Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Um Findlinge und Fundstellen wirds in Luzern enger

Im Kanton Luzern gibt es unzählige schützenswerte Naturelemente – so viele, dass nun näher an sie herangebaut werden darf.
Alexander von Däniken
Rundhöcker bei Spüele in der Gemeinde Entlebuch: Ein vom Waldemme-Gletscher rundgeschliffener Molassehügel. (Bild: PD)

Rundhöcker bei Spüele in der Gemeinde Entlebuch: Ein vom Waldemme-Gletscher rundgeschliffener Molassehügel. (Bild: PD)

Angenehme 25 Grad herrschten am 2. Juli 2019 in Luzern, wesentlich wärmer als zur letzten Eiszeit, die vor etwa 10'000 Jahren endete. Die Eiszeiten und mit ihnen die Gletscher hinterliessen im Kanton Spuren: Findlinge, Mammut-Fundstellen, und Moränen zum Beispiel. Unzählige dieser sogenannten geologischen und geomorphologischen Elemente (Geotope) sind zwischen Vitznau und Luthern und zwischen Wikon und Flühli zu finden. Sie sind im kantonalen Geotop-Inventar aufgeführt, das der Regierungsrat auf den 2. Juli überarbeitet hat.

Wichtigste Neuerung: Um die Elemente herum wurden bisher im Inventar Pufferzonen definiert. Diese gibt es neu nicht mehr. Die Gesamtfläche der Geotope schrumpfte damit von 65'000 auf rund 20'000 Hektar, wie der Regierungsrat kürzlich mitteilte.

Was das konkret bedeutet, erklärt Thomas Stirnimann, stellvertretender Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei beim Kanton Luzern: «Mit dem Wegfall der Flächen um die Elemente sind in deren Perimeter aus Sicht des Geotopschutzes keine Baueinschränkungen mehr vorhanden.» Das bedeutet, dass grundsätzlich näher an Findlinge oder Moränen gebaut werden kann. Die Vorgaben der Raumplanung, etwa die Eingliederung von Bauten und Anlagen in die Landschaft, sind jedoch weiterhin zu beachten.

Ursprüngliches Inventar führte zu viele Elemente

Die Elemente selbst sind laut Thomas Stirnimann gemäss kantonalem Gesetz über den Natur- und Landschaftsschutz schutzwürdig. «Im Rahmen der entsprechenden Beurteilungsverfahren sind allfällige Beeinträchtigungen zu bewerten und Interessenabwägungen vorzunehmen. Die Genehmigung oder Bewilligung ist unter Bedingungen und Auflagen zu erteilen oder zu verweigern.»

Der Regierungsrat hat das Inventar 2001 erlassen. Das Ziel war, die Elemente und Objekte in der kommunalen Nutzungsplanung zu schützen, was gemäss aktueller Mitteilung nur teilweise gelang. Waren die Gemeinden zu geizig oder war das Ziel angesichts der schieren Menge und des damit benötigten Platzes zu optimistisch?

Laut Stirnimann hat sich herausgestellt, dass im ursprünglichen Inventar schlicht zu viele Geoelemente und -objekte enthalten sind:

«So wurde der Kanton Luzern gleich von mehreren Armen des Reussgletschers und von diversen Lokalgletschern modelliert. Dies hat die Luzerner Landschaft in einzigartiger Weise beeinflusst und der Landschaft des Kantons Luzern ein unverwechselbares Aussehen gegeben.»

Zu einem grossen Teil sei deshalb auf die Flächen um die Elemente verzichtet worden. Zu einem kleinen Teil seien auch Naturelemente selbst aus dem Inventar gestrichen worden; etwa weil sie durch Bauten und Anlagen bereits stark tangiert und darum nicht mehr schutzwürdig sind.

Wie viele es genau sind, konnte beim Kanton aufgrund von Ferienabwesenheiten nicht in Erfahrung gebracht werden. Auch die Gesamtzahl der Findlinge, Mammut-Fundstellen, Höhlen und Stollen ist derzeit unklar.

«Geotope prägen Landschaftsbild»

Da Natur- und Landschaftsschutz Verbundaufgaben von Kanton und Bund sind, habe eine enge Zusammenarbeit stattgefunden. Oder wie es Stirni­mann sagt: «Im Kanton Luzern prägen die Geotope das Landschaftsbild in besonderem Ausmass. Mit dem Erhalt der Geotope leistet der Kanton Luzern somit einen wesentlichen Beitrag an die Erhaltung des heimatlichen Landschaftsbilds und erfüllt dadurch eine Vorgabe der Bundesgesetzgebung im Bereich Natur- und Heimatschutz.» Die Gemeinden waren mit der Revision des Inventars ebenfalls mehrheitlich einverstanden. Vor allem wurde begrüsst, dass mit dem Wegfall der Pufferzonen die betroffenen Grundeigentümer profitieren können. Ebenso wichtig war laut Stirnimann den Gemeinden, dass sich die Bauten trotzdem gut ins Landschaftsbild einfügen.

Dass damit die Interessenabwägung bei künftigen Bauvorhaben weiterhin wichtig ist, haben einzelne Gemeinden angemerkt. Laut Stirnimann muss die Interessenabwägung zwingend bei jedem Entscheid gemacht werden. «Das Resultat ist unter anderem davon abhängig, wie stark die Bedeutung des Eingriffs gegenüber dem Erhalt des Geotops gewichtet wird.»

Auch forderten einzelne Gemeinden, bestimmte Elemente aus dem Inventar zu streichen. Diese Forderungen wurden vor Ort beurteilt. Das letzte Wort hatte dann der Regierungsrat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.