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Interview

Spitalratspräsident Fricker im Interview: Luzerner Kantonsspital prüft Uni-Status

Ulrich Fricker will regionale Spitalverbünde forcieren. Gleichwohl kann der Spitalratspräsident des Luzerner Kantonsspitals nachvollziehen, wenn die Regionen an ihren Kliniken festhalten. Und der Ökonom aus Wilen bei Sarnen sagt, wo sich das Zentrumsspital verbessern muss.
Interview: Yasmin Kunz und Lukas Nussbaumer
Ulrich Fricker (65) im Zentrum für Intensivmedizin des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Manuela Jans-Koch (18. Januar 2019))

Ulrich Fricker (65) im Zentrum für Intensivmedizin des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Manuela Jans-Koch (18. Januar 2019))

Wie weiter mit dem Kantonsspital Obwalden? Die Regierung bevorzugt den Anschluss an das Luzerner Kantonsspital (Luks). Für das Luks wäre dies nicht der erste Zusammenschluss: Im November 2018 haben der Kanton Luzern, das Luks und das Kantonsspital Nidwalden einen Aktionärsbindungsvertrag für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen den Kliniken in Luzern und Stans unterzeichnet.

Ulrich Fricker, seit etwas mehr als einem Jahr Luks-Spitalratspräsident, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, welche Auswirkungen solche Spitalverbünde auf das Zentrumsspital in Luzern haben. Und er äussert sich zur finanziellen Situation des Luks.

Ulrich Fricker, die Obwaldner Regierung kann sich einen Anschluss an das Luks vorstellen. Was sagen Sie dazu?

Das ist nur eines von sechs Szenarien. Aber ich bin nicht wirklich überrascht. Nachdem die Zusammenarbeit des Luks mit dem Kantonsspital Nidwalden vertieft wurde, lag es auf der Hand, dass Obwalden nachziehen könnte. Sollte die favorisierte Variante der Regierung in der Vernehmlassung auf Resonanz stossen, sind wir offen für Gespräche. Das Echo in der Bevölkerung war bisher jedenfalls grundsätzlich positiv.

Für die Regierung ist es wichtig, dass «ihr» Spital in Sarnen erhalten bleibt. Wie sehen Sie das?

Volksabstimmungen machen immer wieder deutlich, dass die Bevölkerung eine wohnortsnahe Grundversorgung wünscht. Im Alleingang könnte der Erhalt kleiner Spitäler aufgrund der politischen Einschnitte in der Gesundheitsversorgung aber schwierig werden. Darum würde in einem solchen Fall der Anschluss an einen regionalen Spitalverbund Sinn machen.

Wo liegen die Vorteile für beide Seiten?

In einem Verbund ist es einfacher, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ausserdem – und das ist insbesondere für kleine Spitäler wichtig – ist die Versorgung mit Spezialisten vor Ort durch das Zentrumsspital gewährleistet. Im Zentrum können umgekehrt die geforderten Fallzahlen für die hoch spezialisierte Medizin erreicht werden. Ferner kann kosteneffizient gearbeitet werden.

Und was sind die Nachteile?

Der administrative Aufwand für das Zentrumsspital wird gewiss grösser. Und für die kleineren Spitäler verhält es sich in etwa so wie zwischen der EU und der Schweiz: In einem Verbund gibt es ein Rahmenabkommen, welches die Autonomie einschränken kann. Dessen muss man sich bewusst sein. Aber auf einer partnerschaftlichen Basis findet man einen Konsens, mit dem beide Seiten besser fahren als bei einem Alleingang.

Kleine Spitäler werden künftig also vor allem ambulante Leistungen anbieten, grosse kümmern sich um schwere Fälle, die eine stationäre Behandlung erfordern?

Diese Entwicklung kommt ohnehin und ist kein Zentralschweizer Phänomen. Bezüglich Leistungsangebot ist es so, wie der Luzerner Regierungsrat Guido Graf sagt: Nicht jedes Spital muss alles anbieten. Letztlich bestimmt jeder Kanton selber, welche Gesundheitsversorgung er will – und dann auch finanzieren muss.

Welches Spital soll denn welche Leistungen erbringen?

Wir befinden uns in der Konzeptphase. Genaueres werden wir kommunizieren, wenn wir Entscheide getroffen haben.

Eine Option wäre auch, in den Regionen nur ausgebaute Ambulatorien zu betreiben und dafür ein zentralisiertes Spital für die ganze Region in Luzern zu bauen.

Das wäre theoretisch möglich, würde aber weder die Wünsche der Bevölkerung abbilden noch dem Auftrag des Gesetzgebers entsprechen. Dazu kommt: Die Investitionen für einen Neubau in Luzern, um den zusätzliche Bedarf abzudecken, würden wohl eine Milliarde Franken oder mehr betragen. Ausserdem gäbe es Probleme mit Parkplätzen und dem öffentlichen Verkehr. Letztlich wäre das wohl teurer, als die kleinen Spitäler in den Regionen aufrecht zu erhalten – in einer Verbundlösung.

