UHREN: «Touristen dürften abwandern»

Die Swatch-Gruppe investiert lieber auf dem Bürgenstock als in der Luzerner Altstadt. Die Händler am Schwanenplatz kommentieren dies unterschiedlich.

Stefan Dähler und Simon Bordier
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Gedränge gestern vor dem Bucherer am Schwanenplatz. (Bild Corinne Glanzmann)

Gedränge gestern vor dem Bucherer am Schwanenplatz. (Bild Corinne Glanzmann)

Stefan Dähler und Simon Bordier

Nächstes Jahr eröffnet auf dem Bürgenstock das neue Ferienresort. Dieses soll eine grosse Sogwirkung insbesondere auf gut betuchte Touristen haben. Was bedeutet das für die Tourismusmetropole Luzern – wird sie die neue Konkurrenz zu spüren bekommen? Sorgen bereitet das neue Tourismusresort dem Luzerner Uhrengeschäft Gübelin. «Für die Stadt ist das bedenklich», sagt Mediensprecherin Anne Gorgerat. «Es dürfte zu einer spürbaren Abwanderung der Tagestouristen kommen.» Deutlich optimistischer sieht man das bei Konkurrent Bucherer. Marketingdirektor Jörg Baumann glaubt, dass der Bürgenstock sogar eine Chance für Luzern darstellt. «Der Bürgenstock dürfte eine neue Zielgruppe ansprechen – vor allem Individualtouristen.» Diese würden sicher auch Ausflüge nach Luzern unternehmen. «Das Projekt ist dadurch eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot und stärkt den Tourismus in der Zentralschweiz.»

Resort schafft neue Kapazitäten

Ähnliche Erwartungen hat man bei Luzern Tourismus. Durch das Bürgenstock-Resort würden zusätzliche Kapazitäten in der Region entstehen. «Das steigert die Attraktivität der ganzen Region», sagt Sibylle Gerardi, Sprecherin von Luzern Tourismus. Die zusätzliche Kapazität sei auch dringend nötig. Vor allem im Sommer komme es in Luzern immer wieder zu Engpässen, sodass manchmal selbst die teuren Hotels völlig ausgebucht seien.

Luzern sei tourismusmässig an der Kapazitätsgrenze angelangt. Das sagte auch Swatch-CEO Nick Hayek letzte Woche in unserer Zeitung (Ausgabe vom 26. Februar). Deshalb will die Swatch Group auch nicht in der Luzerner Altstadt wachsen, sondern auf dem Bürgenstock.

Casagrande baut aus

Wie sehen das Geschäfte in der Altstadt? Ist in Luzern Wachstum tatsächlich nicht mehr möglich? Robert Casagrande, Geschäftsführer des gleichnamigen Souvenirgeschäfts, kann die Aussage Hayeks nachvollziehen. «Die gefühlte Kapazitätsgrenze ist erreicht.» Rund um Sehenswürdigkeiten und im Strassenverkehr könne es eng werden. Auch im Laden selbst sei das spürbar. «Wir haben gemerkt, dass die Kundenströme zu gewissen Zeiten sehr gross sind.» Dies sei vor allem zwischen 15.30 und 18.30 Uhr der Fall. Deshalb wird das Geschäft am Grendel um einen dritten Stock erweitert. «Es geht nicht, dass die Leute lange warten müssen. Sie haben nur begrenzt Zeit, um einzukaufen.» Eröffnet wird der dritte Stock im Mai. Dann beträgt die Ladenfläche 480 Quadratmeter, heute sind es 300. Die Baukosten betragen rund 2 Millionen Franken. Lokalitäten für weitere Expansionen zu finden, dürfte jedoch schwierig werden. «Interlaken profitiert ja auch davon, dass Luzern voll ist», sagt Casagrande. Eine Expansion Richtung Bürgenstock ist für Casagrande dennoch kein Thema.

«Wir glauben an Luzern»

Genügend Platz gibt es hingegen für Gübelin: «Wir haben viel Kundschaft, aber es ist nicht so, dass unsere Läden an die Kapazitätsgrenze stossen», sagt Anne Gorgerat. Wachstum sei noch möglich, die Zahl der Uhrengeschäfte nehme nach wie vor zu. «Das neuste Beispiel ist Les Ambassadeurs.» Die Bijouterie hat im November eine Filiale in den ehemaligen Räumlichkeiten von Musik Hug am Kapellplatz eröffnet. «Wir sehen weiteres Potenzial in Luzern und glauben an diesen Standort», sagt Gorgerat.

Exklusiv-Vertrag von Swatch

Jörg Baumann von Bucherer sagt ebenfalls, dass in den Uhrengeschäften noch Kapazitäten vorhanden seien. Bucherer hat erst vor wenigen Monaten seine Verkaufsfläche am Grendel vergrössert. Luzern sei als Tourismusstandort generell gut aufgestellt. «Das Potenzial für weiteres Wachstum ist da.» Ein Ausweichen auf den Bürgenstock aus Kapazitätsgründen scheint also nicht nötig. Möglicherweise wäre es den Luzerner Uhrenhändlern auch gar nicht erlaubt. Der Vertrag zwischen dem Bürgenstock Resort und Swatch sieht nämlich vor, dass dort nur Marken der Swatch Group verkauft werden dürfen. Dazu gehören beispielsweise Tissot, Longines, Omega, Harry Winston, Rado, Certina oder Calvin Klein. Damit kommt beispielsweise Gübelin nicht in Frage.

Uhrenplatz Luzern: Wer das Sagen hat

red. Rund um den Luzerner Schwanenplatz sind in den letzten Jahren viele neue Uhrengeschäfte entstanden. Oft handelt es sich dabei um Ableger der bestehenden grossen Händler. So gehören zu Bucherer mittlerweile nicht nur das Hauptgeschäft am Schwanenplatz, sondern auch drei weitere Uhrengeschäfte am Grendel. Auch die Kurz Schmuck und Uhren an der Weggisgasse sowie Swiss Lion AG am Löwenplatz gehören zu Bucherer.

Auch Embassy hat allein am Kapellplatz drei Uhrenboutiquen, zusätzlich zum Hauptgeschäft am Grendel. Hinzu kommen die Grossen Gübelin, Les Ambassadeurs sowie zahlreiche Boutiquen, die von den Uhrenmarken direkt betrieben werden.