Um Sturmschäden zu beheben: Freiwillige pflanzen im Bireggwald 1000 Bäume 

Das Modelabel Nikin organisiert mit Waldeigentümern eine grosse Wiederaufforstung im Bireggwald auf Luzerner und Horwer Boden. Dabei achten sie darauf, dass der Wald möglichst gut auf den Klimawandel vorbereitet ist.

Stefan Dähler
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Noch immer sind im Bireggwald grosse Spuren der Verwüstung des Sommersturms von letztem Juli zu sehen. Nun sollen einige Lücken im Wald wieder geschlossen werden: Am 21. März, dem internationalen Tag des Waldes, werden 100 Freiwillige zirka 1000 junge Bäume pflanzen. Diese Aufforstungsaktion oberhalb des Schulhauses Biregg wird durch die private Firma Nikin und die betroffenen Waldeigentümer, darunter die Korporationen Luzern und Horw, organisiert.

So sah es nach dem Sturm im Juli 2019 im Bireggwald aus:

Bilder: Pius Amrein (8. Juli 2019)

Im betroffenen Gebiet seien beim Sturm zwar nicht 1000, sondern etwa 200 bis 300 Bäume umgefallen, sagt Raphael Müller, Leiter des Stadtforstamts, welches einen grossen Teil des Bireggwaldes bewirtschaftet. «Doch man muss immer etwas mehr Jungbäume pflanzen, weil nicht alle überleben und die Bäume sich beim Aufwachsen gegenseitig erziehen sollen.»

Bisher vor allem im Ausland tätig

Initiiert wurde diese Aktion durch Nikin. Es handelt sich dabei um ein Label für nachhaltige Mode mit Sitz in Lenzburg AG. Dieses unterstützt seit einigen Jahren die in Kanada ansässige Organisation «One Tree Planted», welche in Nord-, Südamerika, Asien und Afrika Wiederaufforstungen vornimmt. «Die Aktion in Luzern ist erst die Zweite, die wir selbst in der Schweiz durchführen», sagt Nicholas Hänny, Mitgründer und Geschäftsführer von Nikin.

Bei den Wiederaufforstungen handle es sich vor allem um ein privates Anliegen von ihm und seinem Mitgründer Robin Gnehm. Letztes Jahr habe man 500 Bäume in einem Lenzburger Wald gepflanzt. Hier ein Bild der Aktion:

Bild: PD

Eine weitere Aktion sei in derselben Stadt im kommenden Frühling geplant. «Die Aktionen in der Schweiz sind noch nicht so zahlreich, weil hier die Wiederaufforstung in der Regel gut funktioniert», sagt Hänny. Zudem gebe es weniger Schäden durch Naturereignisse, Rodung oder Brände, als dies in Amerika, Afrika oder Asien der Fall sei.

Weiter sei natürlich auch nicht jeder Waldbesitzer vom Gedanken begeistert, dass eine Schar Freiwilliger auf dessen Grundstück Bäume pflanzt. In Luzern sei man aber auf sehr offene Ohren gestossen, denn dort war wegen des Sturms eine geeignete Fläche vorhanden, die man aufforsten wollte. Zudem werde man durch die beiden Forstbetriebe begleitet.

Aktion kostet vierstelligen Betrag

Nicht zuletzt sei eine Wiederaufforstung in der Schweiz deutlich teurer als im fernen Ausland. Genaue Zahlen gibt Nikin nicht bekannt, die Aktion im Bireggwald mache aber einen vierstelligen Betrag aus. «Das ist ein erheblicher Betrag für uns, aber es ist eine gute Sache», sagt Hänny. «Und wir erhoffen uns auch einen gewissen Werbeeffekt», räumt er ein. Man plane ein Video der Aktion zu drehen und dieses auf den sozialen Medien zu verbreiten.

Für die Waldeigentümer ist die Wiederaufforstung sinnvoll, wie Raphael Müller vom Stadtforstamt sagt. Der Wald könne so schneller wieder seine Funktion als Naherholungsgebiet wahrnehmen. Gepflanzt würden klimaresistente Baumarten wie Eiche, Hagebuche, Linde, Spitzahorn, Kirsch- und Nussbaum, Kastanie, Eibe sowie Douglasie. Letzteres ist eine Nadelbaumart, die bei der letzten Eiszeit aus dem Alpenraum verschwunden ist und nun in Mitteleuropa vermehrt wieder gepflanzt wird.

«Douglasien könnten in tieferen Lagen teilweise die Rottanne ersetzen. Weil ihre Wurzeln tiefer gehen, kommen sie besser mit Hitze und Trockenheit klar»,

sagt Müller. Wie die Auflistung der zu pflanzenden Baumarten zeigt, ist «ein möglichst artenreicher Wald das Ziel. Dies, um für den Klimawandel oder auch eingeschleppte Krankheiten gewappnet zu sein». Bei Monokulturen bestünde ein grosses Risiko, dass beispielsweise ein Pilz oder ein Insekt gleich ganze Waldabschnitte befällt.

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