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Reiseveranstalter drohen: Fallen die Car-Parkplätze im Stadtzentrum weg, wird Luzern aus dem Programm gestrichen

Wohin mit den Cars in Luzern? Tourismusexperte Jürg Stettler kritisiert, dass sich die Diskussion bislang primär um den Verkehr dreht. Dabei müsse man zuerst über etwas Grundsätzliches sprechen.
Roman Hodel
Noch können Cars direkt bei den Attraktionen halten – so wie hier am Schwanenplatz. (Bild: Eveline Beerkircher / Luzern, 20. Juni 2018)

Noch können Cars direkt bei den Attraktionen halten – so wie hier am Schwanenplatz. (Bild: Eveline Beerkircher / Luzern, 20. Juni 2018)

Das Luzerner Stadtparlament befindet am Donnerstag in einer Woche über den Bericht und Antrag «Attraktive Luzerner Innenstadt». Dabei geht es auch um die umstrittene Frage: «Wohin mit den Touristencars?» Der Stadtrat priorisiert die Allmend als Car-Parking. Die vorberatende Baukommission lehnt den Bericht und Antrag allerdings ab. Sie plädiert für die Rückweisung. Grund: Die Allmend-Idee sei zu wenig ausgereift und die verschiedenen Player müssten ihrer Meinung nach besser eingebunden werden.

Jürg Stettler, der Luzerner Stadtrat will Touristencars auf die Allmend verbannen, wie realistisch ist dies aus Touristen-Optik?

Das entscheiden letztlich die Tour-Operators. Ich vermute allerdings, dass Luzern an Attraktivität einbüssen würde für Touristen, die in Cars anreisen.

Warum? Die Fahrt mit der Zentralbahn dauert bloss vier Minuten.

Das stimmt. Aber: Das Ziel ist ja der Schwanenplatz oder das Löwendenkmal und nicht der Bahnhof. Zudem fasst ein Car um die 40 Personen. Entsprechend braucht die Verschiebung einer solch grossen Gruppe Zeit. Pro Weg dürfte es rund eine halbe Stunde sein – macht total eine Stunde. Das ist viel Transferaufwand, wenn man bedenkt, dass diese Touristen insgesamt bloss rund eineinhalb Stunden in Luzern verbringen. Gut möglich, dass viele nach Interlaken ausweichen würden.

Nur hat Interlaken weder eine Kapellbrücke noch ein Löwendenkmal im Angebot ...

... aber Uhren gibt es dort ebenfalls zu kaufen. Und statt auf den Titlis oder den Pilatus geht es eben auf die Jungfrau. Die Erreichbarkeit und die Zeit für Ortsverschiebungen sind ein zentraler Erfolgsfaktor für den Tagestourismus – und hier ist Luzern heute Spitze. Denn die Stadt hat auf kleinem Raum sehr viel zu bieten.

Dann favorisieren Sie also ein Car-Parking im Zentrum?

Es läge sicher zentraler, würde sich dadurch allerdings auf den Verkehr auswirken und die Investitionen wären hoch. Vor allem aber: Für eine qualifizierte Bewertung müsste man aus Sicht des Tourismus zuerst über Grundsätzliches diskutieren, statt nur über den Verkehr wie dies heute der Fall ist. Welchen Tourismus will Luzern in 10, 15 Jahren? Wie viele Gruppen? Wie viele Individualtouristen? Woher sollen sie kommen? Prognosen rechnen insgesamt mit deutlich mehr Touristen in den nächsten Jahren. Wer erfolgreich sein will, sollte in Bezug auf diese Entwicklung agieren, nicht reagieren.

Wie könnten denn der nächste Schritt aussehen?

Wichtig sind qualifizierte Diskussionen mit allen Beteiligten – von der Stadt über die Tourismus- und Hotelverbände bis zu den Uhrengeschäften.

Und die Bevölkerung?

Unbedingt miteinbeziehen. Interessant ist ja: Man liest öfter, dass die Bevölkerung dem Tourismus gegenüber zunehmend negativ eingestellt sein soll. Doch stimmt das? Subjektiv betrachtet vielleicht ja, doch es gibt keine Erhebungen darüber. Und ob das Ja zur Abschaffung der Car-Parkplätze beim Inseli wirklich als Protest gegen den Car-Tourismus zu verstehen war, basiert nur auf Vermutungen.

Aber wie soll Luzern konkret den Tourismus steuern?

Gerade beim Gruppentourismus ist dies möglich – über die Anzahl und den Standort der Carparkplätze sowie den Parkingtarif. Car-Tourist ist auch nicht gleich Car-Tourist. Es gibt welche, die mehr Geld ausgeben; die auch bereit sind, einen höheren Parkingtarif zu bezahlen oder mehr Zeit einzuberechnen. So könnte Luzern qualitativ hochwertige Touristengruppen ansprechen. Beim Individualtourismus hingegen ist eine Steuerung zugegebenermassen schwierig. Nur schon deshalb ist eben wichtig, sich die Frage zu stellen, welchen Tourismus man wünscht und wieviel davon.

Weniger, dafür hochwertigere Gruppentouristen – das klingt wie der Wunsch jeder Gemeinde, nur noch gute Steuerzahler anlocken zu wollen.

Es braucht eine gute Mischung an Touristen – sowohl bezüglich Art als auch bezüglich Herkunft. Beispielsweise sind Individualtouristen für die Gesamtentwicklung zwar wünschenswerter. Dies weil sie tendenziell länger bleiben und ein anderes Ausgabeverhalten zeigen. Dafür lassen sie in Uhrengeschäften weniger Geld liegen. Tatsache ist: Sobald eine Gruppe Touristen stark dominiert, führt dies zu Abhängigkeiten und Verdrängung. Das liesse sich vermeiden, wenn man die Entwicklung frühzeitig steuert.

Könnte Luzern von anderen Touristenstädten lernen?

Amsterdam wird gerne als Vergleich herangezogen. Dort bewirbt man neu bewusst weniger bekannte Stadtquartiere, um die touristischen Hauptattraktionen zu entlasten und die Touristenströme umzulenken.

Mit Erfolg?

Das wird sich erst noch zeigen anhand eines Monitorings. Klar ist, wer das erste Mal nach Paris oder Luzern fährt, will natürlich den Eiffelturm, respektive die Kapellbrücke sehen. Aber beim zweiten Besuch könnte man den Touristen durchaus andere Seiten der Stadt schmackhaft machen.

Hinweis: Jürg Stettler leitet das Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern.

Tour-Anbieter ist gegen Allmend-Lösung

«Besuchen Sie die charmanteste Stadt der Schweiz» schreibt der Tour-Operator «Best of Switzerland Tours» auf seiner Website über Luzern. «Auf der Fahrt ins Stadtzentrum zeigt Ihnen die Reiseleitung die wichtigsten Sehenswürdigkeiten». Noch. Denn würde die Car-Parkierung dereinst auf die Allmend verschoben, wäre es mit Carfahrten durch die Innenstadt wohl vorbei.

«Best of Switzerland Tours» bringt jährlich mehrere Zehntausend Touristen, die eine Tour ab Zürich starten, in die Zentralschweiz. Die Hälfte von ihnen sind US-Amerikaner und Inder. Viele buchen ein Tages-Package mitsamt Fahrt auf den Pilatus oder Titlis. Entsprechend kurz fällt der Aufenthalt in Luzern aus – gerade mal eine Stunde Zeit bleibt für Kapellbrücke, Löwendenkmal und Konsorte. «Aus diesem Grund käme eine Car-Parkierung auf der Allmend für uns nicht in Frage – zumindest nicht mit dem Produkt, wie wir es heute anbieten», sagt Christian Landis, Geschäftsführer von «Best of Switzerland Tours». Das Programm ihrer Touristen sei gedrängt, «da würden wir viel zu viel Zeit verlieren».

Parkingkosten würden wohl auf den Preis geschlagen

Mit der Variante Schweizerhofquai respektive Musegg könnte sich Landis eher anfreunden: «Allerdings müssten wir die höheren Parkingkosten wohl auf den Preis schlagen.» Was ihn mit Blick auf seine vielfach preissensiblen Touristen in den Clinch bringen würde: «Aus wirtschaftlicher Sicht müssten wir Luzern dann je nach Szenario eigentlich aus dem Programm kippen. Andererseits ist der Wert der Stadt zu hoch – das wollen die Touristen einfach sehen.»

Dass die Anzahl Cars in Luzern zugenommen hat, merkt Christian Landis mitunter selber: Bis vor einem Jahr legten die von seiner Firma beauftragten Car-Unternehmen jeweils auch einen Stopp am Löwenplatz ein. «Doch der Carverkehr hat derart zugenommen, dass sie dort nur noch fakultativ anhalten.» (hor)

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