ende des Zweiten Weltkriegs – als die Landesgrenzen wieder öffneten – versank der Braunkohleabbau in Ufhusen schnell in der Bedeutungslosigkeit. Was mit einem Fund im Rahmen des Gleisbaus bei der nahegelegenen Bahnstation Gondiswil begonnen hatte, fand ein jähes Ende. Noch befänden sich rund 100 000 Kubikmeter Braunkohle im ehemaligen Abbaugebiet, erklärt Albert Wüest zwar. Doch diese Menge sei bedeutungslos. Längst sind die rund 60 000 Quadratmeter der ehemaligen Abbaustelle wieder zugedeckt, ausplaniert und stehen der Landwirtschaft zur Verfügung.

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit mit Bagger, Kohlenwagen, Schaufel und Pickel. Aber auch die 23 000 Wagen – welche von Hüswil aus die übrige Schweiz jeweils mit einer 10 Tonnen umfassenden Braunkohleladung belieferten – bleiben in seinem Gedächtnis haften. Genauso wie das grösste Bergbauunglück der Schweiz: Am 21. Dezember 1942 fanden in Ufhusen sieben Arbeiter den Tod.

Hinweis

Am Sonntag, 6. Oktober, um 14 Uhr findet im Singsaal der Fridli-Buecher-Halle in Ufhusen der Kulturnachmittag (für jedermann) statt.