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UMFRAGE: Diese Sorgen treiben das Gewerbe 2018 um

Die Rekrutierung von Fachkräften und Lehrlingen beschäftigt die Mitglieder des kantonalen Gewerbeverbands im nächsten Jahr. Zuversichtlicher fallen die Prognosen dafür punkto Wirtschaftslage und Gewinnen aus.
Alexander von Däniken
Ein Maurer-Lehrling bei der Arbeit. (Symbolbild: Roger Grütter (19.09.2017))

Ein Maurer-Lehrling bei der Arbeit. (Symbolbild: Roger Grütter (19.09.2017))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Wäre das Luzerner KMU-Barometer eine Wetterprognose, dann würde sich das Gewerbe im Kanton auf ein Jahr 2018 mit viel Sonnenschein einstellen. Der rund 7500 Mitglieder zählende kantonale Gewerbeverband und das Marktforschungsinstitut Demoscope haben diesen Herbst die KMU bereits zum zweiten Mal nach ihren Einschätzungen fürs kommende Jahr befragt (siehe Box). Das lässt erstmals einen Vergleich mit den Umfragewerten vom ­Vorjahr zu. Gestern Abend wurden die ­Resultate an der Unternehmer-Impuls­veranstaltung «Luzern 18» des Gewerbeverbands im Forum der Messe Luzern den Mitgliedern präsentiert.

Von den 690 Unternehmen, die geantwortet haben, sind 52 Prozent der Meinung, dass sich die allgemeine Wirtschaftslage im Kanton Luzern 2018 gegenüber diesem Jahr verbessert. 29 Prozent gehen von einer schlechteren Lage aus. Bei der letztjährigen Umfrage betrugen die Werte 50 respektive 32 Prozent. Entsprechend positiv werten die Unternehmen ihre eigene Auftragslage. Bei einem Index von –5 (sehr schlecht) über 0 (bleibt gleich) zu +5 (sehr gut) ist die Prognose mit 0,74 leicht positiv – genau wie im Vorjahr. Doch wo viel Sonne ist, da ist auch Schatten. Die einzige Branche, die ihre Auftragslage für 2018 negativer einschätzt als für dieses Jahr, ist die Finanzbranche. Gewerbeverbandsdirektor Gaudenz Zemp ortet hier einen generellen Umbruch als Grund; von den Regulierungen über die Negativzinsen bis zur Digitalisierung.

Sorgen um Sozialprestige und Mangel an Spezialisten

Die Schönwetterlage wird gemäss den Unternehmen in drei Punkten getrübt: der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern, der Besetzung von offenen Lehrstellen und der verkehrstechnischen Erreichbarkeit. In allen drei Punkten sind die Betriebe für 2018 noch pessimistischer als für dieses Jahr (siehe Grafik). «Der Fachkräftemangel ist das zentrale Ergebnis der diesjährigen Umfrage, und er wird ein riesiges Problem», bemerkt Gaudenz Zemp. Besonders pikant sei, dass sowohl handwerkliche als auch hoch spezialisierte Branchen betroffen sind: «Metzger und Gipser kämpfen mit dem Sozialprestige, während der Markt für Arbeitskräfte in der Informatik schon länger ausgetrocknet ist.»

Ein ähnliches Bild gibt es auch bei den Lehrstellen, wo handwerkliche Berufe ebenfalls einen zu tiefen sozialen Stellenwert haben. Bei der Informatik hat der Kanton Luzern zwar eine Mittelschule in Betrieb genommen. Doch bis die ersten Absolventen auf den Markt gelangen, braucht es vier Jahre. «Ausserdem ist die Mittelschule ein Tropfen auf den heissen Stein angesichts von schweizweit Zehntausenden Informatikern, die fehlen», sagt Zemp. Immerhin bleibe die Gymnasialquote mit rund 18 Prozent seit Jahren stabil, und auch die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge entwickle sich erfreulich. «Nur geben Schulabgänger oft einer KV-Lehre gegenüber einem handwerklichen Beruf den Vorzug – oder wechseln nach der Lehre ins Büro.» Hier sei es für das Gewerbe schwierig, mit Imagekampagnen dagegenzuhalten.

Schlechter wird sich gemäss den befragten KMU auch die verkehrstechnische Erreichbarkeit entwickeln – aber nicht überall. Während die Unternehmen in den Regionen Willisau und Sursee die Erreichbarkeit besser beurteilen, rechnen insbesondere jene in der Region Luzern mit einer schlechteren Anbindung. Das hat laut Gewerbeverbands­direktor Zemp mit der hohen Bevölkerungsdichte zu tun: «In der Agglomeration haben wir die schweizweit höchste Bevölkerungsdichte, aber am zweitwenigsten Platz für Verkehrsfläche.» Das Problem werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, allein im Rontal, rund um den Seetalplatz und in Horw seien Projekte geplant, die gut 20 000 zusätzliche Einwohner anlocken sollen. «Darum ist es kein Wunder, dass die Unternehmen pessimistischer sind, was ihre Erreichbarkeit betrifft.» Aber auch das Seetal rechnet mit einer schlechteren Erreichbarkeit. Die kürzlich eröffnete Mall of Switzerland in Ebikon und die regelmässigen Staus am Rotsee würden die Perspektiven der KMU in Emmen, Inwil und den umliegenden Gemeinden auch nicht gerade aufhellen.

Innovationen haben schweren Stand

Erstmals haben Demoscope und Gewerbeverband die Unternehmen gefragt, ob es für sie im nächsten Jahr einfacher oder schwieriger wird, eine Innovation auf den Markt zu bringen. Die Antwort: Mit –0,7 Punkten auf der 5-Punkte-Skala rechnen die Firmen mit Schwierigkeiten. Gaudenz Zemp ortet hier zwei Hauptfaktoren, die zusammenhängen. Einerseits seien die Margen noch immer stark unter Druck. Das spüren nicht nur die traditionellen Exportfirmen, sondern auch deren Lieferanten, wovon es im Kanton Luzern einige gibt. Andererseits zwinge dieser Margendruck die Unternehmen zu mehr Effizienz. «Da sind die Unternehmen gezwungen, wegen fehlender Ressourcen die Markteinführung von Innovationen zurückzustellen.» Roland Huber, geschäftsleitender Partner und Leiter der KMU-Umfrage bei Demoscope, ortet auch regulatorische Gründe, welche den Innovationsmotor bremsen.

Trotz der drei Schlechtwettertendenzen spricht der Gewerbeverbandsdirektor von insgesamt guten Prognosen. Dafür sprächen nebst der erwarteten Wirtschaftslage auch der jeweilige Unternehmensgewinn und die Zahl der Mitarbeiter. Beide Faktoren erreichen wie schon für dieses Jahr auch 2018 einen positiven Wert. Und: Das oft verschmähte Wort Digitalisierung ist für die KMU im Kanton Luzern kein Grund zur Sorge: 56 Prozent sind der Meinung, die Digitalisierung wirkt sich nächstes Jahr positiv auf das eigene Geschäftsmodell aus. Das ist zwar ein Prozent weniger als im Vorjahr – dafür sank die Skepsis von 29 auf 26 Prozent. Auch Roland Huber von Demoscope konstatiert: «Dem Luzerner Gewerbe geht es gut.»

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