UHREN: Bucherer breitet sich am Grendel aus

In der früheren Paul-Kehl-Boutique werden künftig Edeluhren verkauft. Es ist nicht der einzige «Leadermarken»-Laden, den die Firma Bucherer in Luzerns Altstadt betreibt.

Merken
Drucken
Teilen
Noch hängen Plakate des Modegeschäfts Paul Kehl an der Grendelstrasse 15. Im Frühling 2016 wird hier eine Bucherer-Uhrenboutique eröffnet. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Noch hängen Plakate des Modegeschäfts Paul Kehl an der Grendelstrasse 15. Im Frühling 2016 wird hier eine Bucherer-Uhrenboutique eröffnet. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Hugo Bischof

Das Ladenlokal an der Grendelstrasse 15 nahe dem Falkenplatz steht seit zweieinhalb Monaten leer. Früher war hier eine Paul-Kehl-Modeboutique eingemietet – davon zeugen die noch immer an den Schaufenstern angebrachten Plakate. Ende Juli 2015 wurde Paul Kehl ins PKZ-Hauptgebäude am Kornmarkt integriert. Nun ist klar, was es künftig im Ladenlokal an der Grendel­strasse 15 zu kaufen geben wird: Uhren der Marke Jaeger-LeCoultre. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung.

Jaeger-LeCoultre zieht um

Verkauft werden die Uhren der bekannten Schweizer Luxusmarke dort von der Firma Bucherer. Diese ist neue Mieterin des Ladenlokals Grendel 15. Das bestätigte Bucherer-Marketingleiter Jörg Baumann auf Anfrage. Bucherer betreibt schon heute eine Jaeger-LeCoultre-Boutique – gleich daneben, an der Grendelstrasse 11. «Diese zügeln wir nun in die grösseren Räume am Grendel 15», so Baumann. Eröffnet wird im Frühling 2016. Am Grendel 11 bleibt ein Uhrengeschäft; hier verkauft Bucherer künftig Uhren der Marke IWC aus der Schweizer Luxusgruppe Richemont.

Die Luzerner Uhren- und Schmuckfirma Bucherer breitet sich am Grendel, Luzerns Tourismus-Einkaufsmeile, also weiter aus. In Insiderkreisen nennt man den Grendel scherzhaft gar schon «Bucherer-Strasse».

Marke bestimmt Erscheinungsbild

Dabei ist wohl vielen Passanten, auch einheimischen, gar nicht bewusst, dass Bucherer neben dem Hauptgeschäft am Schwanenplatz in Luzerns Altstadt weitere Läden führt. Die Jaeger-LeCoultre-Boutique am Grendel 11 etwa ist äusserlich nicht als Bucherer-Geschäft erkennbar. «Das äussere Erscheinungsbild wird von der Marke vorgegeben», sagt dazu Baumann. «Das Beratungs- und Verkaufspersonal stammt aber von Bucherer. Wir sorgen auch für die IT-Systeme sowie die Infrastruktur und Sicherheit.»

Laut Baumann gehören vier weitere Marken-Boutiquen in der Luzerner Altstadt zur Bucherer-Gruppe: Piaget-Longines am Grendel 19, TAG-Heuer am Grendel 8, Omega am Grendel 5 sowie das Juweliergeschäft Kurz an der Weggisgasse 25. Die von der Bucherer Handels AG betriebene Omega-Boutique sowie Juwelier Kurz gibts seit längerem; die übrigen Läden lancierte Bucherer erst in den vergangenen fünf Jahren. Bucherer ist in den Liegenschaften eingemietet; nur das Hauptgebäude am Schwanenplatz gehört Bucherer selber.

50 zusätzliche Arbeitsplätze

«Dass alle diese Boutiquen am Grendel liegen, zeigt die Wichtigkeit dieses Platzes für die Uhrenbranche», betont Baumann. Allein durch die Eröffnung der drei jüngsten Läden habe Bucherer seit 2010 rund 50 neue Arbeitsplätze geschaffen. In den Boutiquen würden «Leadermarken» verkauft, exklusive Uhrenmodelle ausschliesslich aus Schweizer Manufaktur. Auch in Zürich an der Bahnhofstrasse führt Bucherer zwei Uhrenboutiquen.

«Die Situation in Luzern ist aber anzahlmässig schon speziell», so Baumann. Bucherer ist in Sachen Monobrand-Boutiquen in Luzern führend. Die Firma Gübelin führt so genannte Shops-in-Shop (u. a. Patek Philippe) im Gübelin-Hauptgebäude selber.

Gefährdung des Branchenmixes?

Das Thema Branchenmix in der Luzerner Altstadt hat in letzter Zeit viel zu reden gegeben und auch zu politischen Vorstössen geführt (siehe Kasten). Der Wegzug vieler alteingesessener Luzerner Traditionsgeschäfte (Ausgabe vom 5. Oktober) beunruhigt viele Luzerner.

Was sagt Bucherer-Sprecher Jörg Baumann zum Vorwurf, Uhrenfirmen verdrängten zunehmend andere Geschäfte? «In Luzern sind auf 100 bis 200 Metern praktisch alle wichtigen Uhrenmarken vertreten. Diese Konzentration ist kundenfreundlich.» Baumann spricht von einem «Uhren-Cluster». Es sei typisch im Detailhandel, dass Geschäfte mit den gleichen Zielkunden sich in gegenseitiger Nähe ansiedeln. «Für Kunden sind die kurzen Wege sehr praktisch, und auch der Wettbewerb ist belebt.»

Fussgängerdurchgang bleibt

Sich in der Altstadt auszubreiten, sei nicht das Ziel von Bucherer. «Wir hatten die Möglichkeit, auch den kleinen Fussgängerdurchgang zwischen den Gebäuden Grendel 11 und 15 zu schliessen, um einen zusätzlichen Laden einzurichten», verrät Baumann. Darauf habe Bucherer aber gerne verzichtet, um den für andere Geschäfte und für Luzerner wichtigen Durchgang zu erhalten.

Als «Exot» mitten zwischen den Bucherer-Uhrenläden am Grendel ist die Cafeteria Emilio am Grendel 9 verblieben. Zieht auch hier dereinst ein Uhrengeschäft ein? «Das ist für uns kein Thema», sagt Baumann. «Es ist nicht unsere Strategie, Luzerner Firmen zu verdrängen.» Das Gebäude mit dem Café Emilio befindet sich in Privatbesitz.

Uhrenbranche: 750 Arbeitsplätze

Politikhb. Rund 30 Unternehmen des Uhren- und Schmuckhandels gibt es in der Stadt Luzern. Die bekanntesten davon – Bucherer, Gübelin und Embassy – seien «ausnahmslos einheimische Geschäfte, welche seit Generationen zu Luzern gehören». Das schreibt Luzerns Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation der SP/Juso, die kritische Fragen zur Gewerbevielfalt in der Altstadt stellten.

Die Darstellung, einheimische Geschäfte würden von «internationalen Ketten und Grossunternehmen, nicht selten aus der Uhren-und Schmuckbranche», verdrängt, sei «übertrieben» und verkenne die Leistungen dieser Unternehmen, so der Stadtrat. 700 bis 750 Vollzeit-Arbeitsplätze bietet die Uhren- und Schmuckbranche in Luzern an. Diese Zahl ist einer Schrift zu entnehmen, welche die Firma Bucherer, die seit 1888 in Luzern geschäftet, Anfang 2015 publizierte. Laut der gleichen Quelle beträgt der gesamte Steuerertrag der städtischen Uhren- und Schmuckbranche (Unternehmen/Mitarbeitende) jährlich rund 15 Millionen Franken.