Dann halten Sie also an den Neubauplänen des Spitals in Sursee fest?

Ja. Wo wir bauen, wissen wir aber noch nicht. Ich gehe davon aus, dass der Entscheid im Frühling fallen wird.

Sie müssen hohe Investitionen tätigen und gleichzeitig 20 Millionen Franken sparen. Wie soll das gehen?

Sparen müssen wir, weil der Bundesrat die Tarmed-Tarife gesenkt hat. Ausserdem ist der stationäre Bereich, der etwa drei Fünftel zum Ertrag beisteuert, weniger stark gewachsen. Doch das ist mit dem politisch angeordneten Grundsatz «ambulant vor stationär» gewollt. Wir sind nicht das einzige Spital, das mit sinkenden Gewinnen zu kämpfen hat.

Sparen ist das eine, Mehreinnahmen generieren das andere. Wo setzen Sie auf der Ertragsseite den Hebel an?

Das ist schwierig. Es kann jedenfalls nicht sein, dass die Spitäler mehr Behandlungen als nötig durchführen, um die Einnahmen zu erhöhen. Es braucht andere Lösungen. Im Augenblick ist es so, dass die Erträge aus der Zusatzversicherung die Behandlungen in der Grundversicherung quersubventionieren. Einerseits schliessen aber immer weniger Menschen eine Zusatzversicherung ab, andererseits beanspruchen auch Personen mit Grundversicherung zum Beispiel Einzelzimmer. Spitäler und Krankenkassen müssen neue Modelle entwickeln, die Zusatzleistungen für die Patienten mit Zusatzerträgen für die Spitäler koppeln.

Hauptproblem auf der Einnahmenseite ist der unrentable ambulante Bereich?

Genau. Aufgrund des Tarifeingriffs des Bundesrats sind die Vergütungen nicht mehr kostendeckend. Deshalb müssen wir uns hier verbessern. Die Entflechtung des ambulanten und stationären Bereichs und damit auch der Prozesse ist noch nicht optimal.

Auf der Ertragsseite ist fast nichts möglich. Wäre der Einbezug der Spitäler in Altdorf und Baar in den Verbund eine Möglichkeit?

Wir sind offen für Gespräche und stehen im Austausch mit den Verantwortlichen der Zentralschweizer Spitäler, mit denen wir ja schon heute zusammenarbeiten.

Am ehesten liegt da wohl eine Fusion mit dem Urner Kantonsspital auf der Hand.

Dazu kann ich nichts sagen. Jeder Kanton muss politisch selber entscheiden, wann der Zeitpunkt für eine Neuausrichtung gekommen ist.

Gilt das auch für Luzern? Schliesslich ist das Luks das grösste nicht universitäre Spital der Schweiz und könnte den Uni-Status anstreben.

Die Uni bietet seit 2017 die Master-Ausbildung für Ärzte zusammen mit der Uni Zürich an. Damit sind wir aber kein Unispital, sondern ein Spital mit universitärer Ausbildung. Es ist eine politische Frage, ob man sich langfristig zu einem Unispital entwickelt.

Das heisst, Sie wollen ein Uni-Spital werden?

Nein, das ist überhaupt noch nicht entschieden. Zuerst müssten Kosten und Nutzen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Wir befinden uns in engen Gesprächen mit der Regierung und der Uni Luzern. Vorderhand fokussieren wir auf die Masterausbildung und wollen diese etablieren.

Bis 2015 Chef der Suva

Der 65-jährige Ulrich Fricker präsidiert den Spitalrat des Luzerner Kantonsspitals seit Anfang 2018. Für dieses Mandat wendet er zwischen einem und zwei Tagen pro Woche auf. Zwischen 1999 und 2015 war der promovierte Ökonom, der an der HSG St. Gallen studiert hat, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung, von 1995 bis 1998 Leiter der Versicherungsberatung bei der Unternehmensberatungsfirma KPMG. Heute sitzt er in mehreren Verwaltungsräten. Die acht Mitglieder des Spitalrats werden vom Luzerner und Nidwaldner Regierungsrat jeweils für zwei Jahre gewählt. Fricker wohnt in Wilen bei Sarnen. (nus)

Luzerner SP verlangt Marschhalt

Die Verhandlungen zwischen dem Luzerner Kantonsspital und dem Kantonsspital Nidwalden sollen sistiert werden. Das verlangt die SP des Kantons Luzern in einem Postulat, eingereicht von Kantonsrätin Marianne Wimmer-Lötscher (Ebikon). Zuerst soll ein Versorgungsbericht für die Spitalregion Zentralschweiz erarbeitet werden. Aufbauend darauf sei ein Verbund mit den Spitälern in Nid- und Obwalden zu prüfen. Wimmer betont, dass es «keinen Sinn macht, die Fusion mit Nidwalden zu vollziehen und innert kürzester Zeit allenfalls auf Obwalden auszuweiten». Sie befürchtet «Mehraufwände und Neuverhandlungen». (kuy)

